Liturgischer Impuls am Freitag, 21. Mai 2021

Worte

Zur Einstimmung: GL 425, 2 + 5: Solang es Menschen gibt auf Erden
2. Solang die Menschen Worte sprechen, solang dein Wort zum Frieden ruft,
solang hast du uns nicht verlassen. In Jesu Namen danken wir.
5. Darum muss jeder zu dir rufen, den deine Liebe leben lässt:
Du, Vater, bist in unsrer Mitte, machst deinem Wesen uns verwandt.

Evangelium nach Johannes, Kapitel 21, 1 + 15 – 19:
Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! [..]

Zwischengesang: GL 312, 7: Herr, du hast Worte ewigen Lebens!

Betrachtung:
Kinder fragen manchmal: „Warum?“. Und wenn sie in besonders guter Laune sind, wiederholen sie dieses „Warum?“ nach jeder neuen Antwort. Es ist nicht schwer, die armen Eltern auf diese Weise zur Verzweiflung zu bringen – mit einem einzigen Wort. Am Anfang mag es dabei um Wissen und Verständnis gehen, aber spätestens beim dritten „Warum?“ spielt die genannte Antwort kaum noch eine Rolle, es geht um das Verhältnis zwischen Fragestellern und Antwortenden, das Drumherum wird wichtiger als der reine Text.

Zwischen Verliebten mag es auch die Frage geben: „Liebst Du mich?“. Und ich vermute, in den seltensten Fällen geht es dann darum, eine Auskunft über einen unbekannten Beziehungszustand einzuholen, sondern in aller Regel geht es um eine Vergewisserung, um eine Bestärkung oder um ein frohes Gefühl, und ganz selten um den reinen Text. Und manchmal wird die Frage wohl wiederholt, weil man die Antwort gar nicht oft genug hören kann, auch wenn man sie schon kennt.

Petrus wiederfährt heute auch so eine wiederholte Anfrage. Und weil er der Fels ist und nicht so leicht zu erschüttern, weist er Jesus sicherheitshalber gleich darauf hin, dass er die Antwort doch wisse. Aber es hilft ihm nichts – Jesus fragt in dreimal und bringt den Fels ins Wanken. Vieles wird Petrus durch den Kopf gegangen sein: Der dreifache Verrat in der Vergangenheit oder die unsichere Zukunft, die so ganz anders sein wird als das Leben an der Seite Jesu, vielleicht die Verantwortung, die nun auf ihn zukommt oder die Unsicherheit, weil er Jesus gerade eben nicht erkannt hatte und dazu die Hilfe eines anderen Jüngers brauchte.
Aber Jesus liegt etwas an seiner Beziehung zu Petrus, und so bleiben sie im Gespräch und erleben – über alle Worte hinaus – einen innigen gemeinsamen Moment.

Was heißt das für uns? Natürlich gäbe es viel über die Kommunikation zwischen Menschen zu sagen, bei der Worte eben auch oft nur ein kleiner Teil der Botschaft sind. Aber vielleicht schauen wir heute auf das Gebet, auf unsere Beziehung zu Gott, die wir im Gespräch mit Jesus Christus vertiefen können.

Zum einen sehen wir, dass Wiederholungen auch im Gebet keine einfachen Dopplungen sind, wie sie eine Maschine perfekt identisch bis in alle Ewigkeit fortführen könnte. Sondern wie bei einer Schraube bringt jede neue Umdrehung uns näher zum Kern unseres Wesens und unserer Beziehung zu Gott. „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen ..“ sagte schon Heraklit, und ebenso kann man nicht zweimal das selbe Gebet beten, das selbe Gespräch mit Gott führen. Wir sind anders und so wird das alte Gebet neu.

Zum anderen sehen wir aber auch, dass es eine Ebene über den Worten gibt, auf der sich viel mehr ereignet als im reinen Text. Egal, ob wir beim Danken schon zu ganz anderen Gedanken abschweifen oder pflichtbewusst um etwas bitten, das uns eigentlich egal ist: Gott, der unsere Worte sowieso nicht braucht, um zu wissen, was wir fühlen, sieht uns aufmerksam an und erkennt unser Wesen – egal, was unsere Worte sagen. Achten wir also immer auch auf das, was ungesagt bleibt und trotzdem in unserem Herzen brennt.

Gebet:
Herr, unsere Seele ruft zu Dir, auch wenn unsere Lippen schweigen.
Mach es uns leichter, deine Stimme zu vernehmen,
denn nur Du hast Worte ewigen Lebens.
Amen.

Zum Ausklang: GL 543, 4 + 5: Wohl denen, die da wandeln
4. Lehr mich den Weg zum Leben, führ mich nach deinem Wort,
so will ich Zeugnis geben von dir, mein Heil und Hort.
Durch deinen Geist, Herr, stärke mich, dass ich dein Wort festhalte, von Herzen fürchte dich.
5. Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich.
Dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erde durch deine Hand bereit′.

(Christoph Nitsche)