Tagesliturgie 3. Dezember 2020

Mauern und Steine

Kein Eingangslied: „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Eingangslied: GL 479, Eine große Stadt ersteht.

„Durch Dein Tor lass uns herein
und in dir geboren sein,
dass uns Gott erkennt“.

Die Texte des heutigen Tages werden von der verlässlichen Zuflucht geprägt, die Steine bieten können. Mit dem Propheten Jesaja singt das Volk Gottes: „Wir haben eine befestigte Stadt, zu unserem Schutz baute der Herr Mauern und Wälle.“ (Jesaja 26, 1-6) Und Jesus greift dieses Bild auf, wenn er über einen treuen Zuhörer, der nach seinen Worten handelt, sagt, er sei „ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ (Matthäus 7, 21 + 24-27)

Zu vielen Zeiten und Gelegenheiten hat die Menschen dieses Bild angezogen. Verlässlichkeit in Zeiten der Unsicherheit, Sicherheit nach Epochen der Verfolgung oder ein Ruhepol in einer unruhigen Welt sind attraktiv. Das evangelische Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ hat vielen Menschen Mut gegeben, verschiedensten Feinden zu wiederstehen.

Und doch gibt es auch das böse Wort von der „Wagenburgmentalität“, in die sich die Kirche zu manchen Zeiten zurückgezogen hat. Das ist eine Form der Weltflucht, die verkennt, wo wir Christus finden können: In unserem Nächsten, draußen vor den Toren der Stadtmauer, nicht innen in der Burgkapelle.

Lied GL 225:

„Wir ziehen vor die Tore der Stadt. Der Herr ist nicht mehr fern.
Singt laut, wer eine Stimme hat!
Erhebt die Blicke, wer schwach und matt!
Wir ziehen vor die Tore der Stadt und grüßen unsern Herrn.

Er ruft uns vor die Tore der Welt. Denn draußen wird er sein,
der draußen eine Krippe wählt
und draußen stirbt auf dem Schädelfeld.
Er ruft uns vor die Tore der Welt: Steht für die draußen ein!“

 

Jesus ist gern in die Häuser der Menschen gekommen, um das Gespräch zu suchen, mit ihnen zu essen, die Kranken zu heilen. Er hat immer darauf vertraut, dass sich Türen öffnen. Türen in Mauern aus Stein, Türen zu Herzen aus Stein.

Am Ende ist es Torheit, sich auf die Stärke von Mauern allein zu verlassen. So erging es dem stolzen Volk aus der Lesung, das nicht gerecht war. Der Herr „hat die Bewohner des hohen Berges hinabgestürzt, die hoch aufragende Stadt; er hat sie zu Boden geworfen, in den Staub hat er sie gestoßen.

Und so wollen wir den Herrn bitten, dass er uns im Advent die Offenheit lehrt, die wir zum Leben brauchen:

Kehrvers GL 633,3: „Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt.“

Herr, gewähre allen, die auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft sind, eine Mauer, in deren Schutz sie flüchten können.
„Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt.“

Herr, schenke allen, die einsam sind, den Mut, die Türen zu ihren Häusern und zu ihren Herzen zu öffnen.
„Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt.“

Herr, öffne allen, die eines Tages vor dem himmlischen Jerusalem stehen, die Tore zu Deiner ewigen Stadt.
„Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt.“

Der Herr der Heerscharen,
der Herr über Mauern und Türme,
der Herr über die Pforten zu den Herzen der Menschen
segne uns und alle, denen wir in diesen Tagen näher kommen.

Amen.

Schlusslied GL 218:

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.“

(Christoph Nitsche)

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