Liturgischer Impuls am Donnerstag, 15. April 2021

Foto: Peter Weidemann, https://www.pfarrbriefservice.de/image/gottes-schopfung-wasser-voller-leben

O Herr, gieße Ströme des lebendigen Wassers aus, o Herr, über uns!

O Herr, gieße neu die Kraft des Heiligen Geistes aus, o Herr, über uns.
Sieh unser dürres Land, hör unser Schrein.
Nur deine starke Hand kann uns befrein.
Lass Wasser fließen, Herr, von deinem Thron,
gieß aus in unser Land den Lebensstrom.
O Herr, gieße Ströme des lebendigen Wassers aus, o Herr, über uns!

O Herr, gieße neu die Kraft des Heiligen Geistes aus, o Herr, über uns.

(Albert Frey, LW 8)

Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 5,27-33)

Man führte sie (Petrus und die Apostel) herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie und sagte: ,Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.‘ Petrus und die Apostel antworteten: ,Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.‘ Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

Gestern haben wir in der Apostelgeschichte gehört, dass die Apostel von Engeln aus dem Gefängnis befreit wurden. Die Apostel gingen wieder in den Tempel und verkündeten die Auferstehung Jesu und erzählten, was sie mit ihm erlebt hatten.

Heute hören wir, wie sie deshalb vor den Hohen Rat gebracht werden.
Ein Satz, den Petrus und die Apostel sagen, sticht heraus: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Petrus und die Apostel haben mit Jesus zusammengelebt. Sie sind ihm gefolgt. Sie sind Zeugen seiner Auferstehung. Jesus hat ihnen aufgetragen, den Menschen von ihm zu erzählen. Jesus hat sie beauftragt, in seinem Namen zu handeln, zur Umkehr aufzurufen, Sünden zu vergeben und zu heilen, sich den Menschen in ihren Nöten zuzuwenden. Beseelt von diesem Auftrag und geführt vom Heiligen Geist gehen Petrus und die Apostel ihrer Berufung nach. Währenddessen wächst der Zorn des Hohen Rates. Vermutlich haben diese Menschen Angst um ihre Macht. Angst aber, kommt nicht von Gott; es sind andere Mächte, die sie beherrschen. Die Mitglieder des Hohen Rates haben immer noch nicht begriffen, wer dieser Jesus war, auch jetzt nach seiner Auferstehung nicht. Es ist ja auch schwer zu verstehen, wenn einer, der sich klein und angreifbar macht, der Sohn Gottes sein soll.
Und heute? Wie geht es uns mit dem Satz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“? Er fordert mich heraus, aufzustehen und den Weg Jesu zu gehen, auch wenn er abweicht vom Mainstream unserer Kirche.
Wachen wir also auf, und beten wir um die Unterscheidung der Geister! Hören wir immer wieder im Gebet auf das, was Jesus von uns will! Seine Botschaft ist die Botschaft des Lebens, keine Botschaft, die sich nach menschengemachten Gesetzen richtet. Jesus geht es um gelebte Nächstenliebe, um friedliches Miteinander, um Leben für alle Menschen…

In der vergangenen Woche, am 6. April, ist der Theologe Hans Küng verstorben. Er musste erleben, wie ihm aufgrund seines theologischen Andersdenkens, seiner kritischen Anfragen, z.B. an die Unfehlbarkeit des Papstes,  die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Er musste erleben, wie sich viele Weggefährten gegen ihn stellten, weil er vieles in der Lehre der Kirche in Frage stellte. Er hat sich nicht davon abbringen lassen, seine Berufung zu leben, und entwickelte die Idee des „Weltethos“. Hans Küng sagte: „Ohne den Frieden der Religionen kann es keinen Frieden zwischen den Völkern geben.“ Diese unstrittige, bedeutsame Erkenntnis fordert uns heraus in diesem Sinne weltumfassend zu denken und zu handeln. Toleranz, Verständnis füreinander und der Dialog miteinander sind wichtige Voraussetzungen dafür.

Beten wir um die Ausschüttung des Heiligen Geistes

…für alle Verantwortlichen in der katholischen Kirche, die Macht über Menschen haben, dass sie Berufungen erkennen und fördern, dass sie frei werden von der Angst, in ihrer Macht geschwächt zu werden.
…für alle, die ihre Berufung als Jüngerinnen und Jünger Jesu leben, dass sie geistgeführt auf dem Weg der Jesusnachfolge bleiben.
…für alle, die auf der Suche nach einem erfüllten Leben sind, dass sie ihren Weg finden.
…für alle, die innerhalb der Kirche gehindert werden, ihren Weg der Nachfolge zu gehen, dass sie nicht verbittern.
…für alle, die sich abgewendet haben von der Kirche, dass ihr Glaube zu Jesus Christus nicht erlischt und in anderer Weise in dieser Welt wirksam werden kann.
…für alle, die sich gern in den Gemeinden engagieren, dass ihre Begeisterung sichtbares Zeichen in unserer Welt ist.
…für alle, die sich für einen interreligiösen Dialog und interreligiöses Zusammenleben einsetzen, dass sie immer mehr Menschen finden, die sich ihnen anschließen.
…für unsere Pfarrei St. Martin, dass wir unseren biblisch begründeten Auftrag ernstnehmen und erkennen, wie wir den Weg des Herrn bereiten und wirklich Segen sein können.

Darum erbitten wir, Vater, deine göttliche Kraft, denn du lebst und liebst mit dem Auferstandenen Jesus Christus und der Kraft des Heiligen Geistes jetzt und alle Zeit. Amen.

Ich will hören
Von Tag zu Tag
ist mein Leben erfüllt
von Deinem Anruf
an mich.
Lass mich hellhörig werden
für Deine Stimme,
dass sie nicht untergehe
im Lärm des Nichtigen.
Das Vernommene
und dennoch Niegehörte
lass mir zu Ohren dringen.
Ein waches Herz gib mir,
das Ewiges
im Zeitlichen gewahrt.
Was Du mir dartust Gott,
behüte es in mir.
(Antja Sabine Naegeli)

(Patricia Sorek)