Tagesliturgie – Montag, 4. Januar

Zur Einstimmung GL 427, 1: Herr, deine Güt ist unbegrenzt

Herr, deine Güt ist unbegrenzt,
sie reicht, so weit der Himmel glänzt,
so weit die Wolken gehen.
Fest wie die Berge steht dein Bund,
dein Sinn ist tief wie Meeres Grund,
kein Mensch kann ihn verstehen.

Du hast in Treue auf und Acht,
wir sind geborgen Tag und Nacht
im Schatten deiner Flügel.
Du öffnest deines Himmelstor,
da quillt dein Überfluss hervor
und sättigt Tal und Hügel.

Einleitung:

Die Lesung findet heute deutliche Worte. Aber nicht alle deutlichen Worte sind auch klar verständlich. Lesen Sie selbst:

Lesung aus dem ersten Brief des Johannes 3, 7-10 (Link)

Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören.
Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt.
Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Ich finde das schwer verständlich: Wer sind denn die Kinder Gottes? Soweit wir glauben, waren nur Jesus und Maria ohne Sünde. Wenn alle anderen Menschen sündigen (uns eingeschlossen), stammen wir dann vom Teufel? Und wie könnten wir dann gerettet werden? Diese scharfe Einteilung der Menschen in zwei Gruppen macht mir zu schaffen. Hängen unsere Entscheidungen nur davon ab, wes Geistes Kind wir sind, oder können und müssen wir uns an jeder Gabelung des Weges neu entscheiden?

In Bibelkommentaren lese ich etwas über damalige Glaubensströmungen und Überheblichkeiten, die hier bekämpft werden sollen. Ich kann verstehen, dass manche Teile der Bibel in ein relativ spezifisches Geschehen hinein geschrieben wurden, zumal bei den Briefen. Aber gelten sie nicht trotzdem universell?

Ich denke, es ist zulässig, einen solchen Text ohne Bewertung beiseite zu legen. Manchmal ergeben sich eines Tages Situationen, in denen sich eine Deutung erschließt.
Oder wie es Mark Twain einmal sagte:
Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem, was ich in der Bibel nicht verstehe.
Probleme machen mir die Stellen, die ich sehr gut verstehe.

Vielleicht finden wir im Evangelium einen Anknüpfungspunkt? Doch lesen wir zuerst einen Psalm, der sich auch mit der Anrechnung unserer Sünden beschäftigt:

Psalm 130:

Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir: Mein Herr, höre doch meine Stimme!
Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade.
Würdest du, HERR, die Sünden beachten,
mein Herr, wer könnte bestehn?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.
Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf meinen Herrn
mehr als Wächter auf den Morgen,
ja, mehr als Wächter auf den Morgen.
Israel, warte auf den HERRN,
denn beim HERRN ist die Huld,
bei ihm ist Erlösung in Fülle.
Ja, er wird Israel erlösen
aus all seinen Sünden.

Evangelium nach Johannes 1, 35-42

In jener Zeit stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. […]

Dieser Text kommt mir viel stärker entgegen: Wer von Gott hört, kann sein Leben grundsätzlich ändern. Heißt das nicht in der Sprache der Lesung: Wer am Morgen ein Kind des Teufels ist, kann am Mittag schon ein Kind Gottes sein? Wenn ich daran denke, wie Jesus noch am Kreuz dem Verbrecher zu seiner Seite Trost und Hoffnung zuspricht, erkenne ich viele Wandlungen, Wegänderungen und gerettete Schafe bei den Menschen, die ihm begegneten.

Fürbitten:

Wir bitten für alle, die noch nie glaubwürdig Gottes Wort gehört haben.
Wir bitten für alle, die nicht den Mut aufbringen, dem Herrn nachzufolgen.
Wir bitten für alle, die an einer Weggabelung stehen.
Wir bitten für alle, deren Weg bald zu Ende ist.
Herr, sei diesen Menschen nahe!

Das Thema der Umkehr, die so oft notwendig und mit Gottes Hilfe immer möglich ist, wollen wir für uns selbst noch im Lied bedenken:

GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte

Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte; komm uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft!
Mit deinem Beistand uns allzeit behüte, der uns befreit und Geborgenheit schafft.
Hör unser Bitten; die Angst in uns wende;
Feuer des Heiligen Geistes uns sende!

Hilf unserm Glauben, wenn mutlos wir werden; Lichtblick und Freude erblühen aus dir.
Dein Reich des Friedens lass wachsen auf Erden; Werkzeuge deiner Verheißung sind wir.
Lehr uns aus Glaube und Liebe zu handeln
und so uns selbst und die Welt zu verwandeln.

Ruf uns zur Umkehr, sooft wir versagen; du bist barmherzig, vergibst uns die Schuld.
Antwort bist du in verzweifeltem Fragen; lehr uns Verzeihen, Vertrauen, Geduld.
Du hast für uns deinen Sohn hingegeben,
Worte und Taten, aus denen wir leben.

(Raymund Weber)

Und so segne uns auf all unseren Wegen der allmächtige Gott: der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist.
Amen.

(Christoph Nitsche)