Wo stehen wir? Wo gehen wir hin?

Irgendwie schien früher alles einfacher und übersichtlicher – auch in der Kirche. Ein Pfarrer – eine Pfarrei. Jeder wusste, wer das Sagen hatte und wo man hingehört. Jetzt heißt es: „Gemeinsam Kirche sein“, „Lokale Kirchenentwicklung“ und „Erkundungsprozess“, verbunden mit der Frage: Wozu und für wen sind wir Kirche an diesem Ort? Das fordert uns alle heraus – Gemeindemitglieder ebenso wie Hauptamtliche. Einige grundsätzliche Überlegungen hierzu:
Kirche befindet sich immer auf dem Weg und in der Wandlung. Nicht weil Bischöfe oder Gemeindeleitungen besonders innovativ sind, sondern weil wir Christus nachfolgen; er ist „Weg“, „Wahrheit“ und „Leben“. Orientierung am und Verwurzelung im Evangelium ist deshalb zentral! Immer unterwegs sein, Veränderungen stemmen, das kann mühsam sein und verunsichern, es ist aber auch spannend und im guten Sinne heraus – fordern:
Wie führt uns Christus, unser Haupt?
Wohin führt er uns? Was sagt ER uns durch die Zeichen der Zeit? Nie können wir sagen: „JETZT sind wir angekommen; wir können uns im Erreichten einrichten; das Reich Gottes ist umfassend verwirklicht“. Kirche bleibt Baustelle. Zu einer Baustelle aber gehören stetige Arbeit,
Überraschungen, Freude an den Baufortschritten genauso wie Baulärm, Umbaumaßnahmen, Konflikte, Frust und Sorgen.
Ja, wir brauchen viel Mut und Vertrauen in den himmlischen Baumeister.
Und wir müssen uns mit allen Kräften um ein gemeinsames Hören auf IHN bemühen!
Augen und Ohren verschließen oder Stehenbleiben reiben uns auf.
Strukturveränderungen (Bsp. Zusammenlegungen von Gemeinden) sind nur Hilfsmittel.
Sie versuchen, Kirche für eine veränderte Zukunft zu rüsten. Kirchenentwicklung ist ein Prozess aufmerksamen Hinschauens und Wahrnehmens: Was hat Zukunft? Was wächst heran? Welche Menschen und Herausforderungen kommen auf uns zu?
Wie kommt Christus uns in all dem entgegen? Wie können wir weiterhin „Salz und Licht sein“ – gerade in Diaspora – Situationen?
Das alles braucht „maximale Beteiligung“ aller Getauften! Es zählt die Lebendigkeit der Menschen vor Ort. Dass das bereits vielfach gelebt wird in unseren Gemeinden, stimmt mich zutiefst dankbar und hoffnungsvoll! Hauptaugenmerk im Alltag muss für uns alle der konkrete Mensch sein, der Getaufte, der Nichtgetaufte, der Arme, der Suchende. Beziehungsorientierung und Kommunikationsvermögen werden uns „um des Himmels willen“ abverlangt!

Wenn wir darin immer wieder mal versagen und scheitern, dann ist das kein Beinbruch. Einander neu zuhören, einander vergeben und gemeinsam weiter gehen, das gehört zu unserem christlichen Profil! Alles in allem: Wir stecken in einem be – weg – enden Prozess. Kommen SIE mit!

Thaddäus Posielek, Pfarradministrator Oktober 2016