Liturgischer Impuls am Donnerstag, 23. Dezember

Wir erwarten Großes!

Eröffnung: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn – der Himmel und Erde erschaffen hat.

Zur Einführung: Der schon wieder!
Wir kennen solches Aufstöhnen. Bei chronisch erfolglosen Einwechselspielern im Fußball kann man es genauso hören wie bei Unterhaltungskünstlern in Fernsehshows und vielleicht sogar bei Gemeinden, wenn sie erkennen, welcher Priester da einzieht am Beginn des Gottesdienstes. Und was passiert dann? Die Erwartungshaltung wird gesenkt, die Aufmerksamkeit lässt nach und ebenso die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
Jesus hat das selbst in seiner Heimatstadt erfahren: Es ging gut los und die Gemeinde staunte über „die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen“. Aber dann besann man sich, dass er doch eigentlich nur der Sohn des Schreiners sei, und seine Mitbürger konnten sich plötzlich nicht mehr vorstellen, dass von ihm Großes zu erwarten sei.
Dabei kann man Gott nun wirklich nicht vorhalten, dass er nicht alles versucht hat, um die Geburt Jesu als etwas ganz Besonderes erkennbar zu machen. Sogar einen besonderen Boten der Ankündigung hatte er berufen: Johannes sollte die Aufmerksamkeit bündeln und auf den Herrn lenken, und es sah doch am Anfang wirklich ganz gut aus:

Evangelium nach Lukas 1, 57-66
Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes. Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott. Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war.

Auslegung:
Wenn wir doch wissen, dass unsere Erwartungshaltung einen Einfluss darauf hat, wie wir mit einem Ereignis umgehen, dann wird es nun höchste Zeit, unsere Erwartungen in die Höhe zu schrauben. Aus dem „ach, schon wieder Weihnachten“ wollen wir heute ein „endlich, Weihnachten“ wachsen lassen. Das „am Sonntag ist ja im Prinzip alles wieder vorbei, dann kommt Silvester“ verwandeln wir in „O komm, o komm, Immanuel!“ und „alle Jahre wieder“ erheben wir zum „Jauchzet, frohlocket“!

Kurz gesagt: Wir erwarten Großes!

Wir erwarten Großes, wir erwarten ein Licht, das das Dunkel vertreibt.
Wir erwarten Großes, wir erwarten den Frieden, der bleibt.
Wir erwarten Großes, wir erwarten Großes, wir erwarten Großes: wir erwarten ein Kind!

Wir erwarten die Hoffnung, in dunkler Zeit, in Schmerz und Leid;
Hoffnung, die sagt: Alle Mutlosigkeit ist vorbei! Macht Euch bereit!
Wir erwarten Hoffnung, die uns trägt und hält.
Denn das Wort wird Fleisch und Gott wird Mensch in dieser Welt!

Wir erwarten die Liebe, in kalter Zeit, in Einsamkeit.
Liebe, die sagt: Ich bin da, Ihr seid nicht mehr allein! Macht Euch bereit!
Wir erwarten Liebe, die uns trägt und hält.
Denn das Wort wird Fleisch und Gott wird Mensch in dieser Welt!

Wir erwarten das Leben in Gottes Zeit, in Herrlichkeit.
Leben, das Fülle und Gnade für alle verheißt: Macht Euch bereit.
Wir erwarten Leben, das uns trägt und hält.
Denn das Wort wird Fleisch und Gott wird Mensch in dieser Welt!

Wir erwarten Großes, wir erwarten ein Licht, das das Dunkel vertreibt.
Wir erwarten Großes, wir erwarten den Frieden, der bleibt.
Wir erwarten Großes, wir erwarten Großes, wir erwarten Großes: wir erwarten ein Kind!

Dieses Lied gibt es auch sprachlich nahezu handgreiflich wieder: Wir warten nicht einfach nur (auf den Sankt-Nimmerleinstag), sondern wir erwarten etwas von Gott! Wir trauen es ihm zu, wir rufen voller Ungeduld: „Nun komm endlich!“ Und mit jeder Wiederholung des Liedes steigt auch unsere innere Bereitschaft. Es passiert nicht irgendetwas Alljährliches, sondern nun kommt Gott wirklich zu uns und alles wird sich ändern.

Das finden sie unrealistisch? Schauen Sie doch mal auf junge Eltern in Ihrer Umgebung, die gerade ein Kind erwarten duften: Was sich dort alles ändert! Freilich, es ist menschlich, dass es dort auch Sorgen und Nöte gibt, aber noch einmal: Was sich dort alles ändert! Und wieviel mehr wird sich ändern, wenn es Gott ist, der als Kind zur Welt kommt!?
Hören Sie sich doch einfach noch einmal das Lied an:

Segen:
Lasst uns ziehen nach Betlehem, denn wir erwarten Großes.
Auf diesem Weg segne uns der dreifaltige Gott, der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist.

Schlusslied GL 402, 1:
Danket Gott, denn er ist gut;
groß ist alles, was er tut.

(Musik: Markus Müller, Rechte am Lied: Stephanie Dormann, Kerze: Dorit Nitsche, Impuls: Christoph Nitsche)