Wortgottesfeier für den 3. Sonntag der Fastenzeit

Gotteslob, Bibel, Kreuz und Kerze

In der Justizvollzugsanstalt, die zu unserer Pfarrei gehört, finden regelmäßig Gottesdienste statt. Frau Sorek vertritt die Katholische Seelsorge und ich unterstütze sie dabei. Auch in der JVA dürfen wegen der Epidemie derzeit keine Gottesdienste stattfinden. Ich habe den Ablauf, der eigentlich am 15.3. vorgesehen war, etwas für unsere Pfarreiwebseite aufbereitet. Zusammen mit einer Bibel und einem Gotteslob kann ihn nun jede und jeder zu Hause oder an einem anderen Ort mitfeiern.

Den Ablauf können Sie auch herunterladen: PDF
Die liturgischen Texte finden Sie auch hier: Schott

Christoph Nitsche

Wortgottesdienst am 15. März 2020

Dritter Sonntag der Fastenzeit im Lesejahr A

Lied:  GL 142 Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen

Begrüßung: Kreuzzeichen

Wir beginnen unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes – Amen.

Einleitende Worte zu den Bibeltexten:

In den Bibeltexten geht es heute um Wasser, das ist ganz offensichtlich. Es geht um das Wasser als Grundlage des menschlichen Lebens, das anderenfalls nicht entstehen oder wachsen kann. Aber das Leben braucht mehr als Wasser und ein paar Nährstoffe, es braucht Ziele und Werte, es braucht die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Doch nicht immer erweist sich diese Gemeinschaft als segensreich – immer wieder gibt es Gruppen, die sich abtrennen oder bekämpfen, die andere für weniger wert halten oder sich selber für die einzig wahren Jünger des Herrn. Rufen wir zum Herrn, damit er uns zu einer guten Gemeinde in seiner Nachfolge werden lässt:

Kyrie

Jesus Christus, du rufst uns als Deine Gemeinde an jedem Ort, erbarme dich unser.
Jesus Christus, du Freund Deiner Freunde, erbarme dich unser.
Jesus Christus, Du schenkst uns das Wasser des Lebens, erbarme dich unser.

Stille unseren Durst nach Dir, damit wir für alle Zeiten gestärkt sind. Amen.

Tagesgebet
Ewiger Gott, seit Anbeginn der Zeiten liebst Du die Menschen.
Stärke unser Verlangen, Dein Wort zu hören
und von dem Wasser des Lebens zu trinken,
das nur Du geben kannst durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem heiligen Geist lebt in Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem 2. Buch Moses (Exodus) 17, 3-7 
In jenen Tagen dürstete das Volk nach Wasser ….

….. Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?
Wort des lebendigen Gottes.      A: Dank sei Gott.

Zwischengesang:

GL 53, 1: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht das Herz

GL 53, 2: Psalm 95: Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn

 

Ruf vor dem Evangelium    

Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre!

Herr, du bist der Retter der Welt.
Gib mir lebendiges Wasser, damit mich nie mehr dürstet.

Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre!

 

Evangelium nach Johannes 4, 5-42

In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. …

…  Er ist wirklich der Retter der Welt.

Frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus.
A: Lob sei dir Christus

 

Predigt:

Kennen Sie das: Sie haben jemand geholfen, einen großen Gefallen getan und denken, dass der andere Ihnen nun zumindest für eine Weile angemessen dankbar sein wird, aber schon nach kurzer Zeit gibt es Gemäkel und Gejammer. Es scheint, als habe der andere komplett vergessen, was Sie schon für ihn getan haben!

So ähnlich muss es Gott bei den Ereignissen der ersten Lesung gegangen sein. Gerade noch hatte er sein Volk aus der Unterdrückung in Ägypten geführt, in einer Feuersäule war er ihnen voran durch das Rote Meer gezogen und hatte das Heer des Pharaos geschlagen. Und er hatte danach auch schon für Nahrung und Wasser gesorgt.

Aber nun, nur wenige Wochen später, murrt das Volk und ihr Anführer Moses bangt um sein Leben. Aber Gott ist da, er zürnt nicht, sondern hilft – „schnell und unbürokratisch“, wie wir heute sagen würden. Sein Volk liegt ihm am Herzen und er tut, was er kann.

Und doch: Trotz Wolkensäule, Manna und Wasser: Die Menschen geraten immer wieder in Streit mit Gott und untereinander. Offenbar ist es sehr schwer, die Gemeinschaft zu bewahren und einander beizustehen. Auch als sie am Ziel ihrer langen Reise angekommen sind, als sie das versprochene Heilige Land besiedeln, finden sie keinen Frieden. Zuerst zerbricht das Reich in zwei Teile, später können die Nachbarvölker Teile davon besetzen. Und so kommt es auch zu der Situation am Brunnen, die wir im Evangelium gehört haben: Jesus trifft eine Frau, und obwohl sich beide im Glauben auf den Vater Jakob beziehen, der diesen Brunnen gegeben hat, ist das Gespräch eigentlich untersagt: Die Juden meinen, dass die Samariter auf eine falsche Weise an Gott glauben, und obwohl es ganz klar der selbe Gott ist und die selben Gebote befolgt werden, darf Jesus nicht mit der Samariterin sprechen.

Eigentlich ist das widersinnig – und doch passiert es auch heute noch jeden Tag auf ganz unterschiedlichen Ebenen: Obwohl wir dasselbe Ziel haben, sei es in den Religionen weltweit, sei es im Streben für das Land und seine Menschen, sei es ganz vor Ort in der Stadt, wo wir leben, in der Kirchengemeinde oder sicher auch bei Ihnen zu Hause oder im Dienst: Wir arbeiten auf das Wohl der Menschen hin und geraten doch darüber in Streit.

Jesus zeigt, dass es anders geht: Er eröffnet das Gespräch mit einer einfachen Bitte: „Gib mir zu trinken!“. Es geht ohne Belehrung, ohne Abgrenzung, ohne „von-oben-herab“ – Jesus zeigt seine Hilfsbedürftigkeit in diesem Moment ohne Angst, er ist ganz offen. Und daraus entwickelt sich ein Gespräch, dass erst die Frau und dann ihr ganzes Dorf neu über den Glauben nachdenken lässt. Veränderung ist möglich, das Zusammenstehen im Glauben und in der Gesellschaft ist möglich, wo wir uns auf ein Gespräch einlassen. Dabei muss es gar nicht immer um Gott gehen. Ein gutes Gespräch verbindet auch dann, wenn wir über andere Dinge sprechen und dabei Gott nur „im Hinterkopf“ bei uns haben.

Die Bibeltexte heute spannen den Bogen vom Trinkwasser zum Wasser des Lebens. Natürlich braucht der Mensch Essen und Trinken, denn ohne diese Grundnahrungsmittel wird es schwer, über Gott und den Glauben nachzudenken. Aber damit das Leben auf dieser Welt gelingt, sind eben noch weitere Zutaten notwendig. Und wenn wir wollen, können wir den Bogen vom Wasser, das Jesus bei der Hochzeit von Kanaa in Wein verwandelt hat, zu dem Wein weiter folgen, der in der heiligen Messe für uns zum Blut Christi wird. Denn das ist die eine Zutat, ohne die menschliches Zusammenleben nicht gelingen kann: Die Liebe Gottes, ausgedrückt in seinem Sohn, der sich für uns geopfert hat, die jeden Tag vom heiligen Geist wieder und wieder zu uns getragen wird, dabei wir nicht verdursten müssen.

Ich kann Ihnen heute hier keinen Becher reichen mit einem Getränk, das Sie für immer erfrischt und auf ewig den Durst vertreibt. Aber ich bringe das Wort Jesu von seinem Wasser mit. Suchen Sie danach, egal ob in der Bibel oder im Gespräch mit Ihren Mitmenschen. Zögern Sie nicht, danach zu fragen, wenn sie es bei anderen spüren, und geben Sie wiederum großzügig jedem, der sie darum bittet oder der durstig aussieht. So können wir die Gemeinschaft schaffen, in der wir dann auch dir Kraft finden, Jesu nachzufolgen.

Amen.

(Stille)

 

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters:
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

 

Predigtlied: GL 221: Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen

 

Fürbitten

Vater im Himmel, Du bist für Dein Volk da und sorgst Dich darum, dass wir in Deiner Gnade leben können. Höre unsere Bitten:

1) Wir bitten für alle, die für andere Wasser, gute Worte und Gemeinschaft bereithalten Stärke sie in Deiner Nachfolge.                            A: Wir bitten Dich, erhöre uns!

2) Wir bitten für alle, die keine Gemeinschaft finden, zu der sie sich zugehörig fühlen können. Schenke ihnen gute Freunde.                      A: Wir bitten Dich, erhöre uns!

3) Wir bitten für alle, die in einer Gruppe das Sagen habe. Öffne ihr Herz für das Miteinander anstelle von Rivalität.                        A: Wir bitten Dich, erhöre uns!

4) Wir bitten für alle, denen es derzeit in Krankheit oder Armut an Lebensnotwendigem mangelt. Schicke ihnen Hilfe.                                    A: Wir bitten Dich, erhöre uns!

5) Wir bitten für unsere Verstorbenen. Lass sie in Deiner großen Gemeinschaft ein Festmahl der Freude feiern                                    A: Wir bitten Dich, erhöre uns!

 

(Nehmen wir uns etwas Zeit, unsere eigenen Sorgen und Bitten – laut oder still – vor den Herrn zu bringen.)

Das Wasser, mit dem Du uns erfrischst, können wir ohne eigenen Mangel Anderen weitergeben. Schenke uns dazu die Kraft, Deinem Vorbild zu folgen, heute und in Ewigkeit –   A: Amen.

 

Vater unser
Gott ruft uns, gemeinsam sein Volk zu sein. Dazu will er uns mit dem ewigen Wasser stärken. Zu ihm beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Der Segen Gottes komme auf uns herab.
Der Segen, der uns wie frisches Wasser erquickt.
Der Segen, der uns wachsen und aufblühen lässt.
Der Segen, der Frieden und Mut in unser Herz bringt.
Der Segen, der uns mit unseren Brüdern und Schwestern verbindet.
Der Segen, den wir selber weitergeben dürfen.
Der Segen, der unsere Gemeinschaft wachsen lässt.
Dieser Segen Gottes komme auf uns herab und bleibe bei uns alle Tage!
Der Segen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Schlußlied: GL 451 Komm Herr, segne uns

 

(Christoph Nitsche)