Dankgottesdienst mit und für Thaddäus Posielek und Rebekka-Chiara Hengge

Abschied von Thaddäus Posielek und Rebekka-Chiara Hengge am 1. Advent 2020

Bischof Heiner Koch hatte Visionen von einer neuen Kirche. Einer Kirche, von mündigen Christen, die Verantwortung mittragen und sich ihrer Taufberufung bewusst sind. Von diesen Ideen begeistert, ließ sich Pfarrer Thaddäus Posielek im Jahr 2014 von seinem Heimatbistum Eichstätt für den Dienst im Bistum Dresden-Meißen freistellen und kam nach Dresden-Pieschen. Zusammen mit Rebekka-Chiara Hengge, einer Gemeindereferentin, die Musicals aufführte, und auch unserer Jujugruppe mit Ideen (z. B. einem Kinderparlament) bereicherte.

Nach ersten Informationen über den von Bischof Heiner Koch eingeleiteten Erkundungsprozess, dem ich eher skeptisch gegenüberstand, folgte ich irgendwann 2015 einer Einladung zu einem Abend über die verschiedenen Kirchenbilder. Dieses Treffen fand im Gemeinderaum in Pieschen statt, wo ich vorher noch nie gewesen war. Mehr noch als die großen Plakate, über die sich ändernden Kirchenbilder, bewegten mich die Zeichen in der Stille am Ende. Dieser Zuspruch von Gesicht zu Gesicht beeindruckte mich tief: „Du bist getauft – zum Prophet“, „Du bist König“, „Du bist Priester“! „Christus will in dir eingesenkt sein, durch dich sichtbar werden.“ Neue (Glaubens-)Welten taten sich für mich auf.

Auch später waren es oft nicht viele Menschen, die der Einladung zum Bibelteilen, zu Gemeindeversammlungen, zu Glaubensseminaren mit Rebekka-Chiara folgten. Mit für mich neuen Methoden, wie z.B. dem Bibliolog, kam ich mit fremden Menschen in Berührung und erlebte viele wertvolle Gespräche. So unterschiedlich die Texte waren, wir manchmal haderten und widersprochen haben, immer ging ich beschenkt nach Hause, konnte auftanken für meinen Alltag und auch für die Arbeit in der Gemeinde.

Seit Juni 2019 traf sich eine Gruppe aller Teilgemeinden zum Erstellen des Pastoralkonzeptes. Analog zum Präventionskonzept, das zu dem Zeitpunkt bereits fast druckfertig war, sollten hier pastorale Leitlinien für unsere gesamte Pfarrei formuliert werden. Diese regelmäßigen Treffen – meistens alle zwei Wochen – begannen jeweils mit dem Bibelteilen; es war wie das Schöpfen aus einer Quelle. Wir ungeduldigen oft müden Menschen wollten lieber schneller zu Sache kommen und diese Zeit dafür einsparen. Rückblickend erkenne ich jedoch, wie wertvoll dieses gemeinsame Bibelteilen war und mich in Corona-Zeiten wirklich getragen hat.

Zum Dankgottesdienst anlässlich der Verabschiedung von Thaddäus Posielek und Rebekka-Chiara Hengge waren am 1. Advent viele nach St. Josef gekommen. Die feierliche musikalische Gestaltung drückte auf ihre Weise den Dank an die beiden Seelsorger aus.

Gegen Ende des Gottesdienstes fassten fünf Gemeindemitglieder den Dank an Thaddäus und Rebekka-Chiara anhand des biblisch begründeten Auftrags unserer Pfarrei zusammen: „Seid ein Segen. Bereitet den Weg des Herrn.“ Dieser Aufforderung sind beide in den gut sechs Jahren ihres Wirkens im Großen wie im Kleinen nachgekommen, nicht zuletzt auch sichtbar in Projekten wie der Bunten Kirche Neustadt, der Zusammenarbeit mit der Gefängnisseelsorge, der Förderung von Wort-Gottes-Feiern usw.
Mich berührte es sehr, als wir anschließend als versammelte Gottesdienstgemeinde mit erhobenen Armen die beiden segneten – wie sie zuvor oftmals uns gesegnet hatten. Ja, auch ich bin König, Priester und Prophet. Jetzt ist es an uns, ihre Ideen, ihre Vision weiter mit Leben zu füllen. Und wir dürfen uns auch trotz der örtlichen Trennung mit ihnen verbunden fühlen.

So viele Christen, die sich ihrer Taufberufung bewusst sind

Fotos Elisabeth Meuser und Helena Sorek
Uta Graba