Liturgischer Impuls am Donnerstag, 4. März 2021 – 2. Woche der Fastenzeit

Ufer

Herr, öffne meine Lippen,
damit mein Mund Dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist –
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Zeit des Lebens

Zeit des Fluchs und Zeit des Segens,
Zeit der Dürre, Zeit des Regens,
Tag der Ernte, Zeit der Not,
Zeit für Steine, Zeit für Brot.

Zeit der Liebe, Nacht der Frage,
Stunde Wahrheit, Tag der Tage,
Zukunft, die gekommen ist,
Wort, das voller Stille ist.

Zeit des Trostes, Zeit der Tränen,
Zeit der Schönheit, Zeit zu schämen,
Zeit des Jagens, die vergeht,
Zeit des Hoffens, die besteht.

Zeit des Schweigens, Sinn verloren,
nirgends bleiben, ungeboren,
Unterdrückung, Angst und Leid,
Meer von Zeit und Einsamkeit.

Wer die Zeiten hat verloren,
neuem Anfang abgeschworen,
wer nur, was er hat, erstrebt,
sterben wird er, ungelebt.

Zeit zu leben, um zu teilen,
Zeit zu warten, nicht zu eilen.
Wer sein Brot für andre brach,
leben wird er, hundertfach.

(Huub Oosterhuis, Übers.: Peter Pawlowsky)

 

Lesung (Jer 17,5-10)

5 So spricht der Herr:
Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt
und dessen Herz sich abwendet vom Herrn.

6 Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht;
er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist.

Deutliche Worte: „Verflucht“ – dieses Wort steht für mich auf der Liste der verbotenen Wörter; einen Menschen verfluchen, d.h. ihm Unheil, den Zorn Gottes wünschen, das darf und will ich nicht tun. Hingegen sagt der Prophet Jeremia in unserem heutigen Lesungstext: Gott verflucht einen Menschen – wie soll das gehen?? Nach einer Weile des Nachdenkens beginne ich langsam, diese Sätze anders zu verstehen: „Der Mensch, der auf Menschen vertraut … und dessen Herz sich abwendet vom Herrn“ – dieser Mensch hat sich schon ins Abseits manövriert. Wer sich vom Herrn abwendet, kann nicht wirklich leben, denn er hat sich von der Quelle des Lebens abgeschnitten. Das führt auch der dann folgende Satz aus: Dieser Mensch lebt wie in einer Steppe ohne Regen, im unbewohnbaren Salzland – er lebt nicht wirklich. Er scheint „von allen guten Geistern verlassen“ zu sein.

Und ich frage mich, wie es so vielen meiner Mitmenschen gehen mag, die nicht an Gott glauben: Leben auch sie „im Salzland, das unbewohnbar ist“? Aber weiß ich denn, ob sie sich – tief innen in ihrem Herzen – vom Herrn abgewandt haben? Dieser Text ist vermutlich nicht geschrieben, um über andere zu urteilen, sondern um diejenigen, die ihn lesen oder hören, aufzurütteln… Auch mich.

Denn es folgt der positive Gegenentwurf:

7 Gesegnet der Mensch, der auf den Herrn vertraut und dessen Hoffnung der Herr ist.

8 Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt;
seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge;
er hört nicht auf, Frucht zu tragen.

Der Mensch, der auf den Herr vertraut und auf Ihn hofft, erfährt Segen – in der lebendigen Beziehung zu Gott liegt dieser Segen: Wie einem Baum, der am Wasser steht und daher auch in Hitze noch genügend Wasser bekommt, um seine Blätter zu versorgen und Früchte hervorzubringen, so ergeht es dem Menschen, der in einer lebendigen Gottesbeziehung lebt. Er bleibt mit dem Leben und mit Gott, dem Ursprung und Ziel allen Lebens, verbunden.
Diese Aussage des Propheten Jeremia ermutigt mich, mich um meine Beziehung zu Gott zu kümmern, sie lebendig zu halten.

9 Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich.
Wer kann es ergründen?

10 Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren,
um jedem zu geben nach seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.

Diesem Gott, unserem Schöpfer, können wir nichts vormachen: Er prüft uns auf Herz und Nieren. Aber Er schaut zugleich voller Liebe auf uns. Auch wenn kein Mensch die Herzen ergründen kann, oft nicht einmal das eigene – vor Gott liegt alles offen da.

 

Ich will umkehren

Zu Dir zurückkehren,
wenn ich mich verirrt
und letzte Erfüllung
in Vorläufigem gesucht habe.

Zu dir zurückkehren,
wenn ich das Dürsten meiner Seele
zu betäuben gesucht habe,
indem ich mein Herz an Dinge hängte
und meinen Wünschen zu besitzen
kein Grenzen setzte.

Zu Dir zurückkehren,
wenn ich mich aufgelehnt habe
gegen Deinen Willen
und Dir insgeheim unterstellte,
Du wolltest mir Begehrtes nicht gönnen.

Zu dir zurückkehren,
wenn mein Gebet verstummt ist
und ich mich glauben gemacht habe,
Du nähmest keinen Anteil an meiner Not.

Zu Dir zurückkehren,
wenn ich dem Alltag erlaubt habe,
mich zu versklaven,
und keine Zeit mehr fand
für die Stille vor Dir.

Zu Dir zurückkehren,
wenn ich den Sorgen und Ängsten
die Herrschaft überlassen habe,
statt Dir zu vertrauen
und mich Dir zu lassen.

Zu dir zurückkehren, Herr,
nicht, um wieder und wieder zu fliehen,
sondern um endlich zu bleiben.
Das erbitte ich.

(Antje Sabine Naegeli)

 

Meine Beziehung zu Gott hängt sehr eng mit meiner Beziehung zu meinen Mitmenschen und zu mir selbst zusammen. Bitten wir Gott …
– für die Menschen, die uns am Herzen liegen
– für alle, die an Leib und/oder Seele krank sind
– für alle, die mit viel Liebe und Geduld andere unterstützen
– für alle, die Gott suchen
– …

Beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel …

Der Herr segne und behüte uns,
Er lasse Sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig.
Er wende uns sein Antlitz zu und schenke uns Seinen Frieden.
So segne uns der barmherzige, liebende und Leben spendende Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Foto + Text: Elisabeth Meuser