Wir haben Hunger nach…

Lieber Alexander, ich antworte Dir öffentlich auf Deinen Beitrag: Wonach haben wir Hunger?

Die Antwort auf die Frage, wonach wir Hunger haben, kann man allgemeingültig beantworten und sie ergibt sich aus den vielen Gedanken und Gefühlen, die Gemeindemitglieder in den Gemeindeversammlungen äußern.

Die psychologische Fachliteratur spricht von vier Grundbedürfnissen, die alle Menschen mehr oder weniger stark haben: das Bedürfnis sicher und entspannt zu sein, das Bedürfnis nach Verbundenheit und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.

Unser Grundbedürfnis nach Sicherheit (Ordnung, Geborgenheit, Beständigkeit, Ehrlichkeit, Klarheit,…) ist in unserer Pfarrei deutlich zu spüren und zu hören. Viele Gemeindemitglieder äußern ihre Sorge, dass mit weniger hauptamtlichen Mitarbeitern und ohne die gewohnten Strukturen, für Sie Wesentliches verloren geht. Eine Not scheint auch die Unklarheit zu sein, wo es hingehen soll.

Auch das Grundbedürfnis nach Entspannung (Harmonie, Leichtigkeit, Humor, Ruhe, Stille,…)  sprechen viele Gemeindemitglieder aus, wenn sie von Überforderung sprechen, um Hilfe bei Konflikten in der Gemeinde bitten, sich gegen immer neue Aufgaben und Veränderungen wehren und wenn sie nur wenige der vielen Gemeindeangebote nutzen.

Unüberhörbar ist auch das Grundbedürfnis nach Verbundenheit (Nähe, Gemeinschaft, Respekt, Verlässlichkeit,…). Die Angst vor zentralen Strukturen und Veranstaltungen, vor dem Wegbleiben von immer mehr Gemeindemitgliedern und vor dem Verlust eines Rahmens für die Gemeinschaft vor Ort, steht auf vielen Flipcharts und in den Gesichtern der Menschen, die sich zu Wort melden.

Das noch immer unerfüllte Bedürfnis nach Selbstbestimmung (Entwicklung, Wachstum, Freiwilligkeit, Sinn,…)  ist eines der Hauptursachen für Ärger, Frustration und Ohnmachtsgefühle in unseren Gemeinden, die von den Mutigen lautstark geäußert werden und manch Resignierten zum stillen Rückzug bewegen.

Diese vier Grundnahrungsmittel: Sicherheit, Entspannung, Verbundenheit und Selbstbestimmung sollten wir, meiner Meinung nach, in unseren Gemeinden so gut wie möglich bereitstellen und dann darauf vertrauen, dass Gott unseren eucharistischen Hunger stillt und jeder auf seine Weise diese bedingungslose Liebe weiterschenken wird.

Danke für Deinen Impuls!

Claudia Hanke