Tagesliturgie – Montag, 21.12.2020

Liturgischer Impuls am 21. Dezember 2020

Beginn:

„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde erschaffen hat.“
So beginnen wir unsere Gebetszeit im Namen des Vaters, der uns und die ganze Welt erschaffen hat, und des Sohnes, der die Menschheit erlöst hat und immer neu erlösen will, und des Heiligen Geistes, der den Menschen als Beistand gesandt ist.

Lied: „Maria durch ein Dornwald ging“ (GL 224)

Maria durch ein Dornwald ging. – Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.

Was trug Maria unter ihrem Herzen? – Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Da haben die Dornen Rosen getragen. – Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.

(August von Haxthausen, 1850)

Ich lade Sie ein, das heutige Evangelium mit Bedacht auf sich wirken zu lassen. Der Text ist wohlbekannt, und vor den inneren Augen kann beim Lesen oder Hören ein Film ablaufen. Ignatius von Loyola empfiehlt immer wieder, zu Beginn einer Schriftbetrachtung „den Schauplatz zu bereiten“, d.h. sich die Szenerie möglichst detailliert vorzustellen – eben so, wie Sie persönlich es sich jetzt vorstellen (es gibt kein „richtig“ oder „falsch“). Versuchen Sie, mit allen Sinnen mit dabei zu sein, was dort geschieht: zu beobachten, zu hören, zu fühlen…

Was geschah vor der Szene, die der Evangelist Lukas heute sehr bildreich „malt“? Der Engel Gabriel hatte Maria die Botschaft ausgerichtet, dass sie den Sohn Gottes, den „Immanuel“, gebären solle. Und er hatte ihr – wie als Garantie für die Echtheit seiner Botschaft – gesagt, dass auch ihre Base Elisabet in ihrem hohen Alter bereits im 6. Monat schwanger sei; denn bei Gott sei nichts unmöglich. „Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)

Evangelium (Lk 1,39-45):

39 In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

Wie mag es Maria nach der Begegnung mit dem Engel Gabriel ergangen sein? Vielleicht musste sie sich einfach erst einmal zurückziehen, auch um dem Gerede der Leute aus dem Weg zu gehen: Unverheiratet schwanger zu sein, das geht ja gar nicht! (Während der Evangelist Matthäus eher die Perspektive des Josef einnimmt (der überlegt, sich heimlich von Maria zu trennen – vgl. Mt 1,18-24), beschreibt Lukas den Weg Marias.)
Maria braucht nach dem Erlebten vermutlich erst einmal Abstand – und zugleich sucht sie die Nähe ihrer Base Elisabeth, vielleicht auch, um ihr zu helfen, da diese bereits im 6. Monat schwanger war.

40 Sie ging in das Haus des Zacharías und begrüßte Elisabet.

41 Und es geschah:
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt

42 und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 

44 Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45 Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.

Es ist ein tiefes Erkennen, das Lukas hier in ein wunderschönes Bild fasst: Elisabet erkennt nicht nur ihre Base Maria, sondern auch dass diese mit dem Herrn schwanger ist – Elisabet erkennt das Göttliche in Maria. Und nicht nur das: Lukas ist es wichtig, dass auch der noch ungeborene Johannes den ungeborenen Jesus erkennt. Vielleicht kommt uns genau diese Fähigkeit allzu oft abhanden: das zu sehen, was schon da ist, aber noch nicht mit den äußerlichen Augen erkennbar ist, das unsichtbar dennoch wirk-lich ist.

Die Begrüßung Elisabets, ihr bekennender Lobpreis („mit lauter Stimme“!), mündet in den Satz, den ein Theologe einmal so übersetzte: „Selig ist, die geglaubt hat, dass Gott vollendet, was ER begonnen hat.“ (Lk 1,45) – Ja, Gott vollendet, was ER begonnen hat – auch wenn ich meine Fähigkeiten einbringen darf und soll, darf ich darauf vertrauen, dass Gott das von IHM Begonnene vollenden wird… auch wenn ich den Eindruck habe, dass manches „den Bach runter geht“, dass ich immer wieder Fehler mache, dass wir auf der Stelle treten, dass hoffnungsvolle Aufbrüche abbrechen oder gestoppt werden…: Gott wird vollenden, was ER begonnen hat. Dies darf und will ich glauben.

Lied: „Übers Gebirg‘ Maria geht“ (Johann Eccard) 
(https://www.youtube.com/watch?v=b41LK2sN7fY)

Maria,
ich grüße in Dir
die Anmut der Frau
das Geheimnis der Schwangerschaft
das Lachen der Mutter

Ich preise in Dir
die gute Hoffnung der Welt
das Keimen des Lebens
die Geburt des Menschen

Ich bete in Dir an
das Wirken des Vaters
die Kraft des Geistes
die Gnade Gottes

Ich erbitte von Dir
die Liebe der Mutter
das Zartgefühl der Frau
das Gebet der Geliebten
jetzt und in der Stunde meines Todes

(Anton Rotzetter)

Fürbitten:

Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger ermutigt, seinen und unseren Vater jederzeit um alles zu bitten, was ihnen auf dem Herzen liegt. So beten auch wir jetzt:

  • um den Mut, immer wieder aufzubrechen…
  • um ein weites Herz, das auf die Not unserer Mitmenschen reagiert und auf sie zugeht…
  • um einen aufmerksamen Blick und behutsames Sorgen für das noch Verborgene, das aber schon wächst – in unserem Leben und in der Kirche…
  • um Vertrauen in Gottes Begleitung auch durch schwierige Zeiten…

Legen wir all unsere Bitten, Sorgen und Nöte, aber auch unsere Freude und unseren Dank in das Gebet hinein, das Jesus selbst uns zu beten lehrte:

Vater unser im Himmel…

Segen:

Durch alle Tage und Nächte, auf allen Wegen und Umwegen, durch Täler und über steile Wegstrecken, durch unwegsames Gelände, Einsamkeit und Nöte begleite uns der liebende, Leben spendende, unbegreifliche, nahe und doch ferne Gott – der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


(Fotos + Text: Elisabeth Meuser)