Liturgischer Impuls zum Ostersonntag am 4. April

Fragen an Maria von Magdala

wo hast du ihn
zum ersten mal gesehen

er saß im morgenlicht
am see und sang ein lied

was hat er dir gesagt
als er dich sah

sei nicht traurig maria und spring
über die sieben Schatten deiner vergangenheit

wo hast du ihn
zum letzten mal gesehen

er hing in schwarzer nacht
am kreuz verstummt

was würde er dir sagen
sähe er dich jetzt

sei nicht traurig maria und tanz
mit den sieben farben des lichts

(Andreas Knapp)

Aus dem Johannesevangelium (Joh 20,1-2.11-18):
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
Noch ist es finster. Die Nacht war schlaflos. Groß ist die Last, die aufs Herz drückt. Maria Magdalena war gekommen, um IHN zu salben. Wo ist der Stein? Wer hat die Grabesruhe gestört? Einsam, verloren, verlassen, hilflos fühlt sie sich.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
Aufregung. Ratlosigkeit. Verzweiflung, Trauer, Gottferne.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Die Tränen kommen, sie laufen, zu groß ist der Schmerz. Es ist ein doppelter Schmerz: zuerst wurde ihr Jesus – durch seinen Tod am Kreuz – genommen und dann auch noch sein Leichnam. Dennoch wagt sie den Blick hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
Tränenschwer. Tränenblind. Aber wenigstens eine freundliche Ansprache, eine Nachfrage, die Raum gibt, den eigenen Schmerz in Worte zu fassen.
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
Da ist noch jemand, der Gärtner. Hilfe ist in Sicht.
Jesus sagte zu ihr: Maria!
ER ist es selbst! ER, der sie geheilt hat. ER, dem sie gefolgt ist. ER, ihr lieber Freund, nennt sie bei ihrem Namen! Was für eine Liebe schwingt im Aussprechen ihres Namens mit! Daran erkennt sie IHN! Warm wird es plötzlich in ihrem Herzen und hell.
Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
Erstaunt und zärtlich spricht sie ihn an: Rabbuni! Mehr braucht es nicht. Es sagt alles!
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
Ist das zu verstehen? Maria Magdalena soll ihn nicht festhalten, obwohl Berührung jetzt so heilsam wäre. Ihre Augen sehen ihn. Das genügt. Ihr Herz erkennt ihn, das erfüllt.
Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.
Überwältigt von der Begegnung mit dem Auferstandenen, dem Rabbuni, ihrem geliebten Meister, geht sie tanzend und berichtet singend, dass sie IHN gesehen hat. Voll ist ihr Herz mit Liebe und Dankbarkeit.

 

Auferstehungskraft

Die Kraft
die Felsen zerbricht
die Ketten zerreißt
und das Leben befreit

Die Kraft
die das Böse bezwingt
das Dunkel vertreibt
und den Tod zertritt

Die Kraft
die in mir wirkt
die mich bewegt
und mein Leben verwandelt

Du bist auferstanden!
(Cornelia Grzywa)

O, Christus resurexit, Christus resurexit. Halleluja!

 

(Halten Sie eine Schale mit Wasser bereit.)

Maria von Magdala wurde vom Auferstandenen bei ihrem Namen gerufen. Am Klang seiner Stimme, als er ihren Namen aussprach, hat sie ihn erkannt.
Auch wir werden bei unserem Namen gerufen.
Wann hat mich das letzte Mal jemand bei meinem Namen gerufen?
Wann hat mich das Rufen meines Namens berührt?
In der Taufe werden wir beim Namen genannt. Gottes kennt alle unsere Namen. Wir sind seine Kinder, die er liebt.
Wir wollen uns darauf besinnen, dass wir getauft sind, und uns mit dem Wasser des Lebens segnen.
Wir segnen das Wasser und beten:
Jesus Christus, du bist die Quelle unseres Lebens. Segne dieses Wasser, das uns Mut und Kraft schenken soll. Lass uns durch dieses Wasser in der Zuversicht leben, dass du bei uns bist, uns aufrichtest, uns vergibst, dass du uns belebst. Amen. (Zeichnen Sie ein Kreuzzeichen über dem Wasser.)
Bekreuzigen Sie sich mit dem Wasser des Lebens in Erinnerung an Ihre Taufe und sprechen dabei:
„Du, Gott, hast mich bei meinem Namen … gerufen. Du, Jesus, bist mein Wegbegleiter. Du, Heilige Geistkraft, atmest in mir. Amen.“

Wir wollen an diesem Ostersonntag unsere Bitten vor Gott bringen:
• Um österliche Weite für jene Menschen, für die das Alltagsleben in den letzten Monaten eng, mühselig oder einsam geworden ist…
• Um österliches Vertrauen für jene, die die Angst vor Ansteckung, Krankheit, Tod oder wirtschaftlicher Not und unsicherer Zukunft umtreibt…
• Um österliche Kraft für alle, die sich in Medizin und Pflege, in Versorgung, Nachbarschaftshilfe und Seelsorge unermüdlich für andere einsetzen…
• Um österlichen Frieden in den kleinen und großen Spannungen zwischen Menschen, Gruppierungen, Völkern und Religionen…
• Um österlichen Glauben für alle, die sich auf die Taufe, die Erstkommunion oder die Firmung vorbereitet haben oder vorbereiten und nun auf den Empfang dieser Sakramente warten…
• Um das österliche Licht für unsere Verstorbenen und für alle, die von lieben Menschen unter schwierigen Bedingungen Abschied nehmen mussten…
* Um österliche Heilung für alle die krank sind und leiden. Besonders für…
* Um ein österliches, offenes Herz für uns, die du uns bei unseren Namen rufst…

Heiliger Gott, starker Gott, unsterblicher Gott, du hast Jesus von den Toten auferweckt und uns so den Weg zum Leben neu geschenkt. Wir danken dir und preisen dich an diesem Ostersonntag und alle Tage unseres Lebens, durch ihn, Jesus Christus, unseren auferstandenen Freund und Bruder. Amen.

Österlicher Segen:

Wir bitten dich, Jesus, um deinen Segen, der befreit und froh macht, tröstet und überrascht, wie Maria von Magdala an deinem Grab.
Wir sind bei unserem Namen Genannte, Gerufene.
Komm in unsere Nähe, Jesus! Überrasche uns mit deiner Anwesenheit, dass wir im Herzen Begeisterte und von deinem Licht Erfüllte sind; dass unsere Freude auf einander übergeht und unser Miteinander friedlich und liebevoll ist:
Und so segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen
Gehet hin in Frieden. Halleluja, halleluja!
Dank sei Gott dem Herrn. Halleluja, halleluja!
Christus ist auferstanden. Er ist wirklich auferstanden.

 

(Bild: Maria Magdalena von Angelika Pohler 2020 farb. Tusche auf Papier
Text: Patricia Sorek)