Emmaus – Gemeinsam auf dem Weg

 

Gehen wir gemeinsam unseren Weg

+ im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Heute am Ostermontag begegnet uns immer wieder die altbekannte Geschichte von den Jüngern, die nach Emmaus unterwegs waren.

Mich berührt sie bei jedem Hören und Lesen neu.

Lassen auch Sie sich berühren, versuchen Sie sich die Begegnung mit Jesus bildlich vorzustellen.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

(Lk 24,13-35; Übersetzung von Albert Kammermayer):

13Am selben Tag
wanderten zwei Jünger nach Emmaus,
einem Dorf, das ungefähr zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt.
14Unterwegs redeten sie über nichts anderes
als über die Ereignisse der letzten Tage.
15Während sie miteinander sprachen,
gesellte sich Jesus zu ihnen.
16Aber sie erkannten ihn nicht;
sie waren wie mit Blindheit geschlagen.
17„Worüber redet Ihr gerade?“, fragte sie Jesus.
Die Jünger blieben traurig stehen,
18und verwundert bemerkte Kléopas, einer von den beiden:
„Ich glaube, du bist der Einzige in Jerusalem,
der nichts von den Ereignissen der letzten Tage gehört hat.“
19„Was ist denn geschehen?“, wollte Jesus wissen.
„Hast du etwa nichts von Jesus gehört, dem Mann aus Nazareth?“,
antworteten die Jünger
„Er war ein großer Prophet,
den Gott unserem Volk geschickt hatte.
Jeder konnte das an seinen Worten und Taten erkennen.
20Aber unsere Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes
haben ihn an die Römer ausgeliefert.
Er wurde zum Tod verurteilt und dann ans Kreuz geschlagen.
21Dabei hatten wir gehofft,
dass er der von Gott versprochene Retter ist, der Israel befreit.
Das war vor drei Tagen.
22Heute Morgen haben uns einige Frauen aus unserem Kreis
sehr beunruhigt.
Schon vor Sonnenaufgang waren sie zum Grab gegangen;
23aber der Leichnam Jesu war nicht mehr da.
Die Frauen erzählten,
ihnen seien Engel erschienen,
die sagten: ‚Jesus lebt!‘
24Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen.
Es war tatsächlich leer, wie die Frauen berichtet hatten.
Aber Jesus haben sie nicht gesehen.“
25Darauf sagte Jesus zu ihnen:
„Was seid ihr doch schwer von Begriff!
Warum glaubt ihr nicht, was die Propheten gesagt haben?
26Musste Christus nicht all dies erleiden,
bevor Gott ihn zum Herrn über die ganze Welt einsetzte?“
27Dann erklärte Jesus,
was in der Heilige Schrift über ihn gesagt wird –
von den Büchern Mose angefangen, bis zu den Propheten.
28Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus,
und Jesus tat so, als wolle er weitergehen.
29Deshalb drängten ihn die Jünger:
„Bleib‘ doch über Nacht bei uns!
Es wird ja schon dunkel.“
So ging er mit ihnen ins Haus.
30Als sie sich zum Essen gesetzt hatten,
nahm Jesus das Brot,
dankte dafür,
teilte es in Stücke und gab es ihnen.
31Da plötzlich erkannten sie ihn.
Doch er verschwand vor ihren Augen.
32Jetzt fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen.
„Brannte es nicht wie Feuer in unserem Herzen,“
sagten sie zueinander,
„als er unterwegs mit uns sprach
und uns die Heilige Schrift erklärte?“
33Ohne Zeit zu verlieren,
liefen sie sofort nach Jesusalem zurück.
Dort waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen.
34Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt:
„Der Herr ist tatsächlich auferstanden!
Simon Petrus hat ihn gesehen!“
35Nun erzählten die beiden,
was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war,
und dass sie ihren Herrn daran erkannt hatten,
wie er das Brot brach und an sie austeilte.

 

Impuls

Versetzen Sie sich in die Lage der beiden Jünger.
Wie wäre es Ihnen ergangen, nach all den Erfahrungen in Jerusalem?
Natürlich waren die Jünger enttäuscht und traurig:
Alles vorbei!
Er hatte so viel Ausstrahlung und nun ist er hingerichtet worden.
Da ist es am Besten, Reißaus zu nehmen,
möglichst weit weg, wo man nicht mehr daran erinnert wird.

Und dann kommt da jemand und stellt so bohrende Fragen.

Wenn ich offen bin und mich hinterfragen lasse,
komme ich manchmal den Dingen wie von selbst auf den Grund.
Wenn ich meinen Blickwinkel verändere, eröffnen sich neue Perspektiven.

So jemanden, der mir dazu verhilft, lade ich gerne ein,
ich will länger mit ihm zu tun haben, er macht mich neugierig.
So ähnlich wird es den beiden Jüngern auch ergangen sein.

Wie lange muss ich Jesus wohl zuhören,
bis ich Klarheit gewinne,
bis mir die Schuppen von den Augen fallen?

Wenn es dann aber soweit ist,
dann hält mich nichts mehr,
ich will loslegen, sofort aufbrechen.

 

Lied: Eines Tages kam einer (Liederwald 572)

 

https://www.youtube.com/watch?v=6hbI5nxTP5g

 

Emmaus

(Von Lothar Zenetti,
aus TeDeum, April 2021; Klosterverlag Maria Laach und Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

Zwischen den Zeilen
bist Du zu lesen,
zwischen den Menschen
zuweilen zu spüren.

Und auf dem Weg
von Pontius zu Pilatus,
von mir zu mir selbst
und auch von mir weg
zu den andern;
kann sein einen
Atemzug lang
Bist du zu spüren.

Zwischen den Zeilen
bist Du zu lesen,
zwischen den Menschen
zuweilen zu spüren.

Gestern zum Beispiel,
als wir das Bauernbrot
aßen im Emmaus wir beide
an dem Tisch in der Mitte
zu Dritt.

 

Kanon (GL 832):

Wo zwei, oder drei,
in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus,
wir bitten Dich, uns zu  begleiten.
Von Dir können wir noch so viel lernen.
Hilf uns, Dein Wort besser zu verstehen
und dann danach in die Welt zu gehen,
um von Dir Zeugnis zu geben.

Dein Segen komme über uns und stärke uns auf unserem Weg
+ im Namen des Vaters, den Sohnes und des heiligen Geistes.

Amen, Halleluja!

Kanon:

Herr beibe bei uns,
denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneiget.

https://www.youtube.com/watch?v=WDR7lk7-Kuw

 

Text und Foto: Martin Geibel