Tagesliturgie Mittwoch 9.12.2020

Jeden Morgen werden wir mit einem neuen, mit Leben zu füllenden Tag beschenkt. Wir beginnen ihn heute wieder im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Sieger Köder: Simon von Kyrene
(https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/jesus-und-simon-von-cyrene-618591.html)

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 11,28-30):
In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Wer fühlt sich nicht oft beladen mit Problemen, Sorgen und Angst. Das Leben ist anstrengend und stressig. Wir tragen viel mit uns herum. Zerstörte Beziehungen, enttäuschte Hoffnungen, Verletzungen, Trauer und Schuld belasten uns schwer. Dazu kommt die Coronakrise, die wir durchleben und in der unsere Verunsicherung groß ist, Pläne gescheitert sind bzw. nicht richtig geschmiedet werden können.
Da kommt uns doch Jesu EINLADUNG im heutige Tagesevangelium sehr gelegen, zumal sie uns alle meint:

Mit allem, was unser Leben im Moment mühselig macht, mit allen Lasten, mit denen wir uns abschleppen, lädt uns Jesus ein, zu ihm zu kommen. Wir dürfen uns ihm anvertrauen. Jesus möchte uns ganz nahe sein.

Bei ihm dürfen wir uns ausruhen und einkehren. Bei ihm dürfen wir aufatmen und auftanken. Wir sind willkommen mit all unserer Last!

Das Evangelium sagt nicht, dass Jesus uns unsere Lasten abnehmen würde. Aber mit der Aufforderung „nehmt mein Joch auf euch“ bietet er sich uns an: Jesus möchte mit uns gehen und mit uns gemeinsam unsere Last tragen. Dann wird es für uns leichter und fühlen wir uns nicht allein in unserer Not.

Auch Jesu Aufforderung: „lernt von mir“, soll keinen Druck auf uns ausüben, sondern ist (s)ein Angebot an uns. Seinen Ruf zu hören und uns an sein Wort zu halten soll keine zusätzliche Last für uns sein. Wir sollen Freude an seiner Botschaft haben, denn es ist eine frohe Botschaft, die uns ermutigt und zur Liebe aufruft, die nicht niederdrückt, sondern aufrichtet; die nicht gefangen hält, sondern befreit. Jesus geht es um jede und jeden von uns, die und den er mit seiner Barmherzigkeit beschenkt, damit auch wir barmherzig mit uns selbst und unseren Mitmenschen sind. Er lebt es uns vor.

Im Alten Testament wird das „Joch“ auch in der Bedeutung „Gesetz“ verwendet. So erschließt sich Jesu Aussage: „Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht“ noch einmal neu. Jesus möchte, dass das, wonach wir uns richten, etwas ist, was uns gut tut, was Sinn ergibt, was uns nicht entmutigt. Wir kennen einige Geschichten im Neuen Testament, in denen ganz deutlich wird, dass es Jesus zuerst um die Menschen geht, um die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen. Ihm geht es nicht um das pure Durchdrücken der Gesetze. Zum Beispiel, wenn Jesus am Sabbat Kranke heilt, obwohl es das Gesetz am Sabbat verbietet. Das Gesetz soll für die Menschen da sein und nicht umgekehrt.
Das Gesetz soll die Menschen anleiten, auf (s)einem, Jesu, guten Weg zu gehen, um erfülltes Leben zu erfahren.

(Welche Möglichkeiten würden sich ergeben, wenn wir die Gesetze unserer Kirche im Sinne Jesu, also mit dem Maß, mit dem Jesus misst, auslegen und leben würden!)
Das hört sich schön an, jedoch ist es, wie wir aus Erfahrung wissen, nicht immer so locker und einfach umzusetzen. Manches Leid ist so groß und schwer, dass es kaum tragbar ist. Dennoch lohnt es sich, sich Tag für Tag neu auf diesen Weg mit Jesus einzulassen und dabei gewiss sein zu können, dass wir bei IHM ausruhen können.

Ich lade Sie zu einer kleinen Ruheübung ein, bei der Sie abschalten und vielleicht ein Stückchen inneren Frieden finden können.

(Foto: Helena Sorek)

Zünden Sie eine Kerze an.

Setzen Sie sich ganz bequem vor die Kerze, dass sie gut in Ihrem Blick ist.
Achten Sie auf Ihren Atem: Ein – Aus – Ein – Aus…
Lassen Sie die Gedanken kommen und gehen.
Und nun schauen Sie für eine ganze Weile in die Flamme…
Achten Sie weiter auf Ihren Atem: Ein – Aus – Ein – Aus…
Dann schließen Sie die Augen.
Richten Sie Ihren inneren Blick auf den Punkt zwischen den Augen.
Lassen Sie an diesem Punkt die Flamme entstehen, solange wie Sie ihre Aufmerksamkeit auf sie richten möchten.
Wiederholen Sie diese Übung, um zur Ruhe zu kommen, so oft es Ihnen gut tut.
(Nach U. Karven aus „Yoga für die Seele“)

Fürbitten

Zu Dir, Du helfender Gott, kommen wir mit unseren Bitten:

Für alle, die schwer beladen sind und im Moment nicht erfahren und glauben können, dass Du bei ihnen bist:
Schenke ihnen das Vertrauen, dass Du ihre Last mitträgst. Lass sie Deine Gegenwart spüren.

Für alle, die Gesetze hüten:
Gib, dass sie es mit Weisheit tun.

Für alle, die von Stress, Arbeit und Druck überlastet sind:
Lass sie den Weg zu dir finden, um zur Ruhe zu kommen.

Für uns alle, die wir auf deine Ankunft warten:
Schenke uns ein offenes Herz dich willkommen zu heißen, wo und wie auch immer wir Weihnachten feiern werden. Amen.

Legen wir all unsere Last bei Jesus ab und stimmen in das Gebet ein, welches er seine Jünger gelehrt hat:
Vater unser…

Zuflucht finden

Gott, Du wärmender Raum,
zu Dir darf ich kommen
in jedem Augenblick –
Du stellst keine Bedingungen.
Ich bin Dir ohne Vorbehalte lieb.
Mit offenen Armen
empfängst Du mich.
Darauf vertraue ich.
Meine Fragen bringe ich Dir,
meine Unruhe, meine Versäumnisse,
mein Überfordert-sein, meine Erschöpfung.
Ich muss nichts sagen,
wenn mir die Worte fehlen
oder ich nicht reden mag.
Du kennst mich.
Du weißt meine Geschichte.
Verweilen will ich vor Dir
bis meine Seele ruhig wird
und ich eintauche in Deinen Frieden.
(Antje Sabine Naegeli)

Segen

Heilender Gott, sieh auf unsere Belastungen.
Segne uns mit Kraft in unserer Müdigkeit.
Segne uns mit Hoffnung in unserer Mutlosigkeit.
Segne uns mit Vertrauen in unserer Angst.
Segne uns mit Glauben in unserem Verzweifeln.

So segne uns und alle, die wir in unseren Herzen tragen, denen wir heute begegnen, der menschenliebende und befreiende Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Patricia Sorek)