Satt sein für 13 Cent? Blick über Suppenteller

Satt sein für 13 Cent? – Ein Blick über den Suppentellerrand

 „Gracias hermana“ – „Danke Schwester“, sagt Juan zu mir, während er sein Geschirr abtrocknet. Er hat die große Portion der leckeren Suppe gegessen und sich nach dem Wischen den Speiseraums noch eine Portion mitgeben lassen. Er nimmt sich noch etwas Refresco und bedankt sich bei den anderen Freiwilligen und der Ordensschwester, dann nimmt er seine Tüten und seinen Rucksack und geht. In zwei Tagen werde ich ihn wieder sehen, denn er kommt jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag ins Centro Social Franciscano, denn an diesen Tagen findet die Suppenküche statt. Er ist oft der erste und hilft eifrig beim Vorbereiten der Abwaschbecken. Er ist nicht der einzige. Jedes Mal kommen fast 100 Männer und Frauen mit ihren Kindern in die Suppenküche, in der sie eine große Portion Gemüsesuppe mit Nudeln oder Reis für einen Boliviano (ca. 0,13 €) erwerben können.

Acht Monate durfte ich das Centro als Freiwillige unterstützen und ein paar der ärmeren und benachteiligten Menschen in Cochabamba kennenlernen. Neben der Suppenküche gab es auch eine Ärztin, eine Zahnärztinnen, eine Psychologin und Angebote für Kinder, die diesen Menschen das Leben erleichtern sollen.

Leider musste ich wegen Corona schon früher nach Deutschland zurück fliegen. Die plötzliche Rückkehr traf mich sehr. Doch ich bin nicht diejenige, die von Corona stark betroffen ist. Die letzten Wochen in Bolivien verbrachte ich in einem kompletten Lock-Down. Ich durfte nur an einem Tag in der Woche einkaufen gehen – Mittwoch, weil meine Ausweisnummer mit sechs endete. Die Maskenpflicht galt ab dem Verlassen der Haustür. Die sonst sehr befahrene Straße unter meinem Fenster war bedrohlich still. Ab zwölf Uhr mittags war niemand mehr auf den Straßen außer den Polizisten, die Patrouille liefen.

Zurück in Deutschland hörte ich nur Beschwerden über die nervenden Masken, das fehlende Klopapier und die Ausgangsbeschränkung. Was für ein Kulturschock. Die Rückholaktion hielt mir wieder vor Augen, wie privilegiert ich als deutsche Bürgerin bin. Ich habe ein sicheres Zuhause mit Strom,  fließendem, heißem Wasser und einem warmen Bett, eine Krankenversicherung und wohne in einem Staat, der das Geld hat um seinen Bürgern finanziell unter die Arme zu greifen.

Den Menschen in Bolivien geht es anders. Viele haben kaum Rücklagen und keine Krankenversicherung. Die Präsidentin gibt Versprechen zur Unterstützung, doch bei den Bürgern kommt kein Geld an. In den Krankenhäusern fehlt die Ausrüstung um Corona Kranken zu helfen. Vom Gesundheitsministerium erhalten sie keinerlei Unterstützung. Die fehlenden finanziellen Mittel und die fehlende Unterstützung führen zur Schließung vieler Krankenhäuser. Bisher gibt es über 110.000 bekannte Covid-19 Erkrankte in Bolivien von denen 4.500 verstorben sind. Das sind bei den 11,35 Mio. Einwohnern Boliviens mehr als dreimal so viele Erkrankte, im Verhältnis zur Gesamteinwohner Zahl, wie in Deutschland.

Nachdem die Ausgangssperre im Mai gelockert wurde und die Menschen teilweise wieder arbeiten gehen können, sind die Zahlen gestiegen. Doch die Menschen müssen sich wie gesagt nicht nur mit der Krankheit auseinandersetzen. Ein Bekannter aus Cochabamba berichtete, er müsse nun überlegen, ob er Wasser oder Strom bezahlt, denn für beides reiche das Geld nicht. Das Centro und somit die Suppenküche sind im Moment nicht geöffnet. Das bedeutet, die Menschen die auch sonst kaum etwas haben und sparsam leben, haben jetzt noch weniger. Kaum Arbeit, weniger Geld, weniger Essen, weniger Wasser. Ich habe genug Geld, genug Essen, genug Wasser.

Die Arbeit im Centro hat mich sehr bereichert. Die Menschen, die auf diese Suppe angewiesen sind, haben meinen Kolleginnen und mir sehr viel Dankbarkeit geschenkt. Ich habe von ihnen gelernt, dankbar für alles zu sein, was ich habe. Es erfüllt mich mit Freude, andere Menschen glücklich zu machen.

Während ich für jede Mahlzeit dankbar bin, die ich essen kann, gibt es Menschen, die nicht genug essen haben, in dem Land, welches im vergangenen Jahr zu meinem zweiten Zuhause wurde.

Ich möchte die benachteiligten Menschen und ihre Familien auch jetzt unterstützen, was im Moment leider nur finanziell möglich ist. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir dabei hilfst. Ich bin mir sicher, dass dir die Menschen in Cochabamba sehr dankbar dafür sein werden. Paz y bien.

Franziskaner beim Austeilen von Lebensmitteln in Cochabamba
Quelle: Missionszentrale der Franziskaner

Spenden kannst du über die Webseite der MZF auf https://mzf.org/spenden/ . Dort kannst du „Corona Nothilfe auswählen“ und entweder als Nachricht oder bei einer Spende über das Konto den Verwendungszweck „Bolivien Cochabamba – Hilfe für Menschen die auf der Straße leben“ angeben.

Du kannst das Geld auch direkt auf das Spendenkonto überweisen. Hier kannst du auch als Verwendungszweck „Bolivien Cochabamba – Hilfe für Menschen die auf der Straße leben“ angeben.

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Text: Helena Sorek