Liturgischer Impuls am Donnerstag, 9. Dezember

Da sind wir Gott, aufgerichtet zwischen Himmel und Erde.

Unsere Füße, das unruhige Paar, das ab und zu nervös wippt und so oft stolpert oder nicht weiß, wie weiter, weil sich die Wege auf dieser Erde ständig ändern, das manchmal weglaufen möchte, weil das Durcheinander so unerträglich ist – unsere Füße stehen auf der Erde.

Unsere Köpfe haben wir zum Himmel erhoben. Sie sehnen sich nach Deiner Klarheit, nach dem, was Wege weist und verlässlich ist.

Und jetzt, im Advent, jetzt wünschen wir uns, dass der Himmel die Erde küssen möge, dass die Erde heil wird, ein Ort, an dem wir uns niederlassen können, weil du hier wohnen willst.


Da sind wir Gott: Du schenkst uns einen neuen Tag.
Sei auch heute bei uns, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Aus der heutigen Lesung, aus dem Buch Jesaja (41,13):
13Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.

Manche fürchten sich vor der Dunkelheit, manche fürchten sich vor Spinnen und Hunden, andere finden die Bilder im Fernsehen furchterregend. Manche fürchten sich vor dem Leistungsdruck, andere vor Konflikten, viele vor dem Verlust ihres Gesichtes.
Eine Furcht beschleicht uns, wenn wir eine Gefahr wittern oder wenn wir uns von irgendetwas bedroht fühlen – dann bekommen wir es mit der Angst zu tun. Derzeit ist das Objekt unserer aller Furcht das Coronavirus. Die Angst vor der Ansteckung beschleicht uns. Die Angst davor, wieder mehr Einschränkungen aushalten zu müssen. Die Angst, die Pandemie auch in den nächsten Jahren nicht loszuwerden.

Das Volk Israel, zu dem Gott in der Lesung spricht, war lange in Bedrängnis, verschleppt in ein anderes Reich, weit weg von der Heimat. Seine Situation war aussichts- und hoffnungslos. Gott schien sein Volk verlassen zu haben.
In dieses Verlorensein hinein spricht Gott. Er sagt einen heilenden Satz: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.“ Gott streckt sich aus zu seinem Volk. Gott nimmt sein Volk an die Hand. Wie schön! Nur ganz blass erinnern wir uns an unsere Kindheit, in der uns Mutter und Vater an ihre Hand genommen haben. Schutz und Sicherheit gab es uns. Wir waren geborgen, konnten uns darauf verlassen, dass Mutter und Vater uns führten und wir heil nach Hause kamen.
Gott will es auch so tun. Er sagt es seinem Volk zu. Und letztendlich sagt er es jeder und jedem einzelnen von uns zu: Seine Hand will mich ergreifen, will mich halten und mich beschützen. Gott möchte mir nahe sein. Er will mir helfen und mich sicher über unebene Wege leiten, durch Täler und Abgründe, über Höhen und Weiten.
Ich brauche mich nicht zu fürchten: Er ist der „Ich bin da“. Ich kann mich in diesen unwegsamen Zeiten immer wieder darauf besinnen, dass ich seine Zusage ernst und beim Wort nehmen darf, dass ich mich darauf verlassen kann.
Und wenn es mir schwerfällt, kann ich mich danach sehnen, dass Gott bei mir ist und seine Zusage gilt. Denn auch durch meine Sehnsucht gewinnt mein Glaube an Kraft. Wenn ich anfange, Gottes Nähe für möglich zu halten, ist Er schon da.
Auch wenn ich daran glaube, dass Gott mit mir geht, heißt das nicht, dass ich niemals mehr Furcht empfinden und niemals mehr Angst haben werde. Weil ich Gott aber immer wieder von meinen Ängsten, meiner Furcht erzählen darf, weil er um sie weiß, ist es für mich leichter, mit ihnen zu leben. Wenn ich mich Gott anvertraue und Er mit mir geht, trägt er meine Angst und Furcht mit. Sie beide verlieren an Größe und beherrschen mich nicht mehr. Gott ist es, unter dessen Schutz ich mich stelle.
In meinem Herzen weckt der Satz aus der heutigen Lesung: „Fürchte dich nicht“ schon weihnachtliche und sogar österliche Gefühle. Die Engel auf den Feldern sprechen ihn den Hirten zu; der Engel am leeren Grab spricht es den Frauen zu.

Fürchte dich nicht“ – das ist für mich eine Einladung, mich auf das Leben mit Gott einzulassen.
Fürchte dich nicht“ – das ist für mich eine ermutigende Aufforderung, mich auf Gott hin auszurichten.
„Fürchte dich nicht“- das ist für mich eine einzigartige Zusage Gottes an uns Menschen.

Fürchte dich nicht, ich bin bei dir

1. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.
Ich habe dich befreit.
Bei deinem Namen rufe ich dich,
du bist mein.
2. Wenn du durch tiefe Wasser gehst,
will ich schützend bei dir sein.
Selbst durchs Feuer will ich mit dir gehen,
dass dir nichts schaden kann.
3. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.
Schaue dich nicht ängstlich um.
Ich bin bei dir, ich helfe dir.
Halte deine rechte Hand.

4. Denk nicht daran, was früher war.
Trauere ihm nicht länger nach.
Ich schaffe Neues, jetzt wächst es auf.
Siehst du es denn nicht?
5. Weil du für mich wertvoll bist,
geb‘ ich alles für dich hin.
Ich bin bei dir,ich stärke dich,
du bist mein.
Ich liebe dich.

(Text: Hans-Joachim Eckstein)


Segensgebet:

Der liebende Gott segne uns im Advent; er schenke unseren Seele Ruhe, um uns auf ihn auszurichten.

Er lasse den Tau des Himmels auf uns herabkommen, damit sich unser müder Glaube erfrische und an Kraft gewinne.

Er schenke uns die Geduld für sein Kommen, auf dass wir sehen werden, wer er ist: Immanuel – Gott mit uns.
Er strecke sich zu uns aus und ergreife unsere rechte Hand, damit wir uns nicht fürchten müssen.

So segne und behüte uns der uns umarmende Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.


(Text: Patricia Sorek, Foto: Helena Sorek)