Tagesliturgie Freitag, 11. Dezember

Zum Beginn:
GL 725, 1 + 2: Das Licht einer Kerze

Wir beginnen unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Evangelium des heutigen Tages ist aus Matthäus 11, 16-19:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, Recht bekommen.

Predigtimpuls:
Wenn Matthäus von Hochzeits- und Klageliedern schreibt, klingt das vielleicht erst einmal ungewöhnlich. Ich denke, es geht darum: In der Geschichte seiner Zuwendung zu den Menschen hat sich Gott auf ganz verschiedene Weise gezeigt und geäußert, sowohl direkt als auch durch Propheten. Und oft musste er feststellen, dass der gelebte Glaube neben einigen Höhen sehr, sehr oft Tiefen hatte und die Treue der Menschen zu Gott leicht zu erschüttern war.
In jener Zeit, die hier beschrieben wird, gab es zwei sehr unterschiedliche „Angebote“ zur Nachfolge: Den asketischen Johannes den Täufer, der in Wüste predigt und zur Umkehr ruft, und Jesus, der nahe bei den Menschen in ihrem Alltag ist und dort Zeugnis für die Liebe und Macht Gottes ablegt.
Aber die Menschen finden wohl oft genug etwas zu kritisieren, anstatt ihr Leben und ihren Glauben zu bedenken und nach dem wahren Sinn Ausschau zu halten.
Ich bin mir ganz sicher, dass das kein Problem dieser beschriebenen Zeit ist. Auch heute gibt es viel Aufregung um die vermeintlichen Fehler anderer, und oft genug ertappe ich mich selber dabei, das geradezu als Ausrede dafür zu benutzen, nicht nach der Wahrheit hinter bestimmten Dingen zu suchen, weil ihre Vertreter allzu menschlich und fehlerbehaftet sind.
Umso dankbarer dürfen wir sein für Menschen, die Gottes Wunsch und Willen für ihr Leben entdeckt haben und ihm mutig folgen.
Johannes der Täufer ist hier zu nennen, von dem wir in diesen Tagen so viel hören. Er tritt für den Herrn ein, der ihn als Prophet erwählt hat, und fürchtet sich nicht, auch den Mächtigen seine Meinung zu sagen, selbst wenn das sein Leben bedroht.
Und wir können voller Dankbarkeit auf Maria blicken: Sie hätte allen Grund gehabt, die Verheißung des Engels zurückzuweisen. Schließlich tut man so etwas nicht, sich als Verlobte mit unklaren Angeboten abzugeben. Aber sie spürt hinter dem unverhofften Besuch das Wirken Gottes und ist mutig genug, dafür bereit zu sein. Das wird ihr noch schwere Stunden einbringen, aber sie gibt nicht auf und bleibt dem Herrn in Treue verbunden.
Sie tanzt vor Freude und weint vor Schmerz – immer im Vertrauen auf Gott. Wir wollen dankbar auf dieses Vorbild schauen, nicht als ungerührte stumme Beobachter, sondern als Suchende danach, wo wir unser Leben am besten im Sinne des ankommenden Gottessohnes einsetzen können.

GL 224: Maria durch ein Dornwald ging

Weihnachten und ich

Wesentliches im Traum erfahren.
Wovon träume ich?
Sich auf den Weg gemacht.
Bin ich noch beweglich?
Einfach losgegangen.
Was braucht‘s, damit ich losgehe?
Eine Herberge gesucht.
Geht‘s auch mit einem Stern?
Neues zur Welt gebracht.
Bin ich offen dafür?
Die Armen in Kenntnis gesetzt.
Wen lade ich ein?
Die Tür geöffnet.
Wie viele Schlösser hängen vor meiner?
Alles im Herzen bewahrt.
Was nehme ich mir zu Herzen?

(Tobias Petzoldt)

Fürbitten:
Vater im Himmel, in der Adventszeit wollen wir uns auf das Kommen Deines Sohnes vorbereiten. Dein Stern zeigt uns dazu den Weg. Höre unsere Bitten:
Für alle, die Verantwortung im Beruf und in der Familie tragen und es in dieser Zeit nicht schaffen, etwas zur Ruhe zu kommen.
Dein Stern zeige ihnen den Weg!   A: Dein Stern zeige ihnen den Weg!
Für alle, die die vielfältigen Anregungen nutzen, um Dich besser kennenzulernen.
Dein Stern zeige ihnen den Weg!   A: Dein Stern zeige ihnen den Weg!
Für alle, die unsicher sind, wie sie sich zum Schutz der Gesellschaft verhalten sollten.
Dein Stern zeige ihnen den Weg!   A: Dein Stern zeige ihnen den Weg!
Für alle, die umkehren wollen, um Dir näher zu sein.
Dein Stern zeige ihnen den Weg!   A: Dein Stern zeige ihnen den Weg!
Für alle, die bald vor Dir stehen werden.
Dein Stern zeige ihnen den Weg!     A: Dein Stern zeige ihnen den Weg!
Vater im Himmel, Du tust alles, um uns zu retten. Bald willst Du uns dazu sogar Deinen Sohn senden. Dafür loben wir Dich und preisen Dich in Ewigkeit.
Amen.

Wir wollen beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

1. Der Morgenstern ist aufgedrungen, er leucht’ daher zu dieser Stunde
hoch über Berg und tiefe Tal, vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.
2. Wacht auf, singt uns der Wächter Stimme vor Freuden auf der hohen Zinne:
Wacht auf zu dieser Freudenzeit! Der Bräut’gam kommt, nun machet euch bereit!
3. Christus im Himmel wohl bedachte, wie er uns reich und selig machte
und wieder brächt ins Paradies, darum er Gottes Himmel gar verließ.

Segen:

Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt.
Er mache uns standhaft im Glauben,
froh in der Hoffnung
und eifrig in den Werken der Liebe.

Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit.
Amen.

Wir wollen Ihnen noch etwas anderes mit auf den Weg geben….
Normalerweise gehört zu einem Rorategottesdienst auch ein ordentliches Frühstück. Leider dürfen wir uns nicht zusammensetzen und essen, aber immerhin dürfen wir Ihnen eine Kleinigkeit mitgeben. Und weil leibliche Nahrung bekanntermaßen nicht alles ist, haben wir ein Gebet für Sie für den Heimweg, für das kommende Wochenende, für ein Gespräch mit der Nachbarin oder einem Bekannten, für Ihre eigene Zeit der Andacht:

Maria, traditionell

Da sitzt sie und schaut,
sie, die Maria, schaut
vor sich die Kerze, sie
ist jung, sie ist schön,
natürlich, und bekleidet
ist sie karg, in blau und
in rot. Neben ihr, stehend,
der Mann, vor ihr, kniend,
die Fremden, hinter ihr,
leuchtend, der Engel.
Und wie man hören wird,
bewegt sie alles in ihrem Herzen,
bewegt sich alles in ihrem Herzen,
bewegt sie alle Herzen.

(Tobias Petzoldt)

nach Lukas 2,19

(Christoph Nitsche & Jadwiga Nawka)