Tagesliturgie – Donnerstag, 17.12.2020

Liturgischer Impuls am Donnerstag, 17. Dezember 2020Waldweg

Wir befinden uns auf dem Weg nach Betlehem, auf dem Weg zum Fest der Geburt Jesu. Es sind nur noch acht Tage – für manche eine lange, für manche eine kurze Zeit, je nachdem. Bereiten wir uns weiter auf Seine Geburt vor und beginnen wir unsere Gebetszeit im Namen des dreifaltigen Gottes: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: „Herr, send herab uns deinen Sohn“ (GL 222)

Herr, send herab uns deinen Sohn,
die Völker harren lange schon.
Send ihn, den du verheißen hast,
zu tilgen unsrer Sünden Last.
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt zu dir Immanuel.

O Weisheit aus des Höchsten Mund,
die du umspannst des Weltalls Rund
und alles lenkst mit Kraft und Rat:
Komm, weise uns der Klugheit Pfad.
Freu dich, freu dich, o Israel,
bald kommt zu dir Immanuel.

Die Liturgie am 17. Dezember mutet uns ein Evangelium zu, das auf den ersten Blick langweilig ist und in der Gefahr steht, leiernd vorgetragen zu werden. Es scheint geradezu dazu einzuladen, nicht hinzuhören, besteht es doch anscheinend nur aus einer Aneinanderreihung von uns oft fremden und fremd klingenden Namen. Ehrlich gesagt, es ist nicht mein Lieblingstext – und fordert mich gerade deshalb auf seine Weise heraus, seine Botschaft zu entdecken. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

So lade ich Sie ein, das heutige Evangelium (Mt 1,1-17) auch entgegen mancher Abneigung langsam und bedächtig zu lesen – am besten mit Stimme – und sich vorzustellen, dass hinter jedem Namen ein Menschenleben steht, eine menschliche Geschichte, ein Weg, den dieser Mensch mit Gott gegangen ist:

1 Stammbaum Jesu Christi,
des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:

2 Abraham war der Vater von Isaak,
Isaak von Jakob,
Jakob von Juda und seinen Brüdern.

3 Juda war der Vater von Perez und Serach;
ihre Mutter war Tamar.
Perez war der Vater von Hezron,
Hezron von Aram,

4 Aram von Amminádab,
Amminádab von Nachschon,
Nachschon von Salmon.

5 Salmon war der Vater von Boas;
dessen Mutter war Rahab.
Boas war der Vater von Obed;
dessen Mutter war Rut.
Obed war der Vater von Isai,

6 Isai der Vater des Königs David.
David war der Vater von Sálomo,
dessen Mutter die Frau des Uríja war.

7 Sálomo war der Vater von Rehábeam,
Rehábeam von Abíja,
Abíja von Asa,

8 Asa von Jóschafat,
Jóschafat von Joram,
Joram von Usíja.

9 Usíja war der Vater von Jotam,
Jotam von Ahas,
Ahas von Hiskíja,

10 Hiskíja von Manásse,
Manásse von Amos,
Amos von Joschíja.

11 Joschíja war der Vater von Jójachin und seinen Brüdern;
das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.

12 Nach der Babylonischen Gefangenschaft
war Jójachin der Vater von Scheáltiël,
Scheáltiël von Serubbábel,

13 Serubbábel von Abíhud,
Abíhud von Éljakim,
Éljakim von Azor.

14 Azor war der Vater von Zadok,
Zadok von Achim,
Achim von Éliud,

15 Éliud von Eleásar,
Eleásar von Mattan,
Mattan von Jakob.

16 Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias;
von ihr wurde Jesus geboren,
der der Christus – der Messias – genannt wird.

17 Im Ganzen sind es also von Abraham bis David
vierzehn Generationen,
von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft
vierzehn Generationen
und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus
vierzehn Generationen.“

Es ist eine lange Liste, die derLabyrinth Evangelist da aufzählt. Manche Namen sind uns aus Büchern des Alten bzw. Ersten Testaments bekannt, manche müssen wir nachschlagen, wenn wir Näheres wissen wollen. Und es ist deutlich, dass es nicht nur Helden waren, die genannt werden: Die Geschichte Gottes mit seinem Volk ist kein Heldenepos – so gehört auch David dazu, der mit der Frau des Urija seinen Sohn Salomo gezeugt hatte (v. 6b). Und auch Rut wird genannt, eine der wenigen erwähnten Frauen: Dabei war sie, die Moabiterin, noch nicht einmal Jüdin, sondern „nur“ die Witwe eines Juden. (Ihre Geschichte ist nachzulesen im alttestamentlichen Buch Rut.)

wie wild wachsen doch Weizen und Unkraut
auf einem Ackerfeld durcheinander
von Missbrauch bedroht noch die größten Gaben

so unentwirrbar verflochten die Motive
wer kennt schon die Hintergründe seiner Gründe
in jedem Beweggrund lauert noch ein Abgrund

wird je ein Davidsspross erstehen
mit klaren Augen und reinen Herzens
durchsichtig bis auf den göttlichen Grund

(Andreas Knapp)

Dem Evangelisten ist in seiner Aufzählung wichtig, dass es von Abraham bis Jesus dreimal 14 Generationen sind. Dabei steht die „3“ für Vollständigkeit; die Zahl 7 wird als Summe von „3“ und „4“ (Ordnung) gewertet und bedeutet deshalb „Vollkommenheit und Fülle in Gottes Heilsplan“ (vgl. dazu www.katholisch.de/artikel/14795-verborgene-botschaften-und-codes).

Jeder Mensch hat mit seiner je eigenen Geschichte also einen Platz in Gottes Heilsplan – für uns oft unbegreiflich. Es kann sich lohnen, in einer stillen Zeit den eigenen Lebensweg als Heilsgeschichte zu betrachten: Wo ist mir im Laufe meines Lebens Gott begegnet? Wie hat er mich begleitet, geführt, getragen? …

„Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,
der dich auf Adlers Fittichen sicher geführet,
der dich erhält, wie es dir selber gefällt.
Hast du nicht dieses verspüret?“
– so lautet die 2. Strophe von „Lobe den Herren“ (GL 392).

 Fürbitten:

Gott, Deine Wege sind unerforschlich. Du gehst mit uns durch helle und durch dunkle Zeiten.

  • Wir bitten Dich für die Menschen, die Dich suchen: lass sie spüren, dass Du sie bereits gefunden hast.
  • Wir bitten Dich für alle Einsamen und Kranken: lass sie Deine Nähe erkennen.
  • Wir bitten Dich für alle Trauernden: tröste Du sie und trockne ihre Tränen.
  • Wir bitten Dich für alle Sterbenden und Verstorbenen: nimm sie auf in Deine ewige Gegenwart.

Legen wir all unsere Anliegen und die Menschen, die wir im Herzen tragen, in jenes Gebet hinein, das Jesus selber uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser…

 

Gott finden

in allen Dingen
den Unbedingten suchen

vor allen Dingen aber
ist Gott selber es
der dich
in allen Dingen sucht

bedingungslos

(Andreas Knapp)

So segne uns und alle Menschen, die uns verbunden sind, der allmächtige, barmherzige, unbegreifliche, liebende Gott: + der Vater + der Sohn + der Heilige Geist. Amen.

 

(Text + Fotos: Elisabeth Meuser)