Liturgischer Impuls für den 17. Mai 2020 – 6. Sonntag nach Ostern

Ein Stein

Liturgischer Impuls für den 17. Mai 2020 – 6. Sonntag nach Ostern

Lied zur Einstimmung                     Herr, du bist mein Leben (GL 456)

Gebet

Herr, du sagst, wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind, da bist du mitten unter uns. So sei zugegen, wenn wir gemeinsam aus der österlichen Freude heraus die Liturgie feiern. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen

Tagesevangelium:                          Johannes 14,15-2

Wenn sie mögen, können Sie das Evangelium hier auch anhören.

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

 

Impuls Teil 1

Wir haben soeben eine Abschiedsrede, ja gleichsam ein Testament gehört. Wie kann das sein? Christus ist doch schon für uns gestorben und auferstanden. –

Wir gehen auf Christi Himmelfahrt und Pfingsten hin. Wir wissen, dass Christus zu seinem Vater gehen wird.

 

Du sagst, du musst gehen.
Bist du nicht erst wiedergekommen?
Lass uns nicht allein!

Du sagst, ich lasse euch nicht zurück.
Wie kann das sein, wenn du gehen musst?
Bleib doch bei uns!

Du sagst, ich bringe euch einen Beistand.
Wer wird dies sein?
Wir sehnen uns danach!

Du sagst, ich bringe euch den heiligen Geist.
Wann können wir ihm begegnen?
Wir brauchen etwas, das begreifbar ist!

Du sagst er, wird in uns sein.
Ist dafür ein Platz in uns?
Lass uns dies spüren!

Impuls Teil 2

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr die Worte und Gebote erfüllen, so haben wir es heute im Evangelium gehört. Im Grundtenor geht es im Leben darum, einander zu lieben. „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Christus hat uns dies vorgelebt. Er spricht von einer immerwährenden Liebe, die unser Leben durchdringen und verwandeln kann. – Wenn ich Christus liebe, dann werde ich Anteil an ihm und seinem Vater haben. Der Vater wird mir seinen Beistand senden.

Den Verlust von uns liebgewordenen Menschen oder von Dingen, die uns ans Herz gewachsen sind, fällt schwer und kann uns wehtun. Dies kennen Sie vielleicht so oder ähnlich. Wie etwa ein Kind am Abend sein Kuscheltier sucht und es sich nicht finden lässt, das ist herzzerreißend.

Durchleben wir heute ähnliche Erfahrungen wie die Jünger vor 2000 Jahren? Und gilt der Zuspruch, den Christus den Jüngern gibt, auch uns heute?

Damals haben die Jünger erfahren, dass Christus – ihr Herr und Meister – zu seinem Vater gehen wird. Für die Jünger wird sich die Frage gestellt haben, wie es ohne ihren Herrn weitergeht.

Wir haben vor wenigen Wochen erlebt, dass wir aufgrund der Corona-Pandemie nicht in den Gottesdienst gehen konnten. Dies war für viele von uns schmerzlich.

Vor 2000 Jahren spricht Jesus davon, dass der Vater den Menschen einen Beistand und Tröster senden wird. Den Zuspruch, den der Herr einst seinen Jüngern zugesagt hat, sagt er auch uns heute zu. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Christus uns einen Beistand sendet und wir nicht allein sind in unseren Sorgen und Nöten. Der Beistand wird uns durch das Leben hinweg begleiten. Vielleicht haben sie im übertragenen Sinn einen Regenbogen am Himmel entdecken können, als es schwer war – das kann ein Hoffnungszeichen, ein Trost sein.

Es könnte auch sein, dass sie sich gemeinsam in der Familie am Sonntag um den Stubentisch gesetzt haben. Vielleicht haben sie einen Hausgottesdienst gefeiert und konnten hinterher sagen: „Dies war ein erfüllter Moment.“.

 

Ich möchte Sie einladen, einen Augenblich bei den nachfolgenden Fragen zu verweilen und ins Gespräch mit Anderen zu kommen. Vielleicht entdecken sie ja eine neue Perspektive:

  • Wo habe ich einen Beistand erfahren dürfen?
  • Was hat das mit mir gemacht?
  • An welchen Stellen habe ich den Beistand in meinem Leben nötig?

So wie Weihrauch aufsteige, so möge unser Gebet zu dir aufsteigen.

Christus, unser Herr, wir bitten dich für die Mütter und Väter, die das Familienleben managen, um ein gelingendes Miteinander.
Confitemini Domino, quoniam bonus. (GL 618,2)

Christus, unser Herr, wir bitten dich für die Kinder. Lass sie ohne Angst wieder ein frohes Miteinander erleben.
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Christus, unser Herr, wir bitten dich für all die Menschen, die das Leben in dieser Pandemiezeit ermöglichen, wie etwa die Kassiererinnen oder die Pflegekräfte. Sei du ihnen nahe.
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Christus, unser Herr, wir bitten dich für alle, die allein oder noch in Isolation sind und Sehnsucht nach Gemeinschaft haben, dass sie Trost erfahren.
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Christus, unser Herr, wir bitten dich, lasse uns offen sein für den Beistand, den du uns senden wirst.
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Christus, unser Herr, wir bitten dich …
Wen möchten sie mit in das Gebet hinein nehmen?
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Christus, unser Herr, wir bitten dich …
Gibt es ein Anliegen in ihrem Herzen, dass sie vor Gott tragen möchten?
Confitemini Domino, quoniam bonus.

Gebet

In dem Wissen, dass wir aus Liebe heraus versuchen deine Gebote zu befolgen und dass Gott uns seinen Beistand sendet, beten wir gemeinsam das Vater unser.

Vater unser, …

Lied zum Abschluss:                       Freu dich du Himmelskönigin (GL 525)

Segen

Herr, segne uns. laß uns dir dankbar sein
laß uns dich loben, solange wir leben,
und mit den Gaben, die du uns gegeben
wollen wir tätig sein.

Herr, geh mit uns und laß uns nicht allein
laß uns dein Wort und dein Beispiel bewahren
in der Gemeinde deine Kraft erfahren
laß uns wie Brüder sein.

Herr, sende uns, laß uns dein Segen sein
laß uns versuchen, zu helfen, zu heilen
und unser Leben wie das Brot zu teilen
laß uns ein Segen sein.

(Aus: Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht,  München 6. Aufl. 1987, 293.)

(Dorit Nitsche)