Liturgischer Impuls am Sonnabend, 24. April 2021

Traube

Zur Einleitung: GL 357, 1 + 3: Wie schön leuchtet der Morgenstern
Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn uns herrlich aufgegangen.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, du hältst mein Herz gefangen.
Lieblich, freundlich, schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben, hoch und wunderbar erhaben.

Gieß sehr tief in mein Herz hinein, du leuchtend Kleinod, edler Stein, die Flamme deiner Liebe
und gib, dass ich an deinem Leib, dem auserwählten Weinstock, bleib ein Zweig in frischem Triebe.
Nach dir steht mir mein Gemüte, ewge Güte, bis es findet dich, des Liebe mich entzündet.

Evangelium nach Matthäus 9, 35 – 38:
Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Gedanken zur Diakonweihe:
„Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter in seinen Weinberg zu senden!“
So heißt es vielfach unter Verweis auf Matthäus 9, 37 beim Gebet um geistliche Berufe. Ich bin mit diesem Bild viele Jahre nicht so ganz zurechtgekommen, denn beim Weinberg denke ich sofort an das Jesuswort „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ aus Johannes 5. Und wenn die Menschen eigentlich Reben sind, manche aber doch Arbeiter im Weinberg, die diese Reben lesen oder verschneiden, dann entsteht vor meinen Augen eine merkwürdige Unsymmetrie. Und ich frage mich, was diese Arbeiter wohl zum Herrn des Weinbergs zurückbringen: Eingesammelte Trauben, also Menschen? Oder auf einer mehr abstrakten Ebene Anbetung, Lobpreis und „Glauben“?
Wie ich es auch drehte und wendete, es passte für mich nicht zusammen.
Vor einigen Monaten wurde ich angeregt, doch stärker den Kontext zu betrachten, dass „die Ernte groß ist“. Da habe ich überlegt, was es denn für ein Dorf bedeutet, wenn eine große Ernte ansteht, aber nur wenige Arbeiter da sind. Und da ergab für mich alles plötzlich einen Sinn: Wir sind in diesem Bibeltext nicht die Reben (der Weinberg wird bei Mt 9, 37 auch gar nicht erwähnt), und es geht auch nicht darum, etwas zu Gott zu bringen. Er, der Herr der Ernte, gibt reichlich, oder er versucht es zumindest. Und das, was er geben will, soll zu den Menschen gebracht werden. Alle müssen mit helfen! Die Arbeiterinnen und Arbeiter bringen also die reiche Ernte ins Dorf, damit die Menschen dort zu essen haben, wenn der Winter kommt. Sie bringen das Korn von den Feldern und die Trauben aus dem Weinberg, andere bringen Wolle von den Schafen, die Kinder sammeln Beeren und Pilze im Wald und die Jugendlichen bringen Feuerholz für die kalten Tage. Und wer nicht so kräftig ist, hilft mit seiner Erfahrung und seinem Wissen, damit alles sinnvoll genutzt und geteilt werden kann, oder singt Lieder, damit die Arbeit leichter fällt.
Jede Arbeit ist notwendig, damit das Dorf Leben hat und es in Fülle hat. Und alles Gute, was auf diese Weise in das Dorf kommt und im Dorf passiert, kommt von Gott.
In diesem Sinne freue ich mich, auch weiterhin gemeinsam mit allen anderen Bewohnern von Gottes Dorf auf Erden danach zu streben, dass niemand Not leidet an Speise und Trank, guten Worten für den Tag und warmen Decken für die Nacht.

Gebet: Mit dem heutigen Tagesevangelium nach Johannes beten wir:
„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“
Nicht immer ist unser Tisch des Glaubens reichlich gedeckt, oft fehlt es uns am Willen, für das Wohl aller zusammenzuarbeiten. Schließe Du die Lücken, gibt uns die Kraft, die uns fehlt, und die Wärme, die wir ohne Dich doch nicht machen können.
Danke, dass Du so viel für uns bereithältst!

Schlusslied: GL 209: Du teilst es aus mit deinen Händen
Du teilst es aus mit deinen Händen an uns, das immer neue Brot,
dass wir das Leben darin fänden, das überwindet noch den Tod.

Das ist mein Leib, das ist mein Leben, das bin ich selbst an euch verschenkt,
das will ich euch als Zeichen geben, damit ihr immer an mich denkt.

Das ist mein Blut, für euch verflossen, im Tod hab ich mein Werk vollbracht,
für immer ist der Bund geschlossen, der euch zum Volke Gottes macht.

Du schenkst uns ein das Blut der Trauben, den Kelch mit bittersüßem Wein.
Herr, mach uns darin eins im Glauben und lass uns deine Zeugen sein.

(Lied: Lothar Zenetti)
(Christoph Nitsche)