Liturgischer Impuls am Montag, 6. Dezember 2021

JVA-Mauer mit Kreuz

Leider dürfen derzeit wegen der Pandemie keine Ehrenamtlichen zum Gottesdienst in die JVA. Immerhin dürfen wir den Gefangenen einen Sonntagsbrief schreiben, der dann vor Ort verteilt wird. Und weil es da am Sonntag schon um den heiligen Nikolaus geht, passt der Brief auch als Impuls für den heutigen Tag. Außerdem ist er ein schönes Zeichen der Verbundenheit über Mauern hinweg:

Gottesdienst-Brief

Liebe Mitfeiernde unserer Gottesdienste!
Wir sind sehr traurig darüber, dass es im Moment nicht möglich ist zu Ihnen in die JVA zu kommen und mit Ihnen gemeinsam den Gottesdienst zu feiern. Sie sollen wissen, dass wir mit unseren Gedanken und Gebeten bei Ihnen sind, ganz besonders am Sonntag, wenn Sie diesen Brief in Ihrer Hand halten. Uns verbindet das Gebet und der, dem das Gebet gilt: Jesus Christus.
Im Advent bereiten wir uns auf die Geburt Jesu vor. Das heißt, wir öffnen unsre Herzen für Gottes Wort und für das, was Gott von uns möchte.
Beginnen wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.                                             Amen.
Uns begleitet das Lied „Macht die Tore auf“ schon eine kleine Weile. Wir haben es im Gottesdienstchor geprobt und wollten es gemeinsam mit Ihnen im Advent singen. Bei unserem Adventsgottesdienst mit ehemaligen Gefangenen, Ehrenamtlichen und Gemeindemitgliedern letzte Woche Samstag haben wir das Lied in unserer Pfarrei auch gesungen. Es verbindet uns alle, drin und draußen. Nun singen und beten wir es nicht gemeinsam in der JVA, aber in Gedanken können wir es uns zusingen/ zurufen und uns gegenseitig daran erinnern, dass es sich lohnt uns auf Gott einzulassen. Gott will immer nur Gutes für uns, egal in welcher Lebenslage wir uns befinden.

Kehrvers: Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
denn der König kommt und zieht bei uns ein.
Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen,
Gott will mit uns sein.

Er kommt, als ob es selbstverständlich wäre, dass Mächtige so menschenfreundlich sind.
Er macht sich nichts aus Reichtum, Macht und Ehre. Der König kommt im Stall zur Welt als Kind.
Macht die Tore auf…

Er kommt, obwohl er es nicht nötig hätte, weil er uns liebevoll die Treue hält.
Er stört sich nicht an Brauch und Etikette. Er kommt hinein in unsre kleine Welt.
Macht die Tore auf…

Er kommt, und wer ihn einlässt, kann gewinnen, kann spüren: er ist Liebe in Person.
Er kommt, um neue Freundschaft zu beginnen. Gott möchte mit uns sein in seinem Sohn.
Macht die Tore auf…

Aus dem Evangelium nach Lukas (Kapitel 3, Verse 2b – 6):
Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharías. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden, wie im Buch der Reden des Propheten Jesája geschrieben steht: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

Nachgedacht: Vermutlich geht es Gott gar nicht so sehr um unsere Autobahnen, wenn er in die Welt kommen will. Aber in uns selbst gibt es Abgründe und Überhöhungen, die uns daran hindern, Gott besser kennenzulernen. Zum Glück gibt es Menschen, die uns dabei helfen können. Johannes der Täufer war so einer: Er konnte erkennen, dass Jesus Christus der Erlöser ist, und hat es allen verkündet, die ihm zuhörten. So waren viele auf die Ankunft des Herrn besser vorbereitet und folgten Jesus nach, hörten seine Predigten und taten Gutes. Manche predigen mit Worten, andere eher mit ihren Taten wie eine freundliche Ärztin, ein aufmerksamer Sozialarbeiter oder ein fröhliches Kind. Am besten ist es, wenn sich Worte und Werke verbinden, wie bei dem bekannten Heiligen Nikolaus, von dem noch heute erzählt wird:

Geschichte: Einmal hatte es in Myra lange Zeit nicht geregnet und schließlich war sogar die Ernte vertrocknet. So kam eine große Hungersnot über die Stadt. Der Bischof von Myra sah das Leid der Menschen, die schweren Hunger litten, und versuchte so gut es ging zu helfen. Schließlich wurde ihm zugetragen, dass im Hafen ein Schiff vor Anker lag, das große Mengen Getreide für den Kaiser in Konstantinopel transportierte. Sofort eilte der Bischof zu den Seeleuten und bat sie, zumindest einen Teil des Korns für das hungernde Volk auszuladen. Doch die Seeleute weigerten sich, denn das Korn war ganz genau abgewogen. Es durfte kein Gramm fehlen, wenn sie schließlich in Konstantinopel anlegten. Da versprach ihnen Nikolaus, dass ganz sicher nichts von dem Getreide fehlen würde und sie daher keinen Schaden zu befürchten hätten. Das überzeugte die Seeleute schließlich. Sie öffneten die Weizensäcke, übergaben einen Teil des Korns an die Bevölkerung Myras und setzten ihre Reise fort. Als die Schiffe wenige Tage später in Konstantinopel ankamen, stellten die Seemänner erstaunt fest, dass die Ladung tatsächlich bis auf das letzte Gramm genau stimmte. Obwohl sie einen großen Teil in Myra zurückgelassen hatten, konnten sie den Kaiser zufriedenstellen. Das Korn in Myra reichte für ganze zwei Jahre und ermöglichte der Bevölkerung darüber hinaus sogar noch die Aussaat. So rettete Bischof Nikolaus die Menschen in Myra vor dem Hungertod.
(nach Vivat.de)

Fürbitten:
Wir bitten Jesus Christus: Komm mit Deinem Segen in die Welt!
Wir sehnen uns nach einem guten Wort. Schicke uns Boten, die von Dir erzählen! – Komm mit Deinem ….
Manchmal fehlt uns der Mut, anderen zu helfen. Zeige uns, wen wir unterstützen können! – Komm mit …
Sei den Einsamen besonders in der Advents- und Weihnachtszeit nahe mit Deinem Licht! – Komm mit …
Darum bitten wir dich aus ganzem Herzen.
Amen.

Advent-Segen

Gesegnet bist Du
mit all dem, was Dich ausmacht,
mit all dem, was Du mit dir trägst
und in Deinem Herzen bewegst.

Gesegnet bist Du
mit Deiner Sehnsucht nach Unterbrechung,
nach Musik, nach Ruhe die anhält.

Gesegnet bist Du
mit deiner Suche nach Gott,
so wie Du es kannst,
auf Deine ganz eigene Weise.

Gott selbst sei mit Dir
in dieser adventlichen Zeit
und helfe dir nicht unterzugehen in all dem,
was Dich mit List umschließen will.

Immer wieder sende er dir seine Engel,
seine heilsamen und kraftvollen Gedanken,
stärke dich durch seine Nähe,
festige dein vertrauendes Glauben.

Sein Licht gehe Dir voran.                                                                             (Text: Stephan Wahl, gekürzt)

Herzlich grüßen wir, denn auch wenn wir uns nicht sehen, sind unsere Gedanken immer wieder bei Ihnen. Bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen wünschen wir Ihnen von Herzen eine gesegnete Adventszeit –
Bleiben Sie behütet und gesund! Viele Grüße von P. Sorek, U. Wicklein und C. Nitsche