Tagesliturgie – Montag, 28. Dezember

Engel

Wir beginnen unseren Gottesdienst: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Zur Einführung GL 250: Engel auf den Feldern singen:

Engel auf den Feldern singen, stimmen an ein himmlisch Lied,
und im Widerhall erklingen auch die Berge jauchzend mit.
Gloria in excelsis deo. Gloria in excelsis deo.

Tagesevangelium Matthäus 2, 13–18 (Link):

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,
siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten;
dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; […].

Zwischengesang GL 664, 5:
Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.

Impuls:
Als Dresdner kommt man um das Thema „Engel“ nicht herum. Zumindest die beiden Vertreter auf dem Raffael-Gemälde „Sixtinische Madonna“ haben inzwischen weltweite Verbreitung gefunden, weit über den kirchlichen Kontext hinaus. 274 Funde kann man für das Wort in der Einheitsübersetzung aufspüren, und doch ist nicht einmal bekannt, an welchem Schöpfungstag sie erschaffen wurden.

Offenbar kommt es mehr auf die Wirkung dieser Gottesboten an als auf ihre Herkunft. In Kirchen, Buchhandlungen und Museen kann man Abbilder von ihnen finden, aber wo findet man heutzutage noch echte Engel? Ich habe darüber in den letzten Tagen nachgedacht und möchte Ihnen 5 Engelgruppen nach ganz individueller Auswahl vorstellen:

1. Laufrad-Engel
Ich stand am 24. vor unserer Kirche, als ein Vater mit seinen zwei kleinen Töchtern vorbeikam. Diese hatten jede ein Laufrad und rollten damit in allerbester Laune über den Fußweg. So leicht schneller sein als die Erwachsenen – herrlich! Und als sie an mir vorbeikamen, riefen beide: „Frohe Weihnachten!“ Aus reinerem Herzen ist diese Botschaft wohl in diesen Tagen nie verkündet worden und ihre Freude war sehr ansteckend.

2. Singende Engel
Kurz zuvor hatte ich etwas größere Engel getroffen: Jugendliche, junge Erwachsene, die mit Querflöte und Liederheft durch die Straßen unserer Gemeinde gingen, um hier oder dort Bekannten oder Freund*innen ein Ständchen zu bringen – an der frischen Luft, absolut sicher. Und dabei auch absolut herzerwärmend überbrachten sie die himmlische Botschaft, dass Gottes Ankunft auf Erden nun unmittelbar bevorsteht.

3. Twitter-Engel
Auch im Internet kann man Engel finden. Wenn sich eine Frau aus einem Nachbarland die Mühe macht, jeden Morgen eine poetische, ermutigende Auslegung zum Tagesevangelium aufzuschreiben für alle Welt, dann hat jeder Tag die Chance, mit gutem Vertrauen in Gottes Botschaft zu beginnen.

4. Homepage-Engel
Auch die Impulsschreiber*innen unserer Homepage nehmen Gott auf jeweils ganz eigene Weise in den Blick. Ich werde meist schon von dem sorgsam ausgewählten Bild berührt, bevor ich Einblick erhalte in persönliche Gedanken, die sicherlich jeweils mehrfach durchdacht, aufgeschrieben, korrekturgelesen, angepasst und neu formuliert wurden. Die katholische Kirche mag manchmal monolithisch erscheinen,  unsere Homepage gleicht hier eher einem bunten Engelchor.

5. Sterne-Engel
Die Gefängnisseelsorge organisiert im Advent kleine Päckchen, damit jeder Gefangene Kekse, eine kleine Kerze und ein paar freundliche Zeilen erhält. Um wenigstens etwas persönliche Beziehung in dieses Geschenk einfließen zu lassen, wird es normalerweise von Ehrenamtlichen mit guten Worten an jeden einzelnen Gefangenen übergeben. Viele von ihnen nehmen das als eine außergewöhnliche Wertschätzung wahr. Weil so viel Kontakt dieses Jahr nicht möglich ist, hatte die evangelische Pfarrerin nicht nur um Geld für die Bezahlung der Päckchen nachgefragt, sondern auch um selbstgebastelte Sterne gebeten. Und so sind für die 800 Gefangenen über 1500 Sterne aus unserer Gemeinde und der ganzen Stadt zusammengekommen, und jeder sagt seinem Empfänger: „Du bist es wert, dass ich mir Zeit für Dich genommen habe!“

Wie das bei Engeln so ist – bestimmt habe ich welche vergessen oder übersehen. Aber die Wirkung ihrer guten Worte oder Taten, mit denen sie von Gottes Liebe zu den Menschen künden, hält wohl noch lange an!

Als Schlusslied und (Abend-)Segen gleichermaßen GL 101, 7:
Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott lass euch selig schlafen,
stell euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Engel Schar.

(Christoph Nitsche)