Liturgischer Impuls am Sonnabend, 11. Dezember

Feuer

(Feuer)

„Mit der Zeit vollbringen unsere Vorfahren immer ruhmreichere Taten.“ — Wiesław Brudziński
„Früher war mehr Lametta!“ – Loriot

Zum Beginn:
Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Der Himmel und Erde erschaffen hat!

Lesung nach Sir 48, 1-4.9-11
In jenen Tagen stand Elija auf, ein Prophet wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen. Er entzog ihnen ihren Vorrat an Brot, durch sein Eifern verringerte er ihre Zahl. Auf Gottes Wort hin verschloss er den Himmel, und dreimal ließ er Feuer herniederfallen. Wie Ehrfurcht gebietend warst du, Elija, wer dir gleichkommt, kann sich rühmen. Du wurdest im Wirbelsturm nach oben entrückt, in Feuermassen himmelwärts. Von dir sagt die Schrift, du stehst bereit für die Endzeit, um den Zorn zu beschwichtigen, bevor er entbrennt, um den Söhnen das Herz der Väter zuzuwenden und Jakobs Stämme wieder aufzurichten. Wohl dem, der dich sieht und stirbt; denn auch er wird leben.

Zur Deutung:
Elija ist ein mächtiger Prophet, mit Moses zusammen wohl der größte des Volkes Israel, das die Erzählungen von seinen Taten durch die Jahrhunderte wachhält. Und schließlich ist er auch nicht gestorben ist, sondern es „kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen“ und fuhr mit ihm gen Himmel. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er auch wiederkommen wird vor dem Ende der Zeit, um Israel durch das Gericht zu helfen, soweit es in seiner Macht steht. Ein großartiger, einmaliger, unverwechselbarer Held Gottes.

Evangelium nach Mt 17, 9a.10-13
Während Jesus und seine Jünger den Berg hinabstiegen, fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen. Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.

Auslegung:
Scheinbar ist Elija ohne den feurigen Wagen zurückgekehrt. Die Gleichsetzung von Johannes dem Täufer mit dem zurückgekehrten Elija wird im neuen Testament mehrfach erwähnt, und inhaltlich passt es auch gut, denn beide rufen zur Umkehr, um das Volk auf das kommende Gericht vorzubereiten. Doch es sieht so aus, als ob in der breiten Öffentlichkeit Elija nicht wiedererkannt wird. Vielleicht schmücken Geschichten aus alten Zeiten diese nach und nach immer weiter aus, bis sie gänzlich unkenntlich werden? Vielleicht trauen wir heutigen Ereignissen manchmal nicht über den Weg, vertrauen unseren Gefühlen dazu nicht, bis es eine erdrückende Beweiskraft gibt?
Egal, ob wir die Advents- und Weihnachtszeit verklären, die Glaubensstärke unserer Pfarrgemeinde bzw. der Kirchenleitung, die Ehrlichkeit der Politiker oder das gute alte Essen in unserem Elternhause – wir belügen uns. Und wir verstellen uns dabei leicht die Sicht auf das, was heute gut oder ermutigend oder heimatgebend oder vorbildlich ist. Denn wer braucht schon feurige Wagen, wenn er die warmherziege Gemeinschaft im hier und jetzt haben kann?
Lothar Zenetti hat das einmal gewohnt bildhaft beschrieben, und auch wenn sein Gebet Pfingstlied heißt, passt es doch vortrefflich zu unseren feurigen Bibeltexten:

Pfingstlied:
Die Wunder von damals müssen’s nicht sein, auch nicht die Formen von gestern;
nur lass uns zusammen Gemeinde sein, eins so wie Brüder und Schwestern,
ja, gib uns deinen guten Geist, mach uns zu Brüder und Schwestern.

Auch Zungen von Feuer müssen’s nicht sein, Sprachen, die jauchzend entstehen,
nur gib uns ein Wort, darin Wahrheit ist, dass wir, was Recht ist, verstehen,
ja, gib uns den Geist, deiner Wahrheit Geist, dass wir einander verstehen!

Ein Brausen vom Himmel muss es nicht sein, Sturm über Völker und Ländern,
nur gib uns den Atem, ein kleines Stück unserer Welt zu verändern,
ja, gib uns den Geist, deinen Lebensgeist, uns und die Erde zu ändern!

Der Rausch der Verzückung muss es nicht sein, Jubel und Gestikulieren,
nur gib uns ein wenig Begeisterung, dass wir den Mut nicht verlieren,
ja, gib uns den Geist, deinen Heil’gen Geist, dass wir den Mut nicht verlieren.

(Lothar Zenetti)

Schlusslied LW 506: Feuer, flammendes Feuer

Feuer, flammendes Feuer! Gott hat unter uns sein Zelt gebaut. Feuer, flammendes Feuer! Er hat auf uns geschaut.
1. Im Gehen unseres Weges bist du verborgen da. Du bist es, der uns findet und führt. Halleluja!
Feuer, flammendes Feuer! Gott hat unter uns sein Zelt gebaut. Feuer, flammendes Feuer! Er hat auf uns geschaut.
2. Das Suchen deines Willens lenkt spürbar deine Hand, verborgen gegenwärtig ist das verheißne Land.
Feuer, flammendes Feuer! Gott hat unter uns sein Zelt gebaut. Feuer, flammendes Feuer! Er hat auf uns geschaut.
3. Die Tiefe deiner Liebe, anbetend schauen wir, im Dunkel unseres Weges sind wir vereint mit dir.
Feuer, flammendes Feuer! Gott hat unter uns sein Zelt gebaut. Feuer, flammendes Feuer! Er hat auf uns geschaut.
4. Das Feuer deines Geistes, das uns zusammenhält, im Brennen deiner Liebe ist Leben für die Welt.
Feuer, flammendes Feuer! Gott hat unter uns sein Zelt gebaut. Feuer, flammendes Feuer! Er hat auf uns geschaut.

(Christoph Nitsche)