Liturgischer Impuls am Sonnabend, 5. Dezember

Regenbogen

Liturgischer Impuls am Sonnabend, 5. Dezember 2020

Beginnen wir unsere heutige Liturgie im Namen unseres Gottes, der war und der ist und der kommen wird: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich lade Sie ein, das folgende Lied (GL 233) zu singen oder zu beten:

O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu,
denn heute schon baust du dein Reich unter uns,
und darum erheben wir froh unser Haupt.
O Herr, wir warten auf dich.
O Herr, wir warten auf dich.

O Herr, wenn du kommst, wird es Nacht um uns sein,
drum brennt unser Licht, Herr, und wir bleiben wach.
Und wenn du dann heimkommst, so sind wir bereit.
O Herr, wir warten auf dich.
O Herr, wir warten auf dich.

O Herr, wenn du kommst, jauchzt die Schöpfung dir zu,
denn deine Erlösung wird alles befrein.
Das Leid wird von all deiner Klarheit durchstrahlt.
O Herr, wir warten auf dich.
O Herr, wir warten auf dich.

(T. u. M.: Helga Poppe)

Evangelium (Mt 9,35-38; 10,1.6-8):

„In jener Zeit zog Jesus durch alle Städte uSchafend Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.
Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

Es klingt wie ein schönes Bild, eine erbauliche Geschichte: Jesus heilt „alle Krankheiten und Leiden“, und er hat Mitleid mit den Menschen, die müde und erschöpft sind. Wie sehr wünsche ich mir diese Heilung – und, ja, zuweilen auch, dass ER meine Erschöpfung vorurteilsfrei, liebevoll ansieht…
Ach, Jesus, kannst Du – bitte – nicht auch heute und nicht auch uns heilen??!

„Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden
zu heilen.“

Jesus, meinst Du mit diesem Auftrag (auch) mich? Hast Du auch mir/uns die Vollmacht gegeben, „unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“?
Wo spüre ich im Alltag, in Begegnungen diese Vollmacht? Oder traue ich mich gar nicht, sie wahrzunehmen, weil mir der Gedanke zu groß oder zu ungewohnt erscheint? Und vielleicht passt er – scheinbar – weder in mein Selbstbild noch in meine Umgebung.
Ich möchte gerade heute aufmerksamer dafür sein, welche Begabungen, Charismen Gott mir gegeben hat, und offen dafür, vielleicht neue zu entdecken…

„Er gebot ihnen:
Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“

In diesen wenigen Sätzen sind einige Charismen angesprochen: „zu den verlorenen Schafen“ gehen, verkünden, Kranke heilen, Tote aufwecken, Aussätzige heilen, Dämonen austreiben. Auch wenn Krankheiten vor 2000 Jahren anders interpretiert wurden, als wir sie mit unserem wissenschaftlichen Denken und dank medizinischer Forschung heute sehen: dieser Auftrag ist auch heute gigantisch! Denn wie viele Menschen fühlen sich heutzutage „verloren“, sind vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, einsam…! Wie heilsam kann Zuwendung wirken – und kann das, was in einem Menschen tot war, wieder zum Leben erwecken!

Den letzten Satz übersetzt Albert Kammermayer so: „Tut alles, ohne etwas dafür zu verlangen, denn ihr habt auch die Kraft dazu umsonst bekom­men.“
Vielleicht ist es wirklich so: Wenn wir im Sinne und Auftrag Jesu unsere Charismen einsetzen, dann spüren wir die Kraft, die ER uns umsonst, gratis schenkt – wenn wir unsere Charismen nicht einsetzen, war Sein Geschenk auch umsonst … vergebens.

 

Fürbitten:

Jesus hat seine Jünger aufgefordert, Gott, seinen Vater, um alles zu bitten, was ihnen auf dem Herzen liegt. So beten auch wir:

  • Wir bitten für die vielen Menschen, die aus verschiedenen Gründen an den Rand gedrängt werden, sich aber danach sehnen, dazugehören zu dürfen…
  • Wir bitten für die Menschen, die an Leib oder Seele krank sind und sich nach Heilung sehnen…
  • Wir bitten für die Menschen, die sich nicht trauen, ihre Talente und Charismen zu erkennen und einzusetzen…

Gott, Du kennst unsere Sehnsucht nach Glück und Heil, nach Heilung unserer Wunden an Leib und Seele. All unsere Bitten und Nöte, die wir im Herzen tragen, legen wir in das Gebet hinein, das Dein Sohn Jesus seine Jüngerinnen und Jünger gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

Annäherung an die Wirklichkeit

nicht durchblicken
sondern anblicken

nicht im griff haben
vielmehr ergriffen sein

nicht bloß verstehen
auch zu dir stehen

nicht durchschauen
einfach nur anschauen

so werden wir wirklich
wir

(Andreas Knapp)

 

Zum Abschluss lade ich Sie ein, die letzte Strophe des Eingangsliedes (GL 233) zu singen oder zu beten:

O Herr, wenn du kommst, hält uns nichts mehr zurück,
wir laufen voll Freude den Weg auf dich zu.
Dein Fest ohne Ende steht für uns bereit.
O Herr, wir warten auf dich.
O Herr, wir warten auf dich.

So segne und behüte uns und alle, die uns verbunden sind, in diesen adventlichen Tagen der allmächtige, verborgen anwesende, liebende Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Fotos + Text: Elisabeth Meuser)