Liturgischer Impuls am Donnerstag, 25. März 2021

Elemente Geschwisterlicher Spiritualität nach Franz und Klara von Assisi

Diese Doppelberufung als Mann und als Frau in die Nachfolge Jesu ist eine spannende und reiche Berufung. Was können die beiden Menschen von damals uns heute sagen? Was können sie uns heute vielleicht neu ins Bewusstsein rufen? Ich lade Sie ein, ein Element der Geschwisterlichen Spiritualität neu zu entdecken.

 

 Element Sechs –

EINE WELTBEJAHENDE „EINGEFLEISCHTE“ SPIRITUIALITÄT ENTWICKELN

Der Eine Gott wohnt jedoch „in unzugänglichem Licht“ (1 Tim 6,16). Durch die Menschwerdung seines Sohnes hat er sich für uns Menschen erkennbar gemacht. Die Inkarnation Gottes ist für Franz der zentrale Ausgangspunkt seines Gottesverständnisses. Der große Gott macht sich klein, er entäußert sich. Er ist der demütige. „Du bist die Demut“ betet Franz im Lobpreis Gottes (LobGott 4). Franz ist derart fasziniert von diesem Geheimnis, dass er es in Greccio nachspielen lässt, die erste Krippenfeier der Geschichte (vgl. 1 Cel 84). Durch seine Menschwerdung wird die Nähe Gottes in dieser Welt erfahrbar. Auch wenn Franz formuliert: Nach der Begegnung mit dem Aussätzigen „hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt“ (Test 3), so meint dies ein Verlassen seiner bisherigen Welt und einen Standortwechsel (siehe Element drei vom 2.März 2021/Tagesliturgie), der mit einer neuen Hinwendung zur Welt verbunden war: zur Welt, in die Gott sich „eingefleischt“ hat, die er bejaht, die er erlösen will. „Welt“ ist als Schöpfung positiv zu sehen. „Welt“ ist aber auch der Ort, an dem sich der Mensch von Gott lossagt und sich in sich selbst verschließt. Diese Art von Welt verlässt Franziskus, um ein Leben der „Buße“ zu führen, d.h. ein Leben in der Hinwendung zu Gott (siehe Element fünf vom 18.März 2021 /Tagesliturgie).

 

Geschwisterliche Spiritualität heute: Bejahung der Welt. Christliches Leben mitten in der Welt (nicht Weltflucht). Eine geerdete Spiritualität in der Haltung der Demut („humilitas“: darin steckt „humus“ = Boden). Die Hinwendung zu den Menschen. Das Achten des Kleinen und Geringen.

Deuten am Hochfest der Verkündigung des Herren; Die Lesung aus Jes 7, 10-14

Das sechste Element der „Eingefleischten“ Spiritualität passt so wunderbar in das Hochfest von heute. Wie feiern heute die Verkündigung des Herrn. Heute in der Lesung aus dem Buch des Propheten, hören wir nicht nur von der Verheißung einer Geburt sondern die Botschaft des Propheten Jesaja soll das Volk Gottes in ihrer Müdigkeit aufmuntern: „Siehe, die Jungfrau hat empfangen(und das ist Heute), sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immánuel – Gott mit uns – geben“.

Liebe Mitchristen: Innen, wie aufbauend diese Nachricht seien kann. Ich merke, wie „mütend“ ich bereits geworden bin, nach so einem langen Winter im Lockdown Nr. 2. Da kommt mir die Lesung vom Hochfest gerade recht! Es erinnert mich, ja Gott hat sich auf diese Welt eingelassen und ist dabei!  Dabei wird mir die Präsenz Gottes wieder leibhaftig vor Augen geführt; in der warmen Sonne auf meinem Gesicht, in den blühen der Bäume, Pflanzen und Blumen, im Lachen eines Menschen, in der Freude eines Hundes…Die Natur erwacht so langsam aus dem tiefen Winterschlaf und dann ist gut zu hören: Gott mit uns !

Immánuel – in den Menschen

Immánuel – in der Natur und Schöpfung

Immánuel – in allen Kreaturen

Gott mit uns – Ich mit Gott – Wir in Gott! – Der Frühling kommt – YES!

 

Musik: Marco Gulde – Aufnahme „Sonnengesang“ vom 14.03.2021  

 

Kurze Erklärung zum Hintergrund der Reihe der Geschwisterlichen Elementen: 

Da auch das Leben und Wirken von Franz und Klara äußerst vielfältig und vielschichtig sind, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner bzw. ihrer Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer Geschwisterlichen Spiritualität heute.

Text: Franz-Josef Herzog und Grundauszüge aus der Reihe von Br. Stefan Federbusch OFM

Bilder privat: Klosterkapelle San Damiano in Assisi