Liturgischer Impuls am Freitag, 30. April 2021 – 4. Osterwoche

O Gott, komm mir zu Hilfe! Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor Dich.
Wandle sie in Weite; Herr, erbarme Dich!

Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor Dich.
Wandle sie in Stärke; Herr, erbarme Dich!

Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit, bringe ich vor Dich.
Wandle sie in Wärme; Herr, erbarme Dich!

Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor Dich.
Wandle sie in Heimat; Herr, erbarme Dich!

(GL 437; Text: Eugen Eckert; Melodie: Winfried Heurich)

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 14,1-6)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
1Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Wie oft lässt sich mein Herz verwirren und braucht lange – viel zu lange? –, um sich wieder an Jesus auszurichten? Da tut es gut, mir zusprechen zu lassen: „Lass dich nicht verwirren! Glaube an Gott, und glaube an Jesus!“

2Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?

Wie wohltuend: Jesus geht nicht von einem „Einheitsbrei“ aus, sondern von der Unterschiedlichkeit seiner Jüngerinnen und Jünger. Sie haben alle ihre Eigenarten, ihre Begabungen, keiner und keine ist wie der oder die andere. Es braucht also, ja „es gibt viele Wohnungen“: Jede und jeder darf einen Platz finden! Denn es gibt so viele Wege zu und mit Gott, wie es Menschen gibt. Und da Gott jeden Menschen geschaffen hat, liebt Er jeden einzelnen von ihnen – ohne Unterschied! Ist das nicht eine wahrhaft FROHE Botschaft?!
Und zugleich sagt mir dieser Vers, dass nicht wir die Wohnungen zu vergeben haben oder bestimmen könnten, wer dort einziehen darf. Diese Entscheidung steht uns Menschen nicht zu!

3Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

Dieser Satz lässt in mir das Bild einer liebevollen Fürsorglichkeit entstehen: Da kümmert sich jemand, bereitet für mich einen Platz, eine Wohnung vor – o, kein Umzugsstress für mich! – und wartet dort auf mich. In meiner Fantasie stehen sogar Blumen auf dem Tisch, und dazu kommen sicherlich – weil es Jesus ist, der den Platz vorbereitet – auch Brot und Fisch und Wein wie damals in Galiläa…

4Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. 5Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
6Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Wie oft geht es mir so wie dem Apostel Thomas: „Ich weiß nicht, wohin du gehst – wohin ich gehen soll… Ich weiß nicht, wie ich jetzt reagieren soll… Ich weiß nicht…“! Jesu bekannte Antwort lautet: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Sie kann mir Orientierung schenken – auch wenn diese einfachen Worte oft schwer in den eigenen Alltag zu übersetzen sind. Aber vielleicht hilft es meinem Herzen, wenn es sich wieder einmal hat „verwirren“ lassen, sich dann an die Zusage Jesu zu erinnern, dass ER und sonst nichts und niemand „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist. Das gilt auch dann, wenn ich in meinem Leben nur noch Fragezeichen sehe, die mich bedrängen. ER hat schon längst eine der vielen Wohnungen für mich bereitet und zeigt mir den Weg. Darauf darf und will ich vertrauen.

Jesus war Grenzgänger
zwischen Gott und Mensch.
Des göttlichen Innenlebens
in jedem Menschen gewiss
überschritt er leichtfüßig
soziale und religiöse Barrieren.
In seinem Freundeskreis
fanden sich Frauen und Männer.
Damit verwirklichte Jesus
Gottes ursprüngliches Projekt:
Dass sich die gesamte Menschheit
als geistesverwandte Familie Gottes
verstehen lernt.

(Andreas Knapp)

Fürbitten:

Gott, in Deiner väterlichen und mütterlichen Liebe begleitest Du unseren Weg. Wir bitten Dich
– für alle Obdach- und Heimatlosen
– für alle Suchenden und Fragenden
– für alle, die sich ausgestoßen fühlen
– für alle Kranken und Verzweifelten
– für alle, deren Kräfte am Ende sind
– …

Gott, Du kennst uns und liebst uns mehr, als wir es uns vorstellen können. Hilf uns, mit wachen Sinnen unseren Mitmenschen zu begegnen und ihnen zu geben, was sie brauchen. Schenke uns allen immer wieder die Erfahrung Deiner liebenden Nähe. Amen.

Segen:

Gott lege Seine Hand
auf deine Augen,
dass sie sich öffnen
für das Schöne:
für das sanfte Licht
der Mondsichel,
den schwebenden Tanz
der Schmetterlinge,
für leuchtendes Waldbeerenrot
und zarten Kieselsteinschimmer,
für das verträumte Lächeln
in einem Kindergesicht.

Mögest du von Sehen
zu Sehen wandern.
Möge das Staunen
dich niemals verlassen.

(Antje Sabine Naegeli)

Und so segne, behüte und begleite uns und alle Menschen guten Willens der gute, liebende und unbegreifliche Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Foto: Peter Weidemann, pfarrbriefservice.de