Tagesliturgie – Montag, 7.12.2020

Wir beginnen unsere Tagesliturgie

+ Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Eröffnungslied: Kündet allen in der Not, fasset Mut und habt Vertrauen (GL 220)

 

Zur Zeit Jesu und in seinem Umkreis waren Hirten weit verbreitet. Jeder konnte sich etwas darunter vorstellen. Wer von uns kennt heute noch direkt einen Hirten? Und doch haben wir eine Vorstellung von Hirten – sicher auch geprägt von den biblischen Texten. Angeregt vom heutigen Tagesevangelium  möchte ich hier ein paar Aspekte davon herausgreifen und Sie dazu einladen, darüber nachzudenken.

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sprach Jesus:

11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,

13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,

15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

 

Gerne schieben wir das Hirtenamt auf den Bischof oder vielleicht noch auf die Priester ab, aber sind wir nicht alle in irgendeiner Weise Hirten? Wir sind verantwortlich für andere Menschen, sei es in unserem Berufsalltag, in der Familie, beim ehrenamtlichen Engagement oder einfach „nur“ als getaufte Christen.

Jesus, der sich selbst als guter Hirt ansieht, ist dafür das beste Beispiel, wie wir diesen Dienst verrichten können:

  • Sehen wir das „Hirte Sein“ als Dienst an und nicht nur als einen Job, wie der bezahlte Knecht.
  • Fragen wir zuerst, was für die uns Anvertrauten wichtig ist, was sie benötigen.
  • Haben wir alle Schafe im Blick, oder benötigen auch andere unsere Unterstützung?

Aus der Sicht der Herde sollten wir nicht den Anspruch stellen, dass unsere Hirten alleine für uns da sind, sondern wir sollten akzeptieren, dass sie auch von anderen gebraucht werden. In einem anderen Evangelium wird beschrieben, dass der gute Hirte die neunundneunzig  Schafe zurück lässt, um dem einen verlorenen Schaf nachzugehen. Das heißt nicht, dass er uns dem Verderben aussetzt, sondern darauf vertraut, dass wir für eine gewisse Zeit auch alleine zurechtkommen, und dass andere ihn nötiger haben. Sicher lässt er seine Hütehunde, Schutzengel, … bei uns zurück, um auf uns aufzupassen.

 

Beim Gleichnis vom guten Hirten hatte Jesus vielleicht den Psalm 23 vor Augen, der vielen von uns ja auch sehr geläufig ist.

 

Psalm 23: Der Herr ist mein Hirt

https://www.youtube.com/watch?v=ndtk0VRfNK8

 

Die tröstliche Zuversicht des Psalmisten kann in unsere Zeit übertragen auch so formuliert werden:

Der HERR gibt mir
für meine Arbeit das Tempo an.
Ich brauche nicht zu hetzen.

ER gibt mir immer wieder
einen Augenblick der Stille,
eine Atempause,
in der ich zu mir komme.

ER stellt mir Bilder vor die Seele,
die mich sammeln
und mir Gelassenheit geben.

Oft läßt ER mir mühelos etwas gelingen,
und es überrascht mich selbst,
wie zuversichtlich ich sein kann.

Ich merke:
Wenn man sich diesem HERRN vertraut,
bleibt das Herz ruhig.

ER ist in jeder Stunde da,
und in allen Dingen,
und so verliert alles andere
sein bedrohliches Gesicht.

Oft – mitten im Gedränge,
gibt ER mir ein Erlebnis,
das mir Mut macht.

Das ist, als ob mir einer
eine Erfrischung reichte,
und dann ist der Friede da
und eine tiefe Geborgenheit.

Ich spüre,
wie meine Kraft dabei wächst,
wie ausgeglichen ich werde
und mir mein Tagewerk gelingt.

Darüber hinaus
ist es einfach schön, zu wissen,
daß ich meinem HERRN auf der Spur
und daß ich, jetzt und immer,
bei IHM zu Hause bin.

AMEN

Toki Miyaschina
Aus dem Gebetsheft „In IHM sein“, Tag 31 am Morgen, S.65
Von Pfarrer Franz Haidinger, A-4802 Ebensee / Österreich 2009
http://www.heinzpangels.de/psalm_23_neufassung.htm

 

Fürbitten

Für alle Menschen, die Verantwortung tragen:

  • lass sie Dich als Vorbild eines guten Hirten erkennen,
  • stärke sie in ihrem Dienst, dass sie nicht mutlos werden,
  • gib ihnen ein offenes Ohr für die ihnen Anvertrauten, dass sie erkennen, was diese wirklich benötigen,
  • gib ihnen offene Augen, dass sie umfänglich erkennen, für wen sie gesandt sind.

Jesus Christus, im Vertrauen auf Dich als den guten Hirten beten wir, wie Du uns gelehrt hast:

Vater unser ….

 

Segen:

So segne uns der allmächtige Gott, der wie ein guter Hirte immer für uns da ist:
+ Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Abschlusslied: Mein Hirt ist Gott der Herr (GL 421)

 

Foto und Text: Martin Geibel