Musikalischer Kreuzweg am Karfreitag

Sonata Nr. VII – Johann Rosenmüller (1620-1684)
Largo

DU ziehst nach Jerusalem ein
und weißt, was Dich erwartet –
DU gehst voll Vertrauen
auf Gott, DEINEN, meinen Vater.

Ich gehe in einen neuen Tag hinein
und weiß nicht, was mich erwartet –
so stärke mich im Vertrauen
auf Gott, DEINEN, meinen Vater

Sylke-Maria Pohl

Sinfonia No.4 „Morte e sepultura di Christo“ 1724 – Antonio Caldara (1670-1736)
Grave

1. Auf dem Ölberg

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

In den Evangelien lesen wir über die Todesangst Jesu.

Nach dem Lobgesang ging Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg hinaus. Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete…da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wachet (Mk 14.26.32-34)

Die Angst Jesu am Ölberg ist Todesangst: es geht auf Leben und Tod, es geht ums Ganze. Aus nächtlicher Stille bringt Jesus betend seine Angst vor den Vater (Mt 26,36-46).

Den Menschen von heute plagen viele Ängste: Angst vor Krankheit, Angst vor Trennung, Angst um den Arbeitsplatz, wirtschaftliche Sorgen; Angst vor dem Altern, dem Nicht-Mehr-Gebraucht-Werden, dem Sterben. Jesu Angst geht weiter im Menschen der Geschichte.
Jesus trägt die Angst der Menschen vor seinen Vater.

Sinfonia No.4 „Morte e sepultura di Christo“ 1724 – Antonio Caldara (1670-1736)

Allegretto

2. Verurteilung und Kreuz

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

Jesus steht vor Gericht. Er wird von Pilatus zur Geißelung freigegeben und das „Volk“ fordert den Tod. Die Strafe ist schmachvoll und schrecklich zugleich. Die furchtbare Ungerechtigkeit und Leichtfertigkeit dieses Urteils durchbebt das Herz Jesu bis in den Grund. Jesus trifft offene Ungerechtigkeit. Er schweigt und überlässt die Rechtfertigung seinem Vater.

Ungerechtigkeit begleitet uns Menschen wohl das ganze Leben. Ungerechtigkeit nicht tatenlos hinzunehmen und uns überall für Gerechtigkeit einzusetzen ist zahlreichen Menschen auch heute ein Anliegen. Aber oft kommen viele an die eigenen Grenzen und spüren Ohnmacht. Jesus trägt die erfahrene Ungerechtigkeit an Menschen vor seinen Vater.

Sinfonia No.4 „Morte e sepultura di Christo“ 1724 – Antonio Caldara (1670-1736)

Allegro assai

3. Jesus begegnet Menschen

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

Jesus ist ganz verlassen. Ringsum nur Feindschaft, Grausamkeit, Herzensstumpfheit. Das Kreuz drückt furchtbar. Er hat so vielen geholfen, nun haben ihn alle verlassen. Der Weg nach Golgota ist lang. So kommt Simon gerade recht. Simon drückt sich nicht, er gibt ein Zeichen der Solidarität in der Not eines anderen. Jesus lässt es zu, dass ihm geholfen wird.

Wir haben eine Vision, wir träumen von einer geschwisterlichen Welt. Keiner trägt mehr sein Kreuz allein, niemand verachtet den Fremden. Jeder nimmt den anderen an: der Palästinenser den Juden, der Deutsche den Ausländer, der Christ den Muslim. Denn wir gehören zusammen in der einen Welt Gottes. Jesus trägt die Vision von einer geschwisterlichen Welt vor seinen Vater.

Sinfonia No.12 „La passione di Gesu Signor nostro.“ 1730 – Antonio Caldara (1670-1736)
Grave

4.  Sturz unterm Kreuz

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

Jesus fällt dreimal unter dem Kreuz – so kennen wir es aus bisherigen Kreuzwegdarstellungen. Jesus fällt auch in mir. Er lehrt uns, dass jedes wirkliche Leid irgendwann, irgendwie einmal zu Schultern zu schwer erscheinen muss. Jedes Kreuz scheint einmal über die Kraft zu gehen. Immer kommt einmal das müde, angstvolle Wort: „Ich kann nicht mehr!“

Wir leben in einer neoliberalen und zunehmend Globalen Welt. Die Menschenstärke, und Leistung oder der Markt vieler Möglichkeiten gelten und genießen Ansehen und Glanz.
Die mögliche Schwachheit und Gebrochenheit des Menschen haben häufig wenig Verständnis und Zeit in unserer Leistungsgesellschaft. Jesus trägt die körperliche und psychische Gebrochenheit der Menschen vor seinen Vater.

Sinfonia No.12 „La passione di Gesu Signor nostro.“ 1730 – Antonio Caldara (1670-1736)

Allegretto

5. Kreuzigung und Tod

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

Jesus wird ans Kreuz geschlagen. Seine Hände und Füße werden angenagelt – „stillgestellt“
Festgenagelt werden Menschen auch heute, zu Tode gequält und geschunden. Was können solche Hände und Füße noch tun?

Warum…? Das ist nicht nur unsere Frage, das ist auch seine Frage: „Warum, o Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus hat diese Frage nicht beantwortet, er hat sie neu gestellt. Gott ist aus dem Leid der Welt nicht herauszuhalten. Er selbst ist unmittelbar davon betroffen.
Er lässt sich in Mit-Leidenschaft ziehen, er leidet mit.
Jesus trägt den Tod der Menschen vor seinen Vater.

Sinfonia No.12 „La passione di Gesu Signor nostro.“ 1730 – Antonio Caldara (1670-1736)

Adagio

Auferstehungsgedanke

Noch hält die Nacht
so still und eigen
ihre Schwingen über’s Land
noch hüllt die Welt
sich in ein Schweigen
gehalten fest
von dunkler Hand.

Dämmern liegt noch
über Flur
und Schlaf noch
über’m Feld
doch zieht ein Lichtstrahl
seine Spur
vom Grab hinaus
zur Welt.

Ein Lichtstrahl ist’s
der Staunen macht
viel heller als die Sonn‘
Gottes Geist
dringt durch die Nacht:
Gott Vater
weckt den Sohn!

 Josef Albert Stöckl

Sinfonia No.12 „La passione di Gesu Signor nostro.“ 1730 – Antonio Caldara (1670-1736)

Allegro

Vaterunser

Schlussgebet

Herr unser Gott, wir danken dir für die Zeit des Gebetes und der Besinnung. Wir sind deinem Sohn unserem Bruder begegnet auf seinem Kreuzweg für uns. Der Lebensweg jedes Menschen kann zum Kreuzweg werden. In der Gemeinschaft mit dir ist das kein Weg in den Untergang. So lasse uns in deiner Kraft den Weg gehen, den du uns weist.

Darum bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn.

Segen

Im Zeichen des Kreuzes segne uns der allmächtige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Sonata Nr. VII – Johann Rosenmüller (1620-1684)
Adagigo-Allegro-Adagio

 

_________________________________________________________________________________________

Ein Dank gilt zu sagen:

Violine I Adela Drechsel
Violine II Uta-Maria Lempert
Viola Sophia Gulde
Violoncello Katrin Meingast

Die vier Damen haben am 1.April 2020 in der Kirche St. Josef die Stücke mit Marco Gulde eingespielt.

Bildergalerie: Aquarellen und Zeichnung von Bruder Winthir Rausch OFM gest.+ 2015 – Danke für deinen Geist

Texte für die fünf Stationen: Franz-Josef Herzog – geschrieben 2007

 

_________________________________________________________________________________________

Gerne als Gesamteinspielung zum Nachhören:
Sinfonia No.4 „Morte e sepultura di Christo“ 1724 – Antonio Caldara (1670-1736)

Gesamteinspielung
Sinfonia No.12 „La passione di Gesu Signor nostro.“ 1730 – Antonio Caldara (1670-1736)