Tagesliturgie – Mittwoch, 6. Januar

Liturgie am Mittwoch, 6. Januar 2021 – Hochfest „Erscheinung des Herrn“

Beginnen wir unsere Gebetszeit im Namen dessen, der uns geschaffen hat, für uns Mensch geworden ist und uns versprochen hat, immer bei uns zu sein: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: „Stern über Betlehem“ (GL 261)

Stern über Betlehem, zeig uns den Weg,
führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht,
leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Betlehem, führ uns zum Kind!

Stern über Betlehem, nun bleibst du stehn
und lässt alle das Wunder hier sehn,
das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Betlehem, in dieser Nacht.

Stern über Betlehem, wir sind am Ziel,
denn dieser arme Stall birgt doch so viel!
Du hast uns hergeführt, wir danken dir,
Stern über Betlehem, wir bleiben hier!

Stern über Betlehem, kehrn wir zurück,
steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
und was uns froh gemacht, teilen wir aus,
Stern über Betlehem, schein auch zu Haus.

(T. u. M.: Alfred Hans Zoller)

„Alle Jahre wieder“ hören wir am 6. Januar dieselben Texte aus der Heiligen Schrift: schöne, kostbare Texte mit bezaubernden Bildern. Aber die Wiederholung birgt die Gefahr, einfach nicht mehr aufmerksam hinzuhören – eben weil uns die Texte bekannt sind und wir ihre Botschaft zu kennen meinen. Dennoch oder gerade deswegen lade ich Sie ein, diese buchstäblich altbekannten Worte heute aufmerksam zu hören oder zu lesen, sich ansprechen zu lassen, auf die Resonanz in Ihrem Herzen, in Ihrer Seele zu achten.

Sterndeuter

Sterne wie Samenkörner
an den Himmel gesät
wachsen dem schlaflosen Warten
blühend entgegen

Schau tief in deine Nacht
nur dort findet dich der Stern
der dir heimleuchtet
in den helleren Morgen

Brich das gewohnte Sternenzelt ab
und schlaf unter fremdem Himmel
in dir wohnt das Licht
das immerwegs mit dir zieht

Denn das Antlitz Gottes
steht nicht in den Sternen geschrieben
sondern in den leuchtenden Augen
eines geburtswunden Kindes

(Andreas Knapp)

Die erste Lesung (Jes 60,1-6) bereitet uns vor für die Botschaft des Evangeliums: Der Prophet spricht von Licht und einem Strahlen, das von Gott kommt, aber auch von Finsternis und Dunkelheit unter den Völkern der Erde. „Doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir“, heißt es in Vers 2b und dann in Vers 5: „Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten.“ Solch Großes wirkt der Herr, dessen Ruhmestaten verkündet werden (vgl. Vers 6).

Evangelium (Mt 2,1-12):

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes
in Betlehem in Judäa geboren worden war,
siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden?
Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

Die „Sterndeuter aus dem Osten“ haben sich auf den Weg gemacht: ihren Alltag, ihre Gewohnheiten… verlassen und gegen eine unsichere Zukunft eingetauscht. Sie vertrauen auf ihre Kompetenz, die Sterne zu deuten, und auf den Stern, den sie gesehen haben. Sie sind sich sicher: Für seine Botschaft, dass ein neuer, ein großer König, ja der Weltenherrscher, geboren sei, lohnt sich jeder Aufwand – dagegen ist alles (!) andere unwichtig. So ziehen sie gemeinsam los.

Das Verhalten der „Sterndeuter“ fragt mich an:

  • Bin ich noch bereit, mich herausrufen zu lassen, mich auf den Weg zu machen, dem „Stern“ zu trauen, der in meinem Herzen aufgegangen ist? Oder hänge ich zu sehr an meinen Gewohnheiten?
  • Erkenne ich diesen „Stern“ überhaupt – oder hat sich eine gewisse Gleichgültigkeit, Trägheit… eingeschlichen?
  • Versuche ich, die „Zeichen der Zeit“ zu deuten und mich mit anderen darüber auszutauschen – und auf den darin enthaltenen Ruf zu hören, gegebenenfalls die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen und (in welcher Weise auch immer) aufzubrechen?

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er
und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohepriester
und Schriftgelehrten des Volkes
zusammenkommen
und erkundigte sich bei ihnen,
wo der Christus geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa;
denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der Hirt meines Volkes Israel.

Als die „Sterndeuter“ in Jerusalem ankommen, gehen sie natürlich zuerst in den Königspalast – wo sonst sollte ein König geboren werden? Eigenartigerweise wissen die „Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes“, dass der Christus in Betlehem geboren werden sollte (vgl. Vers 4) – aber sie bewegen sich nicht dorthin. Sie sind so nahe dran – und doch so weit weg von der Erfüllung der Verheißung. Gilt das vielleicht auch für mich, für uns heute…?? Glaube und vertraue ich wirklich dem Wort Gottes?

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich
und ließ sich von ihnen genau sagen,
wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem
und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind;
und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir,
damit auch ich hingehe und ihm huldige!

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her
bis zu dem Ort, wo das Kind war;
dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen,
wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
da fielen sie nieder und huldigten ihm.
Dann holten sie ihre Schätze hervor
und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde,
nicht zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass die „Sterndeuter“ sich quasi im Jerusalemer Palast beraten lassen. Sie lassen dabei ihre eigenen Vorstellungen – dass ein Königskind und erst recht der Weltenherrscher in einem Palast geboren wird – korrigieren. Und sie machen sich wieder auf den Weg – im Gegensatz zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten (zumindest schreibt der Evangelist nichts davon, dass diese auch losgegangen wären), die in ihrer eigenen Welt bleiben, sich nicht herausrufen lassen.

Wie glücklich müssen die „Sterndeuter“ gewesen sein, als sie schließlich das gesuchte (Königs-)Kind fanden! Auch wenn die Umstände nicht ihren Vorstellungen entsprachen, der Stern, dem sie gefolgt waren, bürgte für die Wahrheit.

Die „Sterndeuter“, in der damaligen Welt bedeutende Wissenschaftler, fallen vor dem Neugeborenen nieder, beschenken es mit ihren Gaben – und bleiben dabei innerlich so wach, dass sie sich sogar im Schlaf gebieten lassen, nicht mehr zu Herodes zu gehen, sondern „auf einem anderen Weg heim in ihr Land“ zu ziehen (Vers 12). Das mag auch ein Bild dafür sein, dass sich in ihnen etwas geändert hat: Auch wenn sie nach der Begegnung mit Jesus Christus in ihren Alltag zurückkehren müssen, gehen sie auf einem anderen Weg, mit einer anderen Einstellung… zurück, denn sie sind nach dieser Begegnung nicht mehr dieselben wie zuvor.

 

Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Fernsten rief, aufzubrechen
zum nahen Gott.

Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies,
den untersten, den härtesten Weg.

Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er stehenblieb über dem Haus
der kleinen Leute:
Dort ist die große Zukunft geboren.

Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich aufmachte,
den Unbekannten zu suchen.

Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld.

Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte
vor dem Kinde.

(Klaus Hemmerle)

 

Fürbitten:

Wir beten für alle Menschen, die bewusst oder unbewusst Gott suchen…
Wir beten für alle Menschen, die unterwegs sind, auf der Flucht vor Hunger und Krieg, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen…
Wir beten für alle Menschen, die nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen…
Wir beten für alle Menschen, die gefangen sind – in sich selbst oder in Gefängnissen…
Wir beten für uns selbst, dass wir bereit sind, uns immer neu aufzumachen…

Legen wir all unsere Ängste, Fragen, Sorgen, Bitten…, aber auch unseren Dank und unsere Zuversicht hinein in das Gebet, das Jesus selbst seine Jüngerinnen und Jünger zu beten lehrte:

Vater unser …

Segen:

Der Herr beschenke dich
mit der Behutsamkeit
Seiner Hände,
mit dem Lächeln
Seines Mundes,
mit der Wärme
Seines Herzens,
mit der Güte
Seiner Augen,
mit der Freude
Seines Geistes,
mit dem Geheimnis
Seiner Gegenwart.

(Antje Sabine Naegeli)

So segne und begleite uns und alle, die Seines Segens bedürfen, der gute, unbegreifliche, nahe und doch ferne Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Text: Elisabeth Meuser
Fotos: Elisabeth Meuser (2),
threadreaderapp.com/thread/1339898639775350784.html (Säulenkapitell im Kapitelsaal der Kathedrale zu Autun)