Tagesliturgie am Dienstag, 15.12.2020

Jeder Tag bringt seine Geschenke mit. Wir dürfen sie auspacken und beginnen unsere Liturgie im Namen dessen, der uns beschenkt: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Foto: Helena Sorek

1. Kranz ein Rad im Lauf der Zeit.
Wer ist zum Leuchten noch bereit?
Wer hat genügend Öl im Krug?
Wem ist Normales nicht genug?

Advent, die Zeit ist uns gegeben,
schließt Türen auf, macht Tore weit!
Hebt auf den Blick zum neuen Leben,
es ist doch immer wieder an der Zeit.

2. Heißt Warten: sich vertrösten lassen,
wo Menschen sich zu Tode hassen?
Die Hände in den Schoß gelegt,
bis bald schon nichts mehr sich bewegt?

Advent, die Zeit ist uns gegeben,…

 3. Worauf soll denn die Menschheit warten?
Ja, einst gab es den schönen Garten.
In Frieden ein erfülltes Leben,
wer kann uns heute so was geben?

 Advent, die Zeit ist uns gegeben,…

(Franziska Müller-Stark)

Tagesevangelium nach Matthäus (Mt 21,28-32)
https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us21%2C28-32
Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Sie kennen solche Situationen sicher auch: Da bitten Sie einen Menschen um Hilfe. Dieser antwortet: „Ja, das mache ich“, aber es tut sich nichts.
Der Vater, der seine Söhne fragt, ist sicher enttäuscht von dem Sohn, der ihn versetzt hat.
Mir kommt die Frage auf: Wie kommt  der erste Sohn dazu, seine Auffassung zu ändern und sich doch noch zur Mitarbeit zu entschließen?

Wenn wir auf Jesus sehen, dann geht es ihm darum, dass wir, seine Jüngerinnen und Jünger, bereit sind, umzukehren, unsere Fehler zu erkennen und unser Leben zu ändern. Es steht uns Menschen zu jeder Zeit offen, von unserem unbedachten, fehlerhaften Verhalten Abstand zu nehmen, uns neu zu orientieren.

Die beiden Brüder im Gleichnis unterscheiden sich nicht nur durch ihr Tun oder Nicht-Tun. Es ist etwas anderes, Tieferes, was der erste Sohn dem zweiten voraushat: Es ist die Reue.Diese setzt das  In-sich-Gehen voraus: nachdenken über das eigene Leben im Licht Gottes und bereit sein für Veränderung.

Wann denken wir nach über unser Leben? Ist der Advent voll von Erledigungen, und Besorgungen, oder ist er nicht auch eine Zeit, in der wir uns neu besinnen können?
Wenn wir ins Überlegen kommen, steigen Fragen aus der Tiefe unseres Daseins auf. Es sind ganz persönliche, intime Fragen, nach dem Sinn suchen.
Was habe ich geschafft, und was macht mir zu schaffen?
Was habe ich erreicht, und was wird aller Wahrscheinlichkeit nach unerreichbar bleiben?
Welche Lebensknoten, die sich einfach nicht lösen lassen wollen, hat mein Leben?
Welches sind die Farben meiner Lebenserinnerungen? Wie bunt, wie dunkel, wie hell sind sie?
Es gehört viel Mut dazu, diesen Fragen nachzugehen. Denn ich denke nicht nur an Erfolge. Ich stoße auch auf Ungelebtes, Verpasstes. Was habe ich gewählt? Und was nicht? War die eine oder andere Entscheidung gut und richtig? Dabei fallen mir natürlich auch meine Fehler, meine Schwächen, meine Schuld ein.
Und das alles gehört zu meinem Leben dazu.
Das Evangelium sagt uns: Jeden Tag kann ich mich entscheiden. Wähle ich das Gute, oder bleibe ich im Alten verhaftet? Wozu bin ich bereit?
Wir können das Gleichnis Jesu als Einladung zum Nachdenken, zum Gang in die Tiefe unseres eigenen Lebens nehmen, gerade jetzt im Advent, in der Vorbereitungszeit, im Warten auf die Ankunft Jesu.

Gebet um Gottes Gegenwart:

Guter Gott, wir glauben, dass du uns nah bist.
Deine Anwesenheit schenkt uns Hoffnung.
Wir danken dir für jeden Tag unseres Lebens.
Wir danken dir, dass du uns immer neu die Möglichkeit schenkst zu verstehen, zu vergeben, zu vertrauen und zu lieben.

Wir bitten dich:

Lehre und führe uns, füge in unserem Geist die Gedanken zusammen, die du uns denken, und in unserem Herzen die Gefühle, die du uns empfinden lassen möchtest.
Baue uns wieder auf. Setze uns richtig zusammen; denn wir wissen nicht, wie wir es anstellen sollen.
Wir vertrauen darauf, dass du dieses Gebet hörst und dich mehr als wir selbst um die Antwort kümmerst.
Wir beten darum nicht allein, sondern mit dem gesamten Leib Christi in Jesu Namen. Amen.
(Richard Rohr, gekürzt aus:Hoffnung und Achtsamkeit, Der spirituelle Weg für das 21. Jahrhundert)

Foto: Helena Sorek

Zum Schmunzeln, passend zum Tagesevangelium

„Ein Mann in besten Jahren hatte sich eine Hose gekauft. Sie gefiel ihm sehr gut, wenn auch die Hosenbeine um etwa drei Zentimeter zu lang waren. Er dachte sich: Ich habe in meinem Haushalt drei Frauen; eine von ihnen wird die Kürzung besorgen. Zu Hause hängte er die Hose an den Haken und trug seiner Frau sein Anliegen vor. Doch diese war beschäftigt. Auch bei seiner Schwiegermutter hatte er kein Glück. Sie war in eine Lektüre vertieft. Als er auf seine Tochter traf, erklärte sie ihm, dass es ihr gerade sehr ungelegen komme.
Da packte den dreimal Abgewiesenen der Zorn. Lautstark erklärte er, dass mit ihm vor Mitternacht nicht zu rechnen sei, und schlug hinter sich die Haustüre zu.
Es dauerte nicht lange, bis die Ehefrau sich Zeit nahm. Unauffällig griff sie nach der Hose, nahm die Kürzung vor und hängte sie an ihren Platz zurück. In der Schwiegermutter wuchs die Reue. Geräuschlos schlich nun sie zur Hose und schnitt drei Zentimeter weg. Als die Tochter gegen 23 Uhr nach Hause kam und die Hose am Haken hängen sah, war auch sie bereit: ‘Jetzt wird er sich freuen’, dachte sie, als sie die Arbeit beendet hatte.
Und wie er sich bei seiner Rückkehr freute …“

(https://gmehlert.wordpress.com/tag/mt-21-28-32/page/2/ gekürzt)

Advent
Gott, ich freue mich.
Ich freue mich, dass du zu uns kommst.
Einen Brief hast du an uns adressiert, ein dickes Buch ist es geworden,
und viele haben daran mitgeschrieben.
Du lässt es uns hören und lesen.
Denn auch die Mund-zu-Mund-Propaganda ist angekommen: Du kommst.
Nun frage ich mich, wie ich dir begegnen soll.
Denn, genau genommen, habe ich gar keinen Platz, dich aufzunehmen.
Mein Terminkalender ist voll.
Mein Schreibtisch ist ein Gebirge von Arbeit.
Mein Telefon klingelt fast ununterbrochen.

Ich bin in diesen Adventswochen so beschäftigt,
dass dein Advent mir zu anderer Zeit gelegener käme.
Auch in meinem Herzen ist eigentlich kein Winkel mehr frei.
So ist das:
Ich freue mich, dass du zu uns kommen willst,
und ich fürchte, dass dein Platz bei mir schon besetzt ist.
Ich wei, dass die Wochen im Advent dir Raum schaffen sollen –
und ich glaube, dass ich so auch wieder selbst Atem schöpfen könnte.
Einziehen willst du bei uns –
das sagt uns der erste Adventssonntag.
Absehen darf ich von meinen Tagesordnungen und aufsehen zu dir –
das sagt uns der zweite.
Bearbeiten soll ich, was in den Tiefen
und Untiefen meines Herzens zwischen dir und mir und anderen Menschen liegt
– das ist die Botschaft des dritten.
Werde ich mich am vierten Sonntag freuen können, weil es mir gelungen ist?
Ich wünsche es mir so sehr,
denn ich freue mich, dass du zu uns kommen willst,
und ich hoffe, dass du dir, wenn es mir nicht gelingt,
dass du dir selbst einen Platz schaffst,
um bei mir einzukehren.
 (Hans Dieter Stolze)

Dass es so ist und wir dein Ankommen in unseren Herzen feiern, dazu segne uns und alle, die wir in unseren Herzen tragen, der gute und geduldige, liebende und verzeihende Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Text: Patricia Sorek)