Liturgischer Impuls am Dienstag, 11. Mai 2021

Himmelfahrt

Eröffnungslied: GL 319 Christ fuhr gen Himmel.
Christ fuhr gen Himmel. Was sandt er uns hernieder?
Er sandte uns den Heilgen Geist zu Trost der armen Christenheit. Kyrieleis.
(Refrain nach dem Evangelium)
Christ fuhr mit Schallen von seinen Jüngern allen.
Er segnet sie mit seiner Hand und sandte sie in alle Land. Kyrieleis.

Zur Einstimmung: Bald ist Himmelfahrt. Ich habe die Abläufe der Osterzeit schon recht gut verinnerlicht nach all den Jahren: Nach Karfreitag kommt die Auferstehung, danach verschiedene Begegnungen des Auferstandenen mit Jüngerinnen und Jüngern, dann Himmelfahrt und zum Abschluss wird zu Pfingsten der Heilige Geist ausgegossen und der Glauben an Christus verbreitet sich um die Welt. Mir scheint das immer wieder folgerichtig und sinnvoll eingerichtet. Aber was ist mit den Jüngern? Wie gehen sie als Zeitzeugen mit diesem Wechselbad der Gefühle um? Im Evangelium spricht Jesus ihre Sorgen heute ganz direkt an:

Evangelium nach Johannes, Kapitel 16, 5 – 11:
Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr hat Trauer euer Herz erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. […]

Halleluja: Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Auslegung: Ausgesprochen am Gründonnerstag, scheinen Jesu Worte wie gemacht zu sein für diese Tage kurz vor Himmelfahrt: Gerade mussten die Männer und Frauen in seiner Nachfolge den Kreuzestod verkraften, da erscheint er ihnen wieder, er spricht und isst mit ihnen. Da wird mancher gedacht haben: „Das ist gerade nochmal gut gegangen!“ Und die wenigstens werden sich mit dem Gedanken an einen erneuten Fortgang Jesu anfreunden können. Jetzt, wo alles wieder gut ist, soll es sich schon wieder ändern?
Gefühlt habe ich das in den letzten Wochen so oft gelesen wie noch nie zuvor: Soll sich etwa die katholische Kirche ändern müssen? Ist sie nach 2000 Jahren nicht mit geradezu dogmatischer Sicherheit so geworden, wie Gott sie will?

Doch ich muss gar nicht so groß ansetzen: Ich selber kann Änderungen auch oft nicht leiden. Ich habe mich vor einigen Jahren mal sehr geärgert, als mein Lieblingsbrot nicht mehr erhältlich war, und habe das nicht zum Anlass genommen, gleich mal den Abschied vom industriell gebackenen und geschnittenen Brot zu vollziehen und auf eine gesündere und handwerklichere Sorte umzusteigen, sondern habe nur Kürbis- durch Sonnenblumenkerne ersetzt und esse im Prinzip das selbe Brot weiter wie vor 20 Jahren.
Und ich habe neulich festgestellt, dass ich mir Fernsehserien über mehrere Staffeln hinweg bis zum Ende ansehe, obwohl sie mich im Grunde gar nicht mehr ansprechen. Aber das zu ändern, kommt irgendwie nicht in Frage.
Wenn ich es schon bei so einfachen Dingen nicht hinbekomme, an welchem „eitlen Tand“ aus vergangenen Jahren hänge ich wohl sonst noch?

Jesus greift die Sorgen seiner Jünger heute fast liebevoll auf: Er verspricht ihnen, dass diese Veränderung gut ist. Er sichert ihnen den Heiligen Geist als Unterstützung zu, der den Verlust der räumlichen Nähe zu Christus mehr als aufwiegen wird. Es wird anders, aber es gibt Grund zur Freude darauf.
Gott war immer mit einem Zelt bei den Menschen zufrieden, um sein wanderndes Volk durch die Zeit zu leiten. Nur widerwillig ließ er sich einen Tempel bauen. Bauen wir darauf, dass es für uns ein Gewinn ist, wenn wir uns seiner Führung durch die Wirren und Wechselbäder unserer Zeit anvertrauen!

Zum Ausklang: GL 478, 4 + 5: Ein Haus voll Glorie schauet
Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da;
in menschlichen Gebärden bleibt er den Menschen nah.

Sein wandernd Volk will leiten der Herr in dieser Zeit;
er hält am Ziel der Zeiten ihm dort sein Haus bereit.

Gott, wir loben dich, Gott, wir preisen dich.
O lass im Hause dein uns all geborgen sein.

(Christoph Nitsche)