Liturgischer Impuls am Mittwoch, 12. Mai 2021

Unbekannter Gott

Zur Einstimmung: GL 481, 5 + 6: Sonne der Gerechtigkeit
5) Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut,
und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sä´n. Erbarm dich, Herr.
6) Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft. Erbarm dich, Herr.

Vorwort: Der Apostel Paulus war vor seiner Berufung skrupellos und gewalttätig unterwegs, um die Anhänger des neuen Weges zu verfolgen und auszuliefern. Doch die Begegnung mit dem Herrn verändert ihn. Zwar bleibt er seiner Rastlosigkeit und seinem bedingungslosen Einsatz treu, aber er wechselt die Mittel: Keine Gewalt!

Lesung aus der Apostelgeschichte, Kapitel 17, 15 + 22 – 18, 1:
[..] Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. [..]
Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören. So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.  Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen. Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Halleluja: GL 454: Geht in alle Welt
Geht in alle Welt, Halleluja, und seid meine Zeugen. Halleluja.

Deutung: Als das zweite Vatikanische Konzil die Erklärung „Nostra aetate“ über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen verabschiedete, wunderten sich viele: Wenn die Rettung doch nur in der (katholischen) Kirche zu finden ist, was nützt es dann, sich mit anderen Religionen zu befassen? Die Antwort ist einfach: Wenn man Gottes Wirken in der Welt ernst nimmt und andere Menschen aufrichtig kennenlernen will, dann kommt man nicht umhin, sich damit zu befassen, was diese Menschen glauben.
Der Apostel Paulus macht es uns heute vor: Er kennt die Athener, er hat sich umgesehen und Anknüpfungspunkte gesucht, bevor er zu ihnen auf dem Areopag spricht. Und so stellt er ihnen den Glauben nicht als etwas ganz Neues und Unbekanntes vor, sondern er schließt direkt an ihre bestehenden Sehnsüchte und Vorstellungen an. Er nimmt ihren Glauben ernst und lobt sie für gewisse Teile davon – nämlich die Vorstellung, dass da noch etwas sein könnte, von dem sie noch nichts wissen. Er knüpft an das Verbindende an, ohne seine Zuhörer für ihren bisherigen „falschen“ Glauben zu tadeln.

Dann stellt er ihnen ohne Scheu seinen Glauben an den auferstandenen Christus vor. Er nimmt ohne große Klage oder Widerrede in Kauf, dass einige Zuhörer dieser Darstellung nicht folgen können oder wollen. Und so bleibt es bei einem versöhnlichen Abschluss der Missionspredigt: „Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ . Man geht im Frieden auseinander und lässt das Gesagte wirken. Und der heilige Geist tut sein Werk und bringt Männer und Frauen zum Glauben.

Nicht alle Zuhörer haben sich damals bekehrt. Auch unsere Versuche, Gott in die Welt zu tragen, werden wohl kaum von so durchschlagendem Erfolg gekrönt sein. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, diejenigen zu kennen, mit denen wir über Gott sprechen wollen, und dann Worte und sprachliche Bilder zu wählen, die sie verstehen. Den Rest muss der Herr dazugeben. So kann Paulus Athen ruhigen Herzens verlassen: Andere werden kommen und Anderes bewirken. Seine Arbeit ist erst einmal getan. Ein gutes Gefühl!

Zum Ausklang: GL 266, 5 – 7: Bekehre uns
5) Als Jesu Jünger seid ihr nun gesendet. Geht hin zu allen, kündet seine Botschaft; bringt neue Hoffnung auf die ganze Erde.
6)
Tut Gutes allen, helft den Unterdrückten und stiftet Frieden: liebet euren Nächsten. Dies ist ein Fasten in den Augen Gottes.
7)
Ihr wart einst Knechte, er macht euch zu Kindern; ihr wart einst Sklaven, er macht euch zu Freien. Kehrt heim zum Vater, kommt zum Mahl der Freude.

(Christoph Nitsche)