Detaillierter Bericht über den Bischofsbesuch

Um seine Diözese kennen zu lernen, hat sich Bischof Heinrich Timmerevers vorgenommen bis Sommer 2017 alle Verantwortungsgemeinschaften (VG) zu besuchen. Seine Fragen: Wo stehen wir im Erkundungsprozess? Was fördert, was hindert uns? Welche Herausforderungen und welchen Auftrag erkennen wir?
Am Samstag, 14. Januar 2017, verbrachte Bischof Heinrich, begleitet von OR Elisabeth Neuhaus einen vollen Tag in unserer VG Dresden-rechts der Elbe.

Über Radeburg und Moritzburg kam Bischof Heinrich gegen 10 Uhr im Pfarrhaus Pieschen an. Nach Gesprächen mit dem Leiter der VG, Pfarrer Thaddäus Posielek, und dem hauptamtlichen Pastoralteam, inclusive Pfarrsekretärinnen, standen der Besuch kirchlicher Orte auf dem Plan. Bischof Heinrich bezeichnete sie aufgrund ihres sozialen Engagements als große Bereicherung und Orte der Evangelisation. Vom Mädchentreff Lucy in Pieschen ging es über Kurzbesuche in St. Martin in der Neustadt und in St. Hubertus, Weißer Hirsch, zum ICE (Initiative Christen für Europa) in Pappritz. Dort gab es einen intensiven Austausch mit den Jugendlichen, die sich vorbereiten für ihren sozialen Einsatz in der Welt und mit der Steuerungsgruppe der VG. Die Steuerungsgruppe, bestehend aus Delegierten und einigen Hauptamtlichen, berichtete von bereichernden Besuchen bei kirchlichen Orten – von der Strafvollzugsanstalt bis zu den Maltesern – und einer Reihe bereits gelungener Zusammenkünfte auf VG-Ebene. Dazu zählten u.a. Gottesdienste, Ministranten-, Jugend- und Seniorentreffen, gemeinsame Chorprojekte und die Frauen-Weggemeinschaft. Bischof Heinrich ermutigte, sich als „Vordenker“ zu verstehen und besonders den geistlichen Weg der Gemeinden zu unterstützen.
Nach Pieschen zurückgekehrt, informierten die Pfarrgemeinde- und Kirchenräte über den zurückgelegten Weg. St. Josef, Pieschen, betonte die Chancen des begonnenen Prozesses: Neues lernen und üben, neue Bilder für den Glauben gewinnen, neue (Kontakt-) Möglichkeiten im größeren Raum. Als Herausforderungen wurden die Suche nach Schwerpunkten, das Wirken über die Gemeinde hinaus, das Weiterführen von Bewährtem und die Transparenz von Entscheidungsfindungen genannt.
Aus St. Hubertus wurde berichtet von Unverständnis und gegenseitigen Verletzungen nach dem Weggang des damaligen Pfarrers, bis hin zum Weggang eines pastoralen Mitarbeiters. Ehrenamtliche fühlten sich zu wenig wahrgenommen; als Wunsch wurde formuliert, bleiben zu dürfen, was man ist. Hoffnung wird gesetzt in die nun beginnende Mediation im PGR.
Die Pfarrgemeinderäte der Gemeinde St. Franziskus Xaverius sprachen vom zunehmenden Wirken in die Gesellschaft hinein, von den spirituellen Impulsen der Hauptamtlichen, von einem möglichen Sabbatjahr um neu zu finden, „wofür wir wirklich brennen und wie wir zukünftig Gemeinde sein wollen“.
Um 18 Uhr wurde in großer Gemeinde die Hl. Messe gefeiert; vor Augen das Ziel des gemeinsamen Weges, das „Himmlische Jerusalem“, wie es der Dresdner Künstlers Friedrich Press in St. Josef schuf. In seiner Predigt verdeutlichte Bischof Heinrich anhand seines Bischofsstabes, der gefertigt wurde aus einem sehr alten Nussbaum seines Pfarrhausgartens, wie wichtig das beständige Wachsen im Glauben sei. Seine Aufgabe als „Hirte“ sei es, das Gottesvolk zu sammeln und in Einheit zu führen.
Bei der anschließenden Begegnung mit Bischof Heinrich im voll besetzten Gemeindesaal kam es zum regen Gedanken- und Meinungsaustausch: Vertreter/innen weiterer kirchlichen Orte stellten sich vor; in Tischgruppen wurden künftige Schwerpunkte und Herausforderungen für die pastorale Arbeit formuliert; das Pastoralteam stellte seine Überlegungen zum „Zukunftsplan 2020“ vor und ermutigte die Anwesenden ihre Gedanken und Wünsche beizusteuern. Das rote Sofa bot dabei Gelegenheit, dem Bischof nahe zu kommen und den eigenen Ideen Nachdruck zu verleihen. Ausführlich nahm Bischof Heinrich Stellung zum Gehörten und Gesehenen:
Keine VG ist mit der anderen vergleichbar. Es gibt große Unterschiede was Gestaltungskraft und Nach-vorne-Denken betrifft. Die Kirche befindet sich in einem großen Umbruchs- und Neustrukturierungsprozess. Wie werden wir in 10 Jahren Kirche sein? Welche Gestalt wird sie haben? „Ich weiß es nicht“, so er Bischof.
Sein Appell: „Machen wir uns gemeinsam auf die Suche! Wohin will Gott uns führen? Wohin führt uns Jesus? Wie kommen wir zu den Menschen? Was ist der Anspruch des Evangeliums? Wohin sind wir gesandt? Darüber sollten wir uns gemeinsam vergewissern. Dabei fangen wir nicht bei Null an. Respekt vor der Lebensleistung vieler ist nötig.“
Das strukturelle Ziel gibt Bischof Heinrich vor: Ab Sommer 2017, spätestens jedoch im Jahr 2020 soll im gesamten Bistum aus den Pfarreien einer VG eine einzige Pfarrgemeinde werden. Diese „Neugründungen“ sollen liturgisch, in Anwesenheit des Bischofs gefeiert werden. Im Jahr 2021, dem Jubiläumsjahr „100 Jahre Wiedererrichtung des Bistums Dresden-Meißen“ soll dieser strukturelle Prozess abgeschlossen sein.
Worauf aber kommt es an, um nach vorne zu schauen? Bischof Heinrich gab Antworten: Die „Kirche am Ort“ soll so viel lebendig erhalten wie möglich. Gleichzeitig soll Kirche nicht nur an einem Ort gedacht werden. „Was muss gemeinsam gemacht werden, um der Sendung nachzukommen? Die Verantwortung füreinander hört nicht an den Gemeindegrenzen auf. Wichtig ist, nicht Spaltung zu bringen, sondern Brücken zu bauen; nicht rückwärtsgewandt zu leben. Unsere Kirchenbilder sind geprägt von der Vergangenheit; manche haben Angst, etwas zu verlieren. Es gilt, das Kostbare aus der Vergangenheit dahingehend zu befragen, wie es für die Zukunft wertvoll werden kann. Wer will, dass alles so bleibt wie es war, wird feststellen, dass nichts so bleibt wie es war. Festhalten allein führt nicht weiter. Ich will Mut machen. Die, die aufeinander zugehen, sind Gewinner.“
Rebekka-Chiara Hengge, Gemeindereferentin