Tagesliturgie – Dienstag, 29. Dezember

Zum Beginn GL 261, 1 + 2: Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Vorbetrachtung:

Ich habe einmal in einem Interview die bekannte Frage gelesen: „Was war der schönste Tag Ihres Lebens?“. Aber an Stelle einer Antwort beschwerte sich der Interviewpartner über die Frage, denn es liege ja noch Leben vor ihm und er erwarte noch viele schönste Tage.

Ich konnte damals gar nicht verstehen, wie jemand diese Frage nicht allein auf die bisherige Zeit beziehen könne, auch wenn das Wort „bisher“ in der Frage nicht genannt wurde. Denn natürlich kann niemand sagen, welche Tage noch vor uns liegen.

Die Jagd nach großartigen Erlebnissen ist eine Herausforderung unserer Zeit geworden. Das „Höher, schneller, weiter!“ hat das „Dabeisein ist alles!“ schon lange abgelöst. Das mag für einige Bereiche vielleicht Berechtigung haben. Aber es besteht die Gefahr, sich wie Faust gar nicht mehr vorstellen zu können, jemals zu einem Augenblick zu sagen „Verweile doch, Du bist so schön!“, weil nur der nächste und noch bessere Moment in unseren Augen zählt.

Dabei kann ich leicht aus den Augen verlieren, dass schöne Augenblicke selten vom Himmel fallen. In der Regel erfordern sie mein Einfühlungsvermögen, meine Vorbereitung, meine Einübung, mein Engagement. Diese eigene Beteiligung kommt heute vielleicht manchmal zu kurz: Ich buche das richtige Event, und schon habe ich einen Höhepunkt.

Im Evangelium hören wir heute von einem Menschen, der es ganz anders getan hat.

Lied zum Evangelium GL 472,1: Manchmal feiern wir mitten im Tag

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.
Stunden werden eingeschmolzen und ein Glück ist da.

Evangelium: Lukas 2, 22-35 (Link für kompletten Text)

[…] In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. […]

Zwischengesang GL 66, 1: Das ist der Tag, den der Herr gemacht

Das ist der Tag, den der Herr gemacht;
lasst uns frohlocken und seiner uns freuen.

Nachbetrachtung:

Bei Simeon ist es anders: Er hat nun „seinen Tag“ bekommen. Er hat, wie versprochen, den Messias gesehen, und er preist Gott für dieses Geschenk. Sein Name bedeutet auf Hebräisch „die Erhörung“ und er beschreibt sicher auch, wie innig der Wunsch von Simeon war, den Retter Israels zu sehen.

Manches an Simeon ist eine nachträgliche Zuschreibung, etwa sein hohes Alter. Wir könnten uns auch vorstellen, dass er an diesem Tag jünger war und noch viele Jahre lang froh davon berichtet hat, wie er den Messias sah. Dabei strahlte er sicher eine Ruhe und Gelassenheit aus, wie sie nur Menschen kennen, die erlebt haben, dass Gott sie erhört.

Sein Wunsch konnte nur in Erfüllung gehen, weil er ihn erkannt und vielleicht direkt im Gebet ausgesprochen hat. Gott sah, dass Simeon dieses Anliegen aus ganzem Herzen äußerte. Simeon geht es nicht um das Erlebnis, sondern um das Anliegen, den Erlöser zu sehen. Dieses Anliegen wurde erhört und Simeon wurde „der Erhörte“.

Bitte:

Herr, wir bitten Dich für uns und alle, die sich im Leben manchmal verzetteln. Lass uns erkennen, was uns wirklich wichtig ist, damit wir einem guten Ziel nachgehen und Dir dabei näherkommen können.
Und hilf uns, dass wir auf dem Weg dahin all die anderen Tage, die Du uns ebenso schenkst, nicht geringschätzen.
Wir bitten Dich, erhöre uns!

Und so segne uns der ewige Gott, der uns in der Krippe ganz nahe gekommen ist, um unsere Rufe zu erhören –
der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist.
Amen.

Zum Abschluss GL 261, 3: Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
Denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns Hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!

(Christoph Nitsche)