Liturgischer Impuls am Donnerstag, 02.12.2021

Zu Beginn unserer heutigen Liturgie lade ich Sie zu einer kurzen Besinnung ein: 

mein Zeit Raum

Ich sitze in meinem Zimmer.
Auf dem Boden.
Aufrecht.

Mit Blick zum Fenster.
Ich atme tief und ruhig in meinem eigenen Rhythmus.
Und gehe ins absolute Vertrauen.
Öffne mein Herz.
Vergesse für einen Moment, wo ich bin.

Und erlebe:
Ich gebe mir Raum.
Es gibt einen Ort für meine heiligen Wünsche.
Er umgibt mich wie eine kleine Kapelle.
Ich spüre den Boden unter mir.
Weiß um die Tür nach draußen,
zu den anderen.
Mein Blick geht aus dem Fenster,
hoch zum Himmel.
Ich atme bewusst aus und ein.
Lasse los und empfange neu.

Höre die Stimme meines Lebens:
„Im Zentrum meines Herzens sind Licht und Liebe.“
Ich spüre die Wärme der Gnade auf.
Bin umgeben von vier Wänden.
Von Erwartungen. Menschen. Aufgaben.
Jetzt sitze ich hier für mich.

Ich lege meine Hand aufs Herz.
Weiß mich von guten Mächten wunderbar geborgen.
Und freue mich über diese Zeit:
Den Advent, mein geschütztes Zimmer.


(Aus: „Leuchttage“ Begleiter durch den Advent 2021, Anne Weigel)

Und so beginnen wir die Tagesliturgie im Namen dessen,
– der uns wunderbar geborgen hält – im Namen des Vaters,
und im Namen dessen,
– den er zu uns auf Erden schickt – des Sohnes
und im Namen dessen,
– der in uns mit seiner guten Kraft wirkt – des Heiligen Geistes. Amen.

Die heutige Tageslesung finden wir beim Propheten Jessaja (26,1-6):

An jenem Tag singt man in Juda dieses Lied: Wir haben eine befestigte Stadt, zu unserem Schutz baute der Herr Mauern und Wälle. Öffnet die Tore, damit ein gerechtes Volk durch sie einzieht, ein Volk, das dem Herrn die Treue bewahrt. Sein Sinn ist fest; du schenkst ihm Ruhe und Frieden; denn es verlässt sich auf dich. Verlasst euch stets auf den Herrn; denn der Herr ist ein ewiger Fels. Er hat die Bewohner des hohen Berges hinabgestürzt, die hoch aufragende Stadt; er hat sie zu Boden geworfen, in den Staub hat er sie gestoßen. Sie wird zermalmt von den Füßen der Armen, unter den Tritten der Schwachen.

Wir haben zu Beginn der Liturgie unseren eigenen Schutzraum abgesteckt und uns vergewissert, dass er sicher ist, dass er uns birgt, dass wir dort zu uns selbst finden und zu dem, was in unserem Herzen ist, was uns am Leben hält. 

In der Tageslesung geht es auch um einen Schutzraum: Das Volk besingt seinen Gott, der ihm einen sicheren Ort des Friedens gibt. Alle, die Gott treu sind, sollen durch die Tore in den Ort einziehen. Das Volk, das sich auf Gott verlässt, wird in Ruhe leben. Das ist eine große Freude, denn den Armen und Unterdrückten wird zu ihrem Recht verholfen. Gott ist verlässlich und steht fest wie ein Fels. Er richtet die Gebeugten auf und stürzt die Mächtigen von ihrem Thron. Das ist die Botschaft des Textes: Bei Ihm, Gott, sind wir zu Hause, in Geborgenheit und Sicherheit.
Das ersehnen und erhoffen wir uns im Advent: dass wir zu Weihnachten an der Krippe und damit bei Gott ankommen und uns angenommen fühlen. Und es kann ganz eschatologisch eine Vorahnung und eine Hoffnung sein auf die himmlische Ewigkeit, in die wir – so glauben wir – nach unserem irdischen Leben eingehen werden.
Wenn das so ist, wenn wir daran glauben wie viele Menschen vor uns, dann stimmen wir in das Lied des Volkes Gottes ein und geben uns und unser Tun an diesem Tag vertrauensvoll in Gottes Hand:
Ich bitte Dich, starker und schützender Gott, für alle Menschen, die verunsichert sind, die verlassen sind, die trostlos sind, die gefangen sind, die verzweifelt sind, die heimatlos sind, die ratlos sind, die sorgenvoll sind, die abhängig sind…: wende Dich ihnen zu, nimm sie an Deine Hand und gib ihnen Sicherheit und Wärme.

Und ich bitte Dich, Gott: Segne alle Menschen, segne uns!
Öffne unsere Herzen und fülle sie mit deinem heilvollen Segen!
Lege deinen schützenden Segen um unsere Herzen.
Lass uns heute Deinen Segen weitergeben, damit Dein Frieden in unserer Welt wächst und Dein Himmel erahnbar wird. Amen.

(Text: Patricia Sorek, Foto: Helena Sorek)