Tagesliturgie – Sonnabend, 19.12.2020

Blüten

O Radix Jesse,
veni ad liberandum nos,
jam noli tardare.

O Wurzel Jesse,
gesetzt zum Zeichen für die Völker,
vor Dir verstummen die Mächtigen,
zu Dir rufen die Völker.
Komm und erlöse uns,
zögere nicht länger.

Wir gehen auf Weihnachten zu und erwarten die Ankunft unseres Herrn in der Krippe. Wir können seine Größe kaum fassen. In den letzten sieben Tagen vor Weihnachten verleihen wir unserer Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn Ausdruck und bitten darum. Im heutigen Ruf geht darum, dass der Herr kommt wie ein Zweig, aus einer verdorrten Wurzel hervorsprießt. Wie hoffnungsvoll – vielleicht haben Sie dies schon  in der Natur entdecken dürfen. Es ist so geschehenen, wie es in der Schrift geschrieben steht. Begeben wir uns auf die Suche, was uns diese Worte heute sagen können – mir und Ihnen im hier und jetzt.

In Jesaja können wir vom Stamm Isai lesen, eben jenem Jesse, der einst mächtig war und aus dem König David hervorgegangen ist. Viel ist davon nicht geblieben: Die Könige war auf ihren Vorteil aus. Die Assyrer zerstörten das Reich. Der prächtige Stamm ist bis auf die prächtige Wurzel verkümmert. Mitten in diese Zeit hinein spricht Jesaja die hoffnungsvollen Worte.

Viel ist vom Haus David nicht geblieben, doch es wird zu neuem Leben finden. Aus der Wurzel wird ein Zweig heraustreiben. Ein neuer Mensch wird aus dem Stamm Isai hervorkommen. Er wird gesegnet sein vom Geist Gottes und beschenkt mit seinen Gaben. So ganz anders wird er sein als die Herrscher der Welt. Dieser Spross wird zu den Menschen kommen. Bringer von Frieden – Bringer von Gerechtigkeit wird er sein. Weise wie auch umsichtig wird er sein. Wo er erscheint,  wird es Böses nicht mehr geben.

Ja, unser Herr –  unser Zweig aus Radix Jesse – ist in Jesus gekommen, damals in Betlehem und er kommt immer wieder neu zu uns. Zu mir und zu Ihnen. Das ist unser Glaube, auch wenn wir die in Aussicht gestellte Erlösung damals wie heute oft nicht sehen können.

In Manchem sind wir vielleicht mit dem Hause David von damals mehr verbunden als wir ahnen. Gerade jetzt, wo das Corona Virus alles auf den Kopf stellt, Menschen erkranken und daran sterben. Wir werden gebeten, auf Nähe und Kontakte zu verzichten. Da scheint kein hoffnungsvolles Leben zu sein – kein Aufblühen. Gerade jetzt sehnen wir uns um so mehr nach Hoffnung. Wenn wir sowohl unsere inneren Augen öffnen als auch auf die Stimme des Herzens hören, können wir vielleicht schemenhaft einen neuen Zweig erahnen.

Zur Besinnung

Erhoffen aus der Dunkelheit
aus Kleinem heraus wird Großes erwachsen
neu wird alles durch Hoffnung, durch Liebe

wo mein Blick im Dunklen haftet,
erscheint durch Dich ein helles Licht
da entdecke ich verborgene Möglichkeiten
da wächst Mut in mir

wo ich in Streitigkeiten gefangen bin,
umarmst Du mich mit Liebe
da spüre ich Frieden
da kann ich verzeihen

wo ich ratlos suche,
bist Du da
da kehrt Stille ein in mir
da erkenne ich Wesentliches

Neu wird alles durch Hoffnung, durch Liebe
aus Kleinem heraus erwächst Großes
Geschenkt  aus Deiner Gnade

(Dorit Nitsche 12/2020)

Lassen Sie uns einen Augenblick innehalten und den Fragen nachgehen:

  • Wo bin ich verdorrt, wie einst die Wurzel Jesse?
  • Wo ersehne ich einen Neuanfang mit dem Herrn?
  • Wo gestalte ich mein Umfeld mit, damit Hoffnung, Frieden und Gerechtigkeit einkehren?

Fürbittendes Gebet

Zu Dir, unserem Herren –  entsprossen aus der Radix Jesse – erheben wir unser Gebet. Komm und sei uns nahe in dieser Stunde, an diesem Tag:

Im Alltag entfernen ich mich immer wieder von Dir, schenke mir immer wieder einen Neuanfang mit dir und lass mich im menschlichen Miteinander mit den Anderen einen neuen Anfang wagen
O unser Herr –  entsprossen aus der Radix Jesse – komm: Wir bitten dich, erhöre uns

Im Alltag bin ich immer wieder kleingläubig und pessimistisch. Immer wieder lass in mir Glaube, Liebe und Hoffnung neu wachsen und mich diese weiterschenken
O unser Herr –  entsprossen aus der Radix Jesse – komm: Wir bitten dich, erhöre uns

Im Alltag gibt es immer wieder Streitigkeiten, schenke mir deinen Frieden und deine Gerechtigkeit und lass mich für ein friedvolles miteinander in meinem Umfeld eintreten.
O unser Herr –  entsprossen aus der Radix Jesse – komm: Wir bitten dich, erhöre uns

Segen

Seid gesegnet auf der Suche nach dem kommenden Gott! –
Seid gesegnet im Erspüren göttlicher Geburten! –
Seid gesegnet im Erspüren von Gottes Ankunft auf Erden –
Seid gesegnet im Erspüren von Gottes Anwesenheit auf Erden –
Seid gesegnet im Erspüren von Gottes Menschwerdung auf Erden –
Seid gesegnet im Finden von Gottes Spuren in dieser Welt!
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit.
(Quelle unbekannt)

Lied: GL 243

Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart

(Text & Bild: Dorit Nitsche)