Tagesliturgie 2. Dezember 2020

Adventslicht (gleißend)

Eröffnung: GL 374:
Volk Gottes, zünde Lichter an,
vertreib die Nacht mit ihrem Schein!
Der jedes Dunkel wenden kann,
er zieht ins Haus des Vaters ein.

Es scheint so, als hätten die Menschen diese Aufforderung sehr ernst genommen. Besonders in der Adventszeit leuchtet und strahlt es an allen Ecken und Enden der Stadt. Auch wenn die besonders heftig blinkenden Dekorationen zum Glück etwas zurückgegangen sind – wer könnte in dieser Festbeleuchtung eine brennende Kerze entdecken oder einen einzelnen Stern am Himmel erkennen?
Zu viel, zu heftig, könnte man meinen.

In der Lesung (Jesaja 25, 6-10) heißt es heute: „Der HERR der Heerscharen wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen.“

Das klang für seine Zeitgenossen vor mehr als 2500 Jahren sicher sehr verlockend. Und auch heute löst ein Festmahl bei vielen Menschen positive Gefühle aus, weil es oft mit guter Gesellschaft, einem frohes Anlass und herzerwärmenden Gesprächen verbunden ist. Aber „ein Gelage mit [ …] fetten Speisen“? Das ruft uns unsere Zivisationskrankheiten ins Gedächtnis und befördert eher ein schlechtes Gewissen.
Zu viel, zu fettig, könnte man meinen.

Jesus zeigt uns im Evangelium (Matthäus 15, 29-37), wie es auch gehen kann: „Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach sie und gab sie den Jüngern und die Jünger gaben sie den Menschen. Und alle aßen und wurden satt.“

Die gute Gemeinschaft und die Gespräche bleiben erhalten, denn es heißt dort auch, dass die Menschen staunten und Gott priesen. Aber für das leibliche Wohl ist nur in ganz grundlegenden Maße gesorgt. Es gibt genug zu essen, aber keine Übertreibung. Was nicht direkt verzehrt wird, kann eingesammelt und für den späteren Bedarf verwendet werden. Christus sorgt für die Menschen mit Liebe und Augenmaß. Sie suchen bei ihm wohl zuerst nach geistiger Nahrung.

Auch da ist der Advent Chance und Gefahr zugleich. Digitale Adventskalender gibt es schon lange, aber nun, da die Veranstaltungsmöglichkeiten immer weiter schrumpfen, kann man sich im Radio, Fernsehen und Internet vor Besinnlichkeit kaum retten. Kann es zu viele Impulse geben? Ich habe manchmal dieses Gefühl, auch wenn ich selber fleißig daran mitarbeite.
Zu viel, zu beliebig, könnte man meinen.

Bitten wir den Herrn um das rechte Maß:

Herr, schenke uns Licht, das uns nicht blendet, sondern den Weg zu Dir bescheint und unsere Mitmenschen erstrahlen lässt. – Wir bitten Dich, erhöre uns!
Herr, schenke uns Nahrung, die uns für den Weg zu Dir stärkt und nicht ermattet in einen Sessel sinken lässt. – Wir bitten Dich, erhöre uns!
Herr, schenke uns Impulse, die uns Deine Nähe spüren lassen und nicht nur gefällig den Rücken massieren. – Wir bitten Dich, erhöre uns!

So segne uns Gott in diesen Tagen mit dem Nötigen, damit wir ohne überflüssigen Ballast bei ihm ankommen können.
Es segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.

Schlusslied: GL 725
Das Licht einer Kerze ist im Advent erwacht.
Eine kleine Kerze leuchtet durch die Nacht.
Alle Menschen warten hier und überall,
warten voller Hoffnung auf das Kind im Stall.

(Christoph Nitsche)

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