Tagesliturgie 1. Dezember 2020

1. In das Warten dieser Welt
fällt ein strahlend helles Licht.
Weit entfernt von dem Gedränge
klingt die Stimme, die da spricht:

Sehet auf, der Retter kommt.
Wachet auf und seid bereit,
denn der Herr erlöst sein Volk
wunderbar zu seiner Zeit.

2. In die Trauer greift Gott ein,
er ist nahe dem, der weint.
Dass auch in der tiefen Not
uns das Licht der Hoffnung scheint.

Sehet auf, der Retter kommt…

3. Neues Leben zieht dort ein,
wo die Herzen müde sind.
Gottes Geist weht durch das Land
wie ein frischer Morgenwind.

Sehet auf, der Retter kommt…
(Text: Johannes Jourdan)

Guter Gott, jeden Morgen schenkst du uns, dass wir erwachen und einen neuen Tag erleben.
Wir wollen den heutigen Tag beginnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Tageslesung aus dem Buch Jesaja (Jes 11,1-10):

„Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
[Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes.
Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib.
Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.

Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.“

Beim heutigen Lesungstext geht mir das Herz, auf und ich fange an, mich zu sehnen und zu träumen von paradiesischen Zuständen: Harmonie und Liebe überall  – Weltfrieden für alle!
Für mich ist es eine wunderbare Vision, die dort beschrieben wird: Ein neuer König wird heranwachsen und in eine Welt, in der Gewalt, Lieblosigkeit, Ungerechtigkeit, Krieg…herrschen, wird er den Frieden bringen, wird er Liebe verschenken, wird er heilen und Gerechtigkeit herstellen. Dieser neue König wird vom Geist Gottes erfüllt sein. Er wird sich um die Schwachen und Ungeachteten, um die Ungeliebten und Kranken kümmern. Er wird befreien und aufrichten. Der neue König löst alle Fesseln der Angst. Er ermöglicht wahres (Zusammen-) Leben. Dadurch schafft er Freude, Lebenskraft, die Nähe zu Gott und die Nähe unter den Menschen in all ihrer Verschiedenheit.
Diese Vision der Hoffnung auf das Reich Gottes passt an den Anfang des Advents. Sie schließt den Auftrag ein, alles zu tun, um den Weg zum Reich Gottes mitzugestalten und uns auf das Kommen des neuen Königs, dessen Ankunft wir zu Weihnachten feiern, schon hier und jetzt vorzubereiten. Es liegt auch an mir das Wirklichkeit werden zu lassen, was ich ersehne: dem neuen König einen Platz einzuräumen in meinem und unserem Leben. Es kann durch meinen Einsatz für eine heilsame Welt geschehen.

Neben den anschaulichen Bildern bewegen mich in der heutigen Tageslesung die Worte über das „HÖREN“: „Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er…“

Vorurteile und Gerüchte kursieren immer wieder. Und nicht selten fällen wir sehr schnell das Urteil über andere Menschen, weil sie (angeblich) dieses oder jenes getan und gesagt haben. Darin sind wir emsig und bedenken nicht, wie sehr wir den anderen damit schaden. Die schlimmsten Auswüchse sind Rufmord und Mobbing. Wie viel Leid geschieht durch Halbwahrheiten, die hinterm Rücken ausgetauscht, verdreht und weitergesagt werden? Auch unter uns Christen macht dieses Verhalten nicht halt.
Haben wir uns schon einmal vorgestellt, wie wir uns fühlen würden, wenn andere so (ver-)urteilend über uns reden würden?

Es lohnt sich, einander zuzuhören und hinzuhören!

Dafür braucht es Zeit, zwei offenen Ohren, ein hörendes Herz, eine dem anderen zugewandte Körperhaltung, die echtes Interesse am Gegenüber ausdrückt, die Bereitschaft, vom anderen etwas zu erfahren und auch sich selbst dem anderen mitzuteilen.

In der Kommunikationsübung: „Der kontrollierte Dialog“ gilt folgende Regel:
Bevor ich im Gespräch mein Argument anbringe, vergewissere ich mich bei meinem Gesprächspartner, ob ich ihn richtig verstanden habe und wiederhole seine Worte.
Dieser bestätigt es mir oder nicht, je nach dem.

→ Das ist echte Hör-Arbeit, die sich lohnt. Vielleicht probieren Sie es mal aus…
Machen wir uns bewusst, dass beim Hören unsere eigene Wahrnehmung immer eine Rolle spielt, gefärbt durch unsere Gefühlslage, durch das, was wir bisher erlebt haben, und sogar durch unsere Tagesform. Was will ich hören und was nicht? Was blende ich aus und ein? Seien wir vorsichtig mit Urteilen!
→ Für mich ist das Hören eine adventliche Aufgabe: Vorgestern am 1. Adventssonntag wurden wir  im Evangelium aufgefordert wachsam zu sein. Das bin ich, wenn ich meine Ohren auf Empfang stelle!

Gebet:
Wir bitten dich, Jesus Christus füreinander, dass wir Aufeinander-Hörende sind.
Lass uns gute Worte füreinander finden, die unser Miteinander friedlich machen.
Schenke uns offene und hörende Herzen und Ohren, dass wir einander zum Segen werden.
Lass uns dadurch den Weg für dein Kommen bereiten.
Wir bitten dich, Jesus Christus, dass wir bereit sind, dein heilsames und tröstendes Wort in unsere Herzen einzulassen, damit es seine Wirkung in unserem Leben entfalten kann. Amen.

das wort will fleisch werden

wenn worte wirklich etwas sagen könnten
und nicht nur
hohle hülle blieben
wenn worte fingerspitzen hätten
und sich einfühlen könnten
bis unter die haut
wenn worte hand und fuß bekämen
und schrittmacher wären
für eine bessere welt
wenn worte etwas bewegen könnten
und ihre wahrheit
mit händen zu greifen wäre
wenn gott selbst ein solches wort wäre
in fleisch und blut
uns übergegangen
(Andreas Knapp)

 

Segne uns, Gott, lege dein Wort, das du selbst bist, in unser Herz, an diesem Tag und immer wieder.
So segne uns Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Bild & Text: Patricia Sorek)