Liturgischer Impuls zu Neujahr 2022

Öffnet einer die Tür für dein neues Jahr,
blickt dir sein erster Tag ins Gesicht.
Jeder kommende schenke dir Licht.

Öffne einer dir Augen und Herz zu sehen.
Gebe einer dir Erde, darauf zu gehen.

Schicke einer dir Menschen an deine Tür,
wecke dir Schritte in ihr Erwarten.
Blühe und reife dein Garten.

(Christa Peikert-Flaspöhler)

Körpergebet:

Am Morgen des neuen Jahres richte ich mich auf.
Hier bin ich, vor Dir, mein Gott, Du bist mir Mutter und Vater.
Meine Füße stehen fest auf Deiner Erde.
Sie trägt mich und nährt mich.
Ich strecke meine Arme zur Unendlichkeit des Himmels nach oben aus.
Ich spüre den Himmel auch um mich und in mir. Er nährt mich.
Ich strecke meine Arme zur Seite. Ich bin verbunden mit meinen Nächsten.
Ich fühle mit meinen Händen mein Herz. Es schlägt und hält mich lebendig.
Auch an diesem Morgen des neuen Jahres bin ich dankbar dafür.
Ich betrachte meine Hände, sie sind leer.
Ich breite meine Arme aus und heiße alles willkommen, was mir im neuen Jahr begegnet:
Ich erwarte Gutes und erhoffe mir Kraft für Schweres.
Ich öffne meine Hände zu einer Schale und bin gespannt, was am Ende dieses Jahres darin liegen wird.
Ich verneige mich vor Dir, meiner Schöpferin.
Mit Deinem Segen beginne ich meinen ersten Tag im neuen Jahr.

Lesung aus dem Buch Numeri (6,22-27):

Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen:
So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen.

Auch, wenn wir diesen Aaronitischen Segen, wie er in der Bibelstelle auch genannt wird, schon sehr oft gehört haben, lohnt es sich am Anfang des Jahres, innezuhalten und sich dieser großen Zusage Gottes bewusst zu werden:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Gott sagt mir Gutes zu: Er ist der Hüter meines Lebens. Das ist etwas, was Menschen, auch wenn sie sich noch so sehr füreinander einsetzen, nicht vermögen. In aller Gänze ist das nur Gott möglich. Für mich ist es ein großes Geschenk, ein Glück, dass ich mich von Gott beschützt wissen darf.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten…
Wenn Gott sein Angesicht über mich leuchten lässt, dann heißt das für mich, dass ich in seinem Licht bin, dass ich von seiner Leuchtkraft etwas abbekomme, mehr noch, dass ich leben kann, weil er mich hell macht.
und sei dir gnädig.
Gott ist mir gnädig, jeden Tag neu. Gnade ist ein Geschenk, welches Gott mir reicht aus seiner großen Liebe zu uns Menschen, zu mir. Unverdient bin ich geliebt, einfach so, weil Gott es will, weil Gott sich uns Menschen ausgedacht hat, uns leben lässt und uns liebt. Es ist verrückt in einer Welt, in der alles abgemessen, abgewogen, verglichen, bewertet, und vieles erst verdient werden muss.
Es ist so großartig und unglaublich, was Gott uns schenkt! Vermutlich ist es so groß und so „außerweltlich“, dass es mir deshalb im ganz normalen Alltag nicht immer leichtfällt, das wirklich für wahr zu halten. Und dennoch lebe ich davon und trägt es mich.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu…
Gott schaut mich an. Er wendet sich mir zu, mit seinem Angesicht. Er ist nicht nur einfach da, neben mir, mit mir – das sicher auch. Aber der Wunsch des Segens lautet: „Er wende sein Angesicht dir zu.“ Er schaut mich an. Gott kommt herab auf meine Augenhöhe und blickt mir in die Augen. Ich bin gemeint, ich ganz konkret, und jede und jeder von uns. Gott ist da sehr genau und zuverlässig. Seine Zuwendung gilt allen Menschen, allen schaut er ins Herz. Für mich ist es unfassbar, weil ich mir das in meinem begrenzten menschlichen Denken nicht vorstellen kann. Ich kann es nur erahnen, wie groß Gottes Unermüdlichkeit ist, an uns Menschen, an mir, „dran-zu- bleiben, dran zu sein“.
und schenke dir Frieden.
Gott allein kann mir Frieden schenken – und er tut es. Frieden ist sehr wertvoll und sehr wichtig. Er ist etwas Gutes und Heilvolles. Frieden ist etwas ganz Großes. Wir Menschen sind es, die den Frieden, den Gottes sät, in uns und in unserem Miteinander wachsen lassen dürfen. An uns ist es, uns zu mühen, den Frieden zu pflegen, damit er an Kraft gewinnt.

Am Anfang des neuen Jahres, an dem wir stehen und nicht wissen, was uns erwartet und überrascht, welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen und welche Sonnentage wir erleben dürfen, schenkt Gott uns allen den Segen als bleibende Zusage.

 

Segen:

Gott, der Lebendige,
Ursprung und Vollender alles Lebens,
segne dich,
gebe dir Gedeihen und Wachstum,
Gelingen deinen Hoffnungen,
Frucht deiner Mühe.
Er behüte dich vor allem Argen,
er sei dir Schutz in Gefahr
und Zuflucht in Angst.

Gott lasse sein Angesicht über dir leuchten,
wie die Sonne über der Erde
das Erstarrte wärmt und löst
und das Lebendige weckt in allen Dingen.
Er sei dir gnädig, wenn du schuldig bist.
Er löse dich von allem Bösen und mache dich frei.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich,
Er schaue dich freundlich an.
Er sehe dein Leid und höre deine Stimme,
er heile und tröste dich
und gebe dir Frieden,
das Wohl des Leibes, Wohl und Heil der Seele,
Liebe und Glück
und führe dich an dein Ziel.

Amen.
Das heißt: So will es der lebendige Gott,
so steht es fest nach seinem Willen,
für dich.

(Jörg Zink)


(Foto: Helena Sorek, Text: Patricia Sorek)