Tagesliturgie – Freitag, 18.12.2020

Stern

Rorate-Gottesdienst 18.12.2020, 6:30 Uhr

Liturgischer Gruß:
Im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Licht und Frieden.
Dank sei Gott.

GL 725, 1: Das Licht einer Kerze 1-3

V: Lasset uns danken dem Herrn, unserem Gott
A: Das ist würdig und recht.

Herr.
Die vielen kleinen und großen Lichter in dieser Zeit
verstärken in mir die Sehnsucht nach dem,
was mein Leben hell macht.

Die vielen guten Wünsche in dieser Zeit
verstärken in mir die Sehnsucht
nach einem friedlichen Miteinander in dieser Welt.

Du Gott bist das Licht, das nicht vergeht.
Du schenkst Gemeinschaft und Frieden, der hält.
Ich sehne mich nach dir.

Herr, komm mir entgegen.      Amen.

Lesung (Mt 1, 18-24 ) + Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

18Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

22Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

23Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

24Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

 

So einfach ist das also:

Zweifel-Grübeln-Schlaf-Traum – und Du weißt, was zu tun ist….?

Naja, ganz so einfach ist sicher doch nicht.

Josef war voller Zweifel.  Wir wissen nicht viel über Josef. Was wir wissen ist: Er war ein gerechter Mann, er war Zimmermann. Er übte also ein solides Handwerk aus. Er hatte sich im Laufe der Jahre eine Existenz aufgebaut. Und ganz sicher hatte er sich eingerichtet in seinem Leben. Und das war sicher damals genauso wie heute,  wenn Aufträge kommen sollen, darf kein Makel am eigenen Geschäft hängen. Somit hatte Josef einen Ruf zu verlieren.

Und dann kommt etwas dazwischen, ein Satz:  „Ich bekomme ein Kind!“ Der Zusatz, ‚…von Dir!‘ fehlt. Seine Verlobte ist schwanger! Alles was bis dahin noch sein Leben bestimmte, war mit dieser Nachricht ins Wanken gekommen.

Nein, dass wollte Josef nicht. Das entsprach nicht seiner Vorstellung von seinem Leben. Das entsprach nicht seinem Glauben,  seinen Ansichten und seiner Überzeugung. Er wollte heimlich verschwinden. Er beschloss, sich in aller Stille von Maria zu trennen. Und das ist nur allzu menschlich.

Wie oft bin ich im Zweifel, wenn ich aus gewohnten Bahnen geworfen werde, wenn meine bisherigen Überzeugungen in Frage gestellt werden, wenn ich nur einen Teil meiner Habe aufgeben soll, wenn ich eine Aufgabe übernehmen soll, bei der vielleicht mein Ruf Schaden nehmen könnte? Oft genug gestaltete sich mein Leben so, dass ich mich am Liebsten davon gestohlen hätte und aus manch einer Situation habe ich es auch getan.

Josef hat Zweifel. Josef hat Ängste – Zukunftsängste. Weiß er denn, ob er der Aufgabe auch gewachsen ist? Viele, viele Fragen und er denkt darüber nach bis er einschläft. Und da hat er einen Traum. Und er zweifelt diesen Traum nicht an. Für ihn ist es  kein Hirngespinnst. Er vertraut darauf, dass es tatsächlich ein Engel war, der ihm erschienen ist, und dass es Gottes Botschaft war, die er hörte. Ohne zu zweifeln tut nun Josef, was ihm aufgetragen wurde.

Und ich frage mich – nein ich weiß es, dass ich noch keinem meiner Träume solche Bedeutung zugestanden habe? Und den Tagträumen? Und mein Lebenstraum? Hatte ich einen? Habe ich je einen meiner Träume verwirklicht?

Gut – nochmal von vorn. Josef dachte darüber nach, bis er einschlief. Er ging also in die Stille. Er meditierte, er betete. Er brachte alle Zweifel und Fragen vor Gott,  bis alles ausgesprochen war, bis er innerlich ganz leer und still war, er nicht mehr konnte und einschlief. Und in diese Stille trat Gott. Diese Stille war Gottes Boden. Gottes Botschaft war durch nichts getrübt. Die Botschaft war dadurch so eindeutig, dass Josef nur vertrauen konnte.

Es wird Zeit. Heute in einer Woche feiern wir Weihnachten. In dieser Zeit jetzt, ist eigentlich genug Zeit, um in die Stille gehen zu können, um zur Ruhe zu kommen. Bin ich schon bereit für die Ankunft des Messias? Es ist noch eine Woche, um sich die Antwort auf die Frage zu finden: Wie soll ich Dich empfangen?

Es ist höchste Zeit!

 

In diesen Tagen des Advents

Auf die Stille
will ich achten
und das Schweigen
wieder üben
in diesen Tagen
im Advent

Auf deine Stimme
will ich hören
und sie zu mir
sprechen lassen
in diesen Tagen
im Advent

Auf deine Zeichen
will ich schauen
und sie mir
zu Herzen nehmen
in diesen Tagen
im Advent

Auf die Menschen
will ich zugehen
und für sie da sein,
wenn sie mich brauchen
in diesen Tagen
im Advent

Auf dein Kommen
will ich warten
und dir einen Platz
bei mir bereiten
in diesen Tagen
im Advent

(Paul Weismantel)

Stille:

Lied: GL 726 1+2 und 5+6
Wie soll ich dich empfangen

 

Wechselgebet:

V Am vergangenen Freitag haben wir erfahren, wie Maria klar ihr ‚Ja‘ zu den Plänen Gottes gab. In der Antwort Marias auf die Botschaft des Engels liegt auch für uns ein Schlüssel zum tieferen Verstehen und Einüben unserer Beziehung zu Gott. Wenn wir in dieser Haltung dem begegnen, was uns täglich widerfährt, können wir vertrauensvoller leben.
Wir antworten: Mir geschehe nach deinem Wort

V nicht nach der Meinung der Leute – A mir geschehe nach deinem Wort
V nicht nach eigenem Gutdünken –
V nicht nach meinen Selbstzweifeln –
V nicht nach den Angriffen von außen –
V nicht nach der üblen Nachrede –
V nicht nach dem Urteil meiner Gegner –
V nicht nach der Geringschätzung meiner selbst –
V nicht nach meinen Selbsttäuschungen –

V mir geschehe nach deinem Wort, denn dein Wort ruft alles ins Dasein
A mir geschehe nach deinem Wort

V dein Wort ist Licht und Wahrheit –
V dein Wort ist der Boden, auf dem ich stehe –
V dein Wort erschließt Quellen der Kraft –
V dein Wort schenkt mir einen neuen Anfang –
V dein Wort rettet und befreit –
V dein Wort verheißt Zukunft –
V dein Wort ermutigt und befähigt zum Leben –
V dein Wort schenkt Trost und Frieden –
V dein Wort schafft Vertrauen und Treue –
V dein Wort gibt meinem Herzen Ruhe und Erfüllung –
V dein Wort teilt dich mir mit –
V dein Wort bleibt auf ewig –

(Paul Weismantel)

Schuldbekenntnis – Psalm 62

Vertrauen auf Gottes Macht und Huld

2  Bei Gott allein wird ruhig meine Seele, von ihm kommt mir Rettung.
3 Er allein ist mein Fels und meine Rettung, meine Burg, ich werde niemals wanken.
4 Wie lange stürmt ihr heran gegen einen Einzelnen, ihr alle, um ihn zu morden, wie gegen eine Wand, die sich neigt, eine Mauer, die einstürzt?
5 Ja, sie planen, ihn von seiner Höhe zu stürzen; Lügen ist ihre Lust. Mit dem Mund segnen sie, in ihrem Inneren aber verfluchen sie.
6 Bei Gott allein werde ruhig meine Seele, denn von ihm kommt meine Hoffnung.
7 Er allein ist mein Fels und meine Rettung, meine Burg, ich werde nicht wanken.
8 Bei Gott ist meine Rettung und meine Ehre, mein starker Fels, in Gott ist meine Zuflucht.
9 Vertraut ihm, Volk, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.
10 Nur Windhauch sind die Menschen, nur Trug die Menschenkinder. Sie schnellen empor auf der Waage, leichter als Windhauch sind sie alle.
11 Vertraut nicht auf Unterdrückung, verlasst euch nicht auf Raub! Wenn der Reichtum wächst, verliert nicht euer Herz an ihn!
12 Eines hat Gott gesprochen, zweierlei hab ich gehört: Ja, die Macht ist bei Gott
13 und bei dir, mein Herr, ist die Huld. Denn du wirst vergelten einem jeden nach seinem Tun.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
Wie im Anfang, so auch jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Vergebungsbitte:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser.
Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Fürbitten:

Am Beginn des neuen Tages sind wir hier versammelt, um Dein Licht zu preisen, das in die Welt kommt.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

In dieser Zeit kurz vor Weihnachten sind die Nächte lang. An manchen Tagen scheint es gar nicht richtig hell zu werden. Viele Menschen leiden darunter, fühlen sich niedergeschlagen und traurig. Lass alle, die unter der Dunkelheit dieser Tage leiden, diese Botschaft auch hören. Lass sie das Licht sehen, das mit Christus gekommen ist und das auch in ihre Dunkelheit scheint.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns

Advent ist die Zeit des Wartens. Liebender Vater, manchmal erwarte ich gar nichts mehr. Dann habe ich das Gefühl, alles – zumindest alles, was das Leben schön und reich macht – schon hinter mir zu haben. Als ob da nichts mehr käme. Ich bitte dich um neues Vertrauen in deine Möglichkeiten. Mach mich neugierig auf das, was du mit mir vorhast. Und lass mich deiner Zukunft erwartungsvoll entgegensehen.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns

Für die Menschen, die du unserer Liebe und Fürsorge anvertraut hast; für alle, von deren Not und Leid wir wissen; denen unsere Bitte zu Hilfe eilt, wenn wir in der Stille vor dir ihre Namen nennen.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns

Gütiger Gott, die Zeit des Advent steht ganz besonders im Zeichen deiner Ankunft in unserem Leben. Du bist der Grund unserer Hoffnung, das Licht auf unserem Weg. In dieser Zuversicht rufen wir zu dir: Für alle Familien, in denen es Streit und Unverständnis füreinander gibt. Bringe Licht in ihre Dunkelheit.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns

Für alle, die im Glauben unsicher geworden sind und nach den Quellen des Lebens suchen. Bringe Licht in ihre Dunkelheit.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns

Für unsere Verstorbenen, für alle, die uns lieb und teuer waren und sind, und auch für die, an die niemand mehr denkt. Segne sie mit deinem Licht.
Gott, du Grund unserer Hoffnung: A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Himmlischer Vater, wir danken Dir für das, was aufblüht und gelingt. Wir legen Dir ans Herz, was wir loslassen müssen.Leite uns dahin, wo du uns brauchst. Dein Licht schenke uns Wärme und Leben. Dafür wollen wir dich loben heute und in Ewigkeit.
Amen.

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Wir wollen beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

SEGEN

Gottes Licht in unseren Augen,
Gottes Liebe in unseren Herzen,
Gottes Güte in unseren Händen
–so segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Wir wollen Ihnen noch etwas mit auf den Weg geben….

Besinnung (Tobias Petzoldt)

Einmal statt
aus sich heraus
in sich gehen.

Einmal statt
außer sich
bei sich sein.

Einmal statt
aus dem Gleichgewicht
zur Mitte kommen.

Einmal und,
wenn‘s sein kann,
ein für alle Mal
eins sein mit dem Einen:
Ich in dir. Du in mir.

 

 

 

(Jadwiga Nawka)