Liturgischer Impuls am Freitag, 16. April 2021

Christus in der Wüste (Kramskoi)

(Christus in der Wüste (Ausschnitt), von Ivan Kramskoi, Link)

Zur Einstimmung: GL 94, 3: Bleib bei uns, Herr
Bleib bei uns, Herr, im Dunkel unsrer Sorgen. Du bist das Licht, das niemals mehr erlischt.
Bleib bei uns, Herr, bei dir sind wir geborgen. Führ uns durchs Dunkel, bis der Tag anbricht.

Einleitung: Ich weiß, dass die Impulse oft am Morgen gelesen werden und ein Abendlied nicht recht dazu passt. Aber manchmal ist die Stimmung schon mitten am Tag sehr abendlich, und auch Jesus hat heute einen schweren Abend. Dabei hat alles so gut angefangen:

Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, 1 – 15:
[..] Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. [..]

Betrachtung:
Er teilte aus, soviel die Leute wollten. Ist das nicht herrlich? Ich vermute, Jesus war ganz in seinem Element: Umgeben von Menschen, mit denen er teilen und essen und reden kann, die die gute Gemeinschaft mit ihm spüren und schätzen.
Und doch währt die Freude nur kurz, denn wenig später lesen wir: Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.
Kaum ist die Menge satt, wandelt sich das Bild. Jesus sieht die gleichen Menschen an, aber er sieht nicht mehr Aufgeschlossenheit, Dankbarkeit und Geborgenheit, sondern einen finsteren Plan: Sie wollen sich nicht ändern, um ihm nachzufolgen, sondern sich ganz bequem von einem König regieren lassen, unter dem das Brot nie knapp wird.
Von einem Moment zum anderen wandelt sich Situation. Jesus muss sich zurückziehen, selbst von seinen Jüngern, er ist allein.
Auch ich sehe manchmal Leid, wohin ich auch schaue: Ein Mann erzählt mir von dem jungen Verwandten, der das Leben nicht mehr ertragen hat, ein anderer sieht ein gutes Stück seines Lebensweges in Scherben fallen und eine Mutter fragt sich, wann sie ihr Kind wieder in die Arme schließen kann.

Wir blicken der Osterzeit voller Freude auf den Auferstandenen, den Erlöser. Aber der einzige Halt, der uns manchmal bleibt, liegt in dem Wissen, dass er auch diese dunklen Stunden durchgestanden hat. Allein bleibt er hier auf dem Berg zurück, gleich wird er noch seine Jünger aus der Verzweiflung retten müssen. Als wahrer Mensch und wahrer Gott kennt er unsere Sorgen, auch wenn uns die Worte fehlen, sie im Gebet vor ihn zu tragen. Und er spricht: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Zum Ausklang: GL 101, 2 + 7: Nun ruhen alle Wälder
Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind.
Fahr hin; ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint.

Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben kein Unfall noch Gefahr.
Gott lass euch selig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar.

(Christoph Nitsche)