Liturgischer Impuls am Mittwoch, den 31.März 2021

Elemente Geschwisterlicher Spiritualität nach Franz und Klara von Assisi

Diese Doppelberufung als Mann und als Frau in die Nachfolge Jesu ist eine spannende und reiche Berufung. Was können die beiden Menschen von damals uns heute sagen? Was können sie uns heute vielleicht neu ins Bewusstsein rufen? Ich lade Sie ein, ein Element der Geschwisterlichen Spiritualität neu zu entdecken.

 

 Element Sieben –

DEM ARMEN DEMÜTIGEN CHRISTUS FOLGEN

Das Denken von Franz ist über weite Strecken christologisch geprägt. Die Welt, die Schöpfung hat in Christus ihre konzentrierende Mitte. Franz erkennt als seinen Auftrag, dem „armen demütigen Christus“ zu folgen. Er „entschloss sich, nicht für sich allein zu leben, sondern dem, der für alle gestorben ist; denn er wusste sich dazu gesandt“, so sein Biograph Thomas von Celano (1 Cel 35; vgl. 2 Kor 5,14f.). In den Sonnengesang hat Franz durch die 33 Zeilen die Lebenszeit Jesu und durch die Beziehungen zwischen erster und letzter Strophe das Christusmonogramm hinein gewoben. Am Ende seines Lebens wird Franz auf dem Berg La Verna die Wundmale Christi in Form der Stigmata empfangen, Zeichen der Ähnlichkeit nach rund zwanzig Jahren der Suche und Nachfolge. Ein „zweiter Christus“ wird Franziskus später genannt werden.

Klara und ihre Gefährtinnen verlassen sich darauf, dass in ihrer inneren Suche Gott zu ihnen spricht und dass er sie darin führen wird. Auf den Rat des Franz hin beginnen sie ein gemeinsames Leben bei San Damiano, einer Landkirche ganz in der Nähe von Assisi. Nicht einen Wohnort, Sicherheit finden Klara und ihre Gefährtinnen in San Damiano, sondern genau das, was sie gesucht hatten: ihren Lebensort, ihren eigenen Ausdruck, dem armen Gekreuzigten nachzufolgen. Und damit auch ihren Ort, an dem sie sich in der Spur des Friedens immer wieder auf den Weg mit Gott machen können; immer wieder gemeinsam einüben können, Altes zurückzulassen und sich auf Neues einzulassen, eigene Vorstellungen loszulassen und sich auf Gottes Führung zu verlassen – sich immer wieder der Begegnung mit dem unbekannten Gott zu stellen. San Damiano wird zum Ort des Lebens. 

In den Jahren 1224/25 beginnt bei Klara eine schwere Krankheit, die sie ihre gesamte zweite Lebenshälfte über Jahre ans Bett fesselt und die sich bis zu ihrem Tode hinzieht. Es ist die Zeit, in der Franziskus die Wundmale Christi empfängt. Von Klara werden zahlreiche Wunder, vor allem Heilungen, berichtet. Im Jahr 1240 kommt es zu einem Überfall der Sarazenen auf San Damiano. Durch das Gebet Klaras bleibt das Kloster unverwüstet. Ebenfalls durch ihr Gebet wird 1241 Assisi befreit, als es vom kaiserlichen Heer belagert wird.

Trotz Ihrer Krankheit kann Klara am Ende Ihres Leben diese Worte sagen „Sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast“. Am 11. August 1253 stirbt Klara. Zwei Jahre später wird sie durch P. Alexander IV. am 15. August 1255 heilig gesprochen.

Der Segen der heiligen Klara (infag.de)

Geschwisterliche Spiritualität heute: Leben in den Fußspuren Christi. Vertiefung in sein Denken und Handeln.

 

Tageslesung aus Jes 50, 4-9a Gott der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wag es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären?  – Wort Gottes.

 

Musik: Marco Gulde – Aufnahme „Sonnengesang“ vom 14.03.2021  

 

Kurze Erklärung zum Hintergrund der Reihe der Geschwisterlichen Elementen: 

Da auch das Leben und Wirken von Franz und Klara äußerst vielfältig und vielschichtig sind, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner bzw. ihrer Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer Geschwisterlichen Spiritualität heute.

Texte: Zusammengestellt von Franz-Josef Herzog + Grundauszug von Br. Stefan Federbusch OFM und Föderation der Klarissen Deutschland + INFAG

Bilder privat: Klosterkapelle San Damiano in Assisi