
Liebe Musikfreunde,
nach einem wunderschönen Start in die 37. Reihe musikalischer Vespern in der Moritzburger Schloßkapelle am Pfingstmontag darf ich Sie zu einem weiteren Höhepunkt am kommenden Sonntag, 7. Juni, 17 Uhr einladen:
Es erklingen Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, BWV 988.
Obwohl Bach dieses berühmte Werk eindeutig für das Cembalo schrieb, wurde es vor allem als Virtuosenstück auf dem modernen Klavier bekannt. Für Cembalist Jan Katzschke, der sie in Moritzburg musiziert, steht jedoch etwas ganz anderes im Vordergrund: Bach erforscht die Wandlungsfähigkeit von Musik in einer sprudelnden kontrapunktischen Konversation, gleich der Lektüre eines kostbaren Lieblingsbuches zu stiller Stunde.
Jan Katzschke spielt auf seinem großen zweimanualigen Cembalo nach Pascal Taskin von Keith Hill, Manchester/Michigan, USA, 2014.
An den Beginn der Vesper stellt er eine kurze Suite von Louis Couperin zum 400. Geburtsjahr.
Das geistliche Wort spricht Pfarrer Markus Deckert.
Im Anhang schicke ich Ihnen einen einführenden Text von Jan Katzschke und dessen Vita, dazu das detaillierte Programm.
Herzliche Grüße in Vorfreude,
Ihre Ulrike Titze
Vita
Jan Katzschke lebt in Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) und in Radebeul. Er konzertiertals Cembalist, Organist und Dirigent. Schwerpunkt bildet das Schaffen Johann Sebastian Bachs, daser auch in Werkeinführungen vermittelt; zudem gilt er als Experte für die Orgeln GottfriedSilbermanns. In Sachsen ist er u.a. Intendant des Erzgebirgischen Orgelsommers, in seiner Niedersächsischen Heimat leitet er drei Chöre. Zudem lehrt er regelmäßig in Meisterkursen für Orgel und beim Crescendo Summer Institute in Tokaj (Ungarn).
Zu den Goldberg-Variationen:
Sein größtes Variationswerk schrieb Johann Sebastian Bach der Erzählung nach auf Bestellung des befreundeten Dresdner Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, der essich von seinem hoch begabten jungen Hauscembalisten Johann Gottlied Goldbergdes nachts vorspielen ließ. So erhielt die Variationsreihe später den Namen „Goldberg-Variationen“. Fest steht, daß Bach das Werk 1741 in Druck gab mit dem Titel „ClavierÜbung,bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Veraenderungen vor Clavicimbal mit 2 Manualen, denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget von JohannSebastian Bach“. Die zauberhafte ARIA, die das Thema bildet, schrieb Bach bereits früher in das„Notenbüchlein“ für seine Frau Anna Magdalena, in welchem offenbar Lieblingsstücke des Paares zusammengetragen sind. Sie selbst ist schon Variation, denn das eigentliche Thema ist nicht die Oberstimme, sondern der Baß und seinHarmoniegerüst, über und in dem sich die Melodien entfalten können. Zwei mal 16Takte umfaßt die Baßlinie, mit einer Pause in der Mitte, und zwei Mal 16 Sätzeumfassen auch die Goldberg-Variationen. Auch sie haben in der Mitte eine natürliche Zäsur; nach einem Moment der Stille ist Variatio 16 ein Neustart als Ouverture. Die Variationen gliedern sich in Dreiergruppen: Die erste ist stets ein „Charaktersatz“, die zweite ein virtous-konzertantes Spielstück (oft mit Überkreuzender Hände, so daß zwei Manuale nötig sind), die dritte ein Kanon zweier Oberstimmen über einem Baß, wobei sich der Abstand der Kanonstimmen jedes Malum einen Ton vergrößert. Am Ende steht ein Quodlibet (Nr. 30), das den Baß inhumorvoller Weise mit zwei bekannten Volksliedern verbindet: „Kraut und Rübenhaben mich vertrieben“ und „Ich bin so lang nicht bei dir gewest, ruck her, ruck her“. Dies bezieht sich wohl auf die nachfolgende Wiederholung der ARIA als Thema, dasdurch Bachs Variationskunst verdrängt wurde. Die ist gleichwohl das Gegenteil von „Kraut und Rüben“: Was Bach an feinster kontrapunktischer Konversation über demengen Korsett des vorgegebenen Basses und seiner Harmonien entfaltet, grenzt an ein Wunder; eine atemberaubende Entdeckungsreise zu den zuvor kaum geahnten Möglichkeiten der Musik schlechthin, ein Vordringen zu ihrem tiefen Wesenskern,wie nur Bach es schaffte und damit allen nachfolgenden Komponisten zumunerreichten Vorbild wurde.







