Impuls für den Samstag der 5. Fastenwoche – 27. März 2021

Jerusalem

O Gott, komm mir zu Hilfe!
Herr, eile, mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.
Amen.

Wir gehen auf die Karwoche zu. Am Tag vor Palmsonntag, also direkt vor dem Einzug Jesu in Jerusalem, ist in der Stadt schon einiges los: Denn zum bevorstehenden Pessach-/Paschafest sind viele Menschen dorthin gepilgert. Was diese bewegte, schildert der Evangelist Johannes sehr plastisch. Wenn möglich, stellen Sie sich beim Lesen die Szenen bildlich vor, versuchen Sie, den Menschen in die Augen zu sehen und ihnen zuzuhören. Vielleicht finden Sie dort irgendwo einen Platz, der jetzt, hier und heute für Sie passend ist.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 11,45-57):

45 In jener Zeit kamen viele der Juden, die zu Maria, der Schwester des Lazarus, gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, zum Glauben an ihn. 46 Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern und berichteten ihnen, was er getan hatte.

47 Da beriefen die Hohenpriester und die Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates ein.
Sie sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen. 48 Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen.

49 Einer von ihnen, Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, sagte zu ihnen: Ihr versteht überhaupt nichts. 50 Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht.

51 Das sagte er nicht aus sich selbst; sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, sagte er aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das Volk sterben werde. 52 Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln.

53 Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.

54 Jesus bewegte sich von nun an nicht mehr öffentlich unter den Juden, sondern zog sich von dort in die Gegend nahe der Wüste zurück, an einen Ort namens Efraim. Dort blieb er mit seinen Jüngern.

55 Das Paschafest der Juden war nahe und viele zogen schon vor dem Paschafest aus dem ganzen Land nach Jerusalem hinauf, um sich zu heiligen. 56 Sie fragten nach Jesus und sagten zueinander, während sie im Tempel zusammenstanden: Was meint ihr? Er wird wohl kaum zum Fest kommen.

57 Die Hohenpriester und die Pharisäer hatten nämlich, um ihn festnehmen zu können, angeordnet: Wenn jemand weiß, wo er sich aufhält, soll er es melden.

Was löst die pragmatische Aussage des Kajaphas (v. 49-50) in Ihnen aus? Entscheiden wir nicht manchmal ähnlich – aus Kurzsichtigkeit oder weil wir schlicht und einfach in einer Zwickmühle stecken und den Anforderungen nicht gerecht werden (können)?

Der heutige Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium vermittelt einen Eindruck davon, dass Jesus immer mehr in die Enge getrieben wird. So sehr, dass er sich nicht mehr öffentlich zeigen kann.

Wie steht es um meinen Mut, mich zu Jesus und seiner Zuwendung zu allen Menschen zu bekennen (auch wenn ich dadurch vielleicht Schwierigkeiten mit der religiösen Obrigkeit bekomme)?

Wo ist Jesus? Finde ich Ihn im Gedränge in Jerusalem?
Und wo ist Er heute – mitten im Gedränge unserer Fragen, Nöte, Zweifel?

 

von gott aus gesehen

ist unser suchen nach gott
vielleicht die weise wie er uns auf der spur bleibt
und unser hunger nach ihm das mittel
mit dem er unser leben nährt

ist unser irrendes pilgern
das zelt in dem gott zu gast ist
und unser warten auf ihn
sein geduldiges anklopfen

ist unsere sehnsucht nach gott
die flamme seiner gegenwart
und unser zweifel der raum
in dem gott an uns glaubt

(Andreas Knapp)

 

Beten wir für alle Verfolgten, für alle Einsamen, für alle Kranken, für alle, die sich vergessen fühlen, und für die, an die niemand denkt: Herr, lass sie Deine Nähe erfahren, und gib uns den Mut, uns für sie einzusetzen.

Gott, Du bist Vater und Mutter für alle Menschen. Mit den Worten Jesu beten wir zu Dir:

Vater unser im Himmel…

 

Herr, unser Gott,
manchmal möchte ich fliehen vor dieser Welt.
Ich möchte die Augen schließen
vor Unrecht und Gewalt,
vor Schmerz und Zerstörung,
vor Gier und Unmenschlichkeit.
Aber diese Welt ist der Ort,
wo Du mir Wohnrecht gegeben hast.
Darum kann ich nicht sagen:
Sie geht mich nichts an.
Sie geht mich an.

Um Mut zur Verwundbarkeit bitte ich Dich.
Berührbar will ich sein
für die Kümmernisse der Menschen,
für das Elend der Tiere,
für die geschundene Natur.

Ermächtige mich mitzuleiden,
denn nur wer sich liebend einlässt,
kann die Hoffnung bewahren.

Was immer geschieht,
Du lässt Deine Welt nicht zugrunde gehen.
Behüte in uns die Sehnsucht nach geheiltem Leben.
Lass uns das Gute erwarten und vertrauensvoll das Unsere tun.
Mach uns durchlässig für Deinen Geist.
Träume in uns den Traum von der neuen Schöpfung,
wo das Lachen nicht stirbt
und das Schöne nicht umkommt,
wo wir das Brot des Friedens teilen,
weil Du in unserer Mitte bist.

(Antje Sabine Naegeli)

 

So segne und begleite uns und alle Menschen der liebende und treue Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Foto: Michael Rösch, pfarrbriefservice.de