Liturgischer Impuls am Gründonnerstag, 1. April

Mit dem Gründonnerstagabend beginnt die dreitägige Osterfeier der Christen. Wir feiern drei Tage lang den Übergang Jesu vom Tod zum Leben. Wir feiern aber auch unseren eigenen Übergang von der Trauer zur Freude, vom Dunkel ins Licht und im Gedenken an unsere Taufe den Übergang von einem bloß Ich-bezogenen Leben zu einem neuen Leben, in dem wir Christus angehören.
Am Gründonnerstag begehen wir den innersten Beweggrund, der Jesus den Weg der kommenden Tage gehen lässt: seine dienende Liebe, die sich im Tod vollendet. Sie kommt zum Ausdruck in der Eucharistie, im gemeinsamen Liebesmahl, und im Zeichen der Fußwaschung. Wir dürfen uns heute hineinnehmen lassen in diese seine liebende Hingabe.

1. Fußwaschung

Foto: Sabine Verspohl-Nitsche / pdke; www.pfarrbriefservice.de/image/nacht-des-feuers

Selten nehmen wir unsere Füße bewusst wahr. Heute schenken wir ihnen besondere Beachtung: Unsere Füße haben uns viele Jahre lang getragen. Sie sind verschiedene Wege gegangen, bergauf und bergab, steinige, sandige und weiche Wege. Was hat sie müde gemacht? Wodurch sind sie verwundet? Welcher Staub hat sich angesammelt und was tut ihnen gut?

Das Johannesevangelium (Joh 13,1-20) überliefert uns, wie Jesus am Abend vor seinem Tod den Jüngern die Füße wusch. Sein Auftrag an uns ist deutlich: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ (Joh 13,14) – Die Handlung will zur Haltung werden.

Für Familien und Paare: Nehmen Sie diesen Auftrag heute wörtlich und waschen Sie einander die Füße. Mit dem Waschen der Füße berührt ein Mensch den anderen an seinem tiefsten Punkt.
„ganz unten
bei den Füßen
fängt die Liebe an
…die Füße sind so wichtig
zum aufstehen
zum auferstehen“   (Andreas Knapp)

Achten Sie dabei darauf, wie es sich anfühlt, anderen die Füße zu waschen und abzutrocknen und/oder sich diesen Dienst tun zu lassen. Vielleicht können Sie anschließend miteinander darüber ins Gespräch kommen.

Für Alleinlebende: Wenn Sie mögen, gönnen Sie sich ein Fußbad und versuchen Sie, sich die Szene im Abendmahlssaal damals möglichst lebendig vorzustellen, im Kreis der Jüngerinnen und Jünger zu sitzen, als Jesus beginnt, ihnen die Füße zu waschen. Versuchen Sie, mit Ihm ins Gespräch zu kommen.

Jesus will auch mir heute „die Füße waschen“, mir seine große Liebe zeigen. Wo in meinem Alltag kann ich spüren, dass Jesus mir seine dienende Liebe schenkt? Was mache ich mit diesem Geschenk?

Gebet:

Du nimmst mich an Jesus, du warst für andere Menschen da,  du hast dich für sie eingesetzt, du hast dich zu ihnen niedergebeugt, du hast allen  deine Aufmerksamkeit geschenkt. Du hast dich uns geschenkt.

Und ich?
Ich bin nicht immer so mutig, dass ich aufstehe gegen Ungerechtigkeiten.
Ich bin nicht immer so stark, dass ich mich einsetze für die Schwachen. Ich sehe nicht immer,  wo ich gebraucht werde.
Jesus, ich weiß, du nimmst mich an mit meinen Schwächen, du erwartest nicht, dass ich perfekt bin.
Du siehst in mir den Menschen, der mit allen Stärken und Schwächen von Gott geschaffen wurde.
Ich darf so sein, wie ich bin.
(Sylvia Zellinger)

2. Agape

Foto: congerdesign / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Lied: GL 470 „Wenn das Brot, das wir teilen“
Zum Gründonnerstag gehört das gemeinsame Mahl, die Agape, das Liebesmahl.

Wenn Sie allein sind, seien Sie im Rahmen der Corona-Bedingungen kreativ: Es ist beispielsweise möglich, sich zu verabreden zum gemeinsamen Beten und Brotbrechen – digital oder am Telefon… –, zumindest zum gemeinsamen Tischgebet
„Jesus, Du hast beim Mahl mit Deinen Jüngerinnen und Jüngern das Brot gebrochen und den Becher mit Wein mit ihnen geteilt. In Brot und Wein bist Du gegenwärtig. Wir wissen uns verbunden mit allen Christen auf der ganzen Welt. Segne unsere Mahlgemeinschaft und lass uns auch die nicht vergessen, die hungern – nach Nahrung für Körper, Seele und Geist, nach Zuwendung, nach Frieden. Sei Du bei uns in dieser Zeit. Amen.“

3. Ölbergstunde zu Hause

Foto: Christiane Raabe; www.pfarrbriefservice.de/image/aber-nicht-wie-ich-will-sondern-wie-du-willst-mt-2639b

„Bleibet hier, und wachet mit mir. Wachet und betet!“ – unter diesem Motto steht die Ölbergstunde, in der wir betend der Verzweiflung Jesu am Ölberg nachspüren. Es geht darum, dazubleiben, schweigend zu verweilen, nicht wegzulaufen, der Not Jesu – ebenso wie der Not in der Welt und im eigenen Leben – nicht auszuweichen, sondern bei uns zu Hause mit Jesus (allein oder in Gemeinschaft) auszuhalten.
Sie sind eingeladen, in aller Stille zu wachen und zu beten
oder die entsprechenden Textstellen aus dem Markusevangelium (Mk,14,26-42) zu lesen, laut oder leise, mit Pausen zum innerlichen Nachgehen.

Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet alle Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Da sagte Petrus zu ihm: Auch wenn alle Anstoß nehmen- ich nicht! Jesus sagte ihm: Amen, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Petrus aber beteuerte: Und wenn ich mit dir sterben müsste- ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle anderen.
Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, während ich bete! Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worten. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; siehe, jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.

Liedruf aus Taize: „Bleibet hier und wachet mit mir“
https://www.youtube.com/watch?v=5QN9xJEyu7s

Abschlussgebet
Du, unser Gott, segne unser Wachen und Beten.
Wir wollen in Jesu Nähe bleiben und mit ihm den Weg gehen, der durch Leiden und Tod hindurch in dein Leben führt. Dein Wille geschehe in unserer Welt und in jedem Menschenleben.
Lass uns deine heilsame Nähe erfahren, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

(Text: Elisabeth Meuser, Patricia Sorek)