Tagesliturgie – Donnerstag, 10.12.2020

Liturgischer Impuls für Donnerstag, 10. Dezember 2020 – 2. Adventswoche

An jedem Tag dürfen wir neu beginnen, eine neue Seite im Buch unseres Lebens aufschlagen und gestalten. Tun wir dies im Bewusstsein, dass Gott es ist, der uns jeden neuen Tag schenkt. So beginnen wir unsere Liturgie in Seinem Namen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich wende meine Augen nach innen

Du
Tiefe und Abgrund

Ich wende meine Augen nach innen
um Dich zu suchen in mir
Ich lausche in mich hinein
um Deine Stimme zu hören in mir
Ich sammle mich um meine Mitte
um Dich anzubeten in mir

Du
Tiefe und Abgrund
in mir

(Anton Rotzetter)

Ich lade Sie ein, die Worte der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja (41,13-20) ein wenig näher zu betrachten, sich von ihnen anrühren zu lassen und sie in Ihr Leben hineinzulassen:

13 Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift
und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.

Es ist eine grandiose Zusage: Gott selber ergreift meine rechte Hand und verspricht mir, mir zu helfen! Gott ergreift meine Hand – welche Nähe vermittelt diese Aussage! Ich versuche, mir das bildlich vorzustellen – und ertappe mich dabei, dass ich vor meinen inneren Augen Eltern mit ihrem Kind sehe. Aber warum sollte ich nicht auch als erwachsener Mensch meine Ängste haben und mir zuweilen wünschen, da wäre jemand, der mich vertrauensvoll an der Hand nimmt und mir hilft, durch schwierige Situationen und Entscheidungen hindurchzukommen – wenn ich nicht weiterweiß, wenn Ängste und Sorgen mich belasten, wenn es dunkel in mir und um mich herum ist oder ich keine Kraft mehr habe? Ich möchte mir den Druck nehmen lassen, immer stark sein zu müssen – oder zumindest stark zu erscheinen –, und stattdessen mir gesagt sein lassen: ER selbst – Gott – kümmert sich um mich und uns. ER liebt uns, wir sind IHM nicht egal!

– Gönnen Sie sich einen Moment der Stille, um sich zu erinnern, wann Sie vielleicht schon einmal Gottes Hand in Ihrer Hand gespürt haben. Vielleicht spüren Sie auch jetzt, dass Gott Ihre rechte Hand ergreift und Ihnen zusagt: „Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen!“ –

14 Fürchte dich nicht, du armer Wurm Jakob, du Würmlein Israel!
Ich selber werde dir helfen – Spruch des Herrn.
Der Heilige Israels löst dich aus.
15 Zu einem Dreschschlitten mache ich dich, zu einem neuen Schlitten mit vielen Schneiden.
Berge wirst du dreschen und sie zermalmen und Hügel machst du zu Spreu.
16 Du worfelst sie, und es verweht sie der Wind, es zerstreut sie der Sturm.
Du aber jubelst über den Herrn, du rühmst dich des Heiligen Israels.

Es sind starke Bilder, die der Prophet Jesaja hier verwendet: dreschen, zermalmen, worfeln – ja, das Leben ist harte Arbeit, es kostet Mühen, und es stellt uns vor Entscheidungen. Da geht es buchstäblich zur Sache. Bei all dem steht hier aber der Herr im Mittelpunkt, ist ER der eigentlich (auch durch mich/uns) Handelnde. Daher bezieht sich der Jubel nicht auf meine/unsere Leistung, sondern auf IHN: ER ist zu rühmen, nicht ich und nicht wir.

17 Die Elenden und Armen suchen Wasser, doch es ist keines da;
ihre Zunge vertrocknet vor Durst.
Ich, der Herr, will sie erhören,
ich, der Gott Israels, verlasse sie nicht.

Und auch hier erneut diese starke Zusage: Gott verspricht, „die Elenden und Armen“ zu erhören und sie nicht zu verlassen – auch wenn der Augenschein oder das Gefühl etwas anderes wahrzunehmen meinen.

– Kennen Sie diese Erfahrung? Es braucht oft viel Zeit und inneres Mühen, bis das Gottvertrauen sich gegen die eigene, eingegrenzte Wahrnehmung durchsetzt und den Blick weitet… und die Seele dann aufatmen kann, weil sie sich zutiefst an Gottes Zusage erinnert und darin „ankert“. –

18 Auf den kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen und Quellen inmitten der Täler.
Ich mache die Wüste zum Teich und das ausgetrocknete Land zur Oase.
19 In der Wüste pflanze ich Zedern, Akazien, Ölbäume und Myrten.
In der Steppe setze ich Zypressen, Platanen und auch Eschen.
20 Dann werden alle sehen und erkennen, begreifen und verstehen,
dass die Hand des Herrn das alles gemacht hat,
dass der Heilige Israels es erschaffen hat.

Der Prophet Jesaja „malt“ hier ein wunderschönes Bild: kahle Hügel, von denen Ströme fließen, Quellen, durch die die Wüste bewässert und in eine einzige große Oase verwandelt wird; Bäume wachsen in der Wüste und in der Steppe – alles lebt, grünt. Das alles geschieht allein zur Ehre und zum Ruhm Gottes. Darum geht es: dass dadurch „ALLE sehen und erkennen, begreifen und verstehen“ werden (nicht sollen!), dass der Herr alles geschaffen und gemacht hat. Es ist – bei allem notwendigen Mühen – nicht meine/unsere Leistung, sondern ER wirkt in und durch und mit mir/uns.

Lied: „Mein Gott, welche Freude“ (GL 728)

Mein Gott, welche Freude! Mein Gott, welche Freude!
Mein Gott, welche Freude an dem Tag, an dem du kommst!

Es jauchze die Wüste, der Jubel füllt das Einödland.
Die Steppe steht in Blüte da, wenn der Herr im Licht erscheint.
Mein Gott, welche Freude…

Wacht auf doch, ihr Müden, erstarket, die der Tod beherrscht!
Tröstet euch, seid ohne Furcht, Gott ist unterwegs zu uns!
Mein Gott, welche Freude…

Er baut eine Straße, Erlöste pilgern auf ihr hin,
bald sehn sie Jerusalem: Gott führt uns in Freuden heim.
Mein Gott, welche Freude…

Der Herr ist der Retter aus Fesseln und aus Dunkelheit.
Hebt die Augen und vertraut: Trösten wird er bald sein Volk.
Mein Gott, welche Freude…

Fürbitten:

Gott, Dein Sohn Jesus, unser Bruder, hat uns zugesagt, dass wir Dich in Seinem Namen bitten dürfen. So beten wir

  • für alle Menschen, die derzeit schwer krank sind
  • für alle Ärzte und Pflegenden
  • für alle, die sich um ihre Lieben sorgen
  • für alle, die Angst um ihr Leben und ihre Zukunft haben
  • für alle, die sich selber und andere in Gefahr bringen
  • für alle, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind
  • für alle, die einen Platz in unseren Herzen haben, und für alle, an die keiner denkt

Legen wir alles, was unser Herz bewegt, in das Gebet hinein, das Jesus uns selber gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

Gebet:

Gott, ich erfahre jeden Tag aufs Neue,
dass ich in allem getragen bin, gehalten.

Gott, ich danke dir.
Du trägst mich.
Du hältst mich.

Ich bitte dich:
Bleibe bei mir,
du Quelle und Ziel allen Lebens,
du Quelle und Ziel meines Lebens.

(nach: Ariane Vermeil)

So segne, behüte und begleite uns der gegenwärtige und doch verborgene, der ferne und doch nahe Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen

 

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: John Hain/pixabay, pfarrbriefservice.de (Hände); Markus Manigatterer, pfarrbriefservice.de (Wüste)