Liturgischer Impuls am Mittwoch, 19. Mai 2021

Abschied

Zur Eröffnung: GL 465, 3 + 4: Das Jahr steht auf der Höhe
Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsere sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

Zur Einführung: Aufmerksam Mitlesende haben es sofort bemerkt, es ist eigentlich noch 5-6 Wochen zu früh für das Lied, das genau für die Jahresmitte geschrieben ist. Aber es ist viel zu schön, um nur so selten hervorgesucht zu werden, und es behandelt ein Kernthema des Tages, den Abschied. Es geht schon in der Lesung mit Paulus los, der sich wort- und tränenreich von der Gemeinde in Ephesus verabschiedet:

Lesung aus der Apostelgeschichte Kapitel 20, Vers 28 – 38:
[..] Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Und alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küssten ihn; am meisten schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen. Dann begleiteten sie ihn zum Schiff.

Überleitung: Und es geht weiter mit den Abschieden: Vom Jahreskreis her klingt es wie eine Rede des auferstandenen Christus kurz vor der Himmelfahrt, aber eigentlich sind wir hier noch am Abend des Gründonnerstag und es ist der erste Abschied im Tod gemeint. Doch wir wissen ja und Jesus meint es vielleicht auch schon so, dass nach dem einen bald der andere Abschied kommen wird.

Evangelium nach Johannes, Kapitel 17, 6a.11b-19:
[..] Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir! Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte. Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. [..]

Zur Auslegung:
Jedes Kirchenjahr durchleben wir im Schnelldurchgang das Leben Jesu auf Erden, seine Ankunft, Sein Sterben und Auferstehn, Himmelfahrt und das Abschiedsgeschenk des heiligen Geistes. Wir wissen, dass Jesus nicht „weg“ ist, sondern als Fürsprecher  beim Vater die vielen Wohnungen für uns vorbereitet. Und doch fallen uns Abschiede nicht leicht. Das Wort vom „Wiederkommen in Herrlichkeit“ verstellt vielleicht unseren Blick darauf, dass doch das Himmelreich auf Erden schon angefangen hat und wir es an vielen Orten, in vielen Menschen schon wachsen sehen können. Dann bräuchten wir eigentlich keinen Abschiedsschmerz, bei so viel Begegnung.

Ich will Ihnen noch einen anderen Blick empfehlen: Wir kennen alle die Aufforderung Jesu, unseren Nächsten in Not zu helfen, weil wir so Jesus selbst Gutes erweisen. Aber in der Begegnung mit Jesus liegt doch nicht nur der Dienst, sondern auch die Chance zum Segen! „Segen bringen, Segen sein.“ heißt das Motto der Sternsinger, und unser gewähltes Pfarrei-Motto beginnt ebenso: „Seid ein Segen [..]!“. Das scheint mir eine wunderbare Weise zu sein, den Schmerz des Abschiedes oder der Trennung von Jesus, den wir und andere manchmal in diesen Erdentagen empfinden, zu bekämpfen: Seien wir ein Segen und lassen wir uns segnen von dem Jesus, dem wir in jedem unserer Nächsten begegnen. Dann können wir auch die kleinen und großen Abschiede überstehen.

Segen (nach Jesaja 43):
Jetzt aber – so spricht der HERR, der dich erschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst,
ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!
Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir,
wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort.
Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt,
keine Flamme wird dich verbrennen.
Denn ich, der HERR, bin dein Gott,
ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. […] Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir!

Zum Ausklang: GL 815, KV: Möge die Straße
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten,
und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

(Christoph Nitsche)