Ostern

Osterfeuer 2018
„Osteraugen“ – ein weiterer geistlicher Abend in der Reihe „Das Kirchenjahr – Von der Heilkraft der Feste“.
OSTERN IST! Ostern war nicht, Ostern ist!

Wir glauben an den Auferstandenen, den lebendigen Gott. Denn Gott ist kein Gott der Toten. Die Osterzeugen von damals haben es erlebt, gesehen und ihr Leben dafür gegeben, dass diese Botschaft nicht im Sande verläuft, sondern weitergesagt bis heute. Jesus ist auferstanden. Er wurde auferweckt durch die Macht und Kraft des Vaters.
Die Osterzeugen von damals haben es erlebt, gesehen und sie haben ihr Leben dafür gegeben, dass diese Botschaft nicht im Sande verläuft, sondern weitergesagt wird.
PAULUS ruft alle, die noch „schlafen“, die noch „wie tot sind“ (Eph 5, 14):
Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Paulus vergleicht also das Aufwachen, das Aufstehen, das Bewusstwerden, das Zu-klarem-Bewusstsein-Gelangen mit der Totenerweckung und der Erleuchtung des Menschen. Das Arbeiten an unserem AUFWACHEN (seelisch, geistig, geistlich, körperlich) ist zu vergleichen mit der „Auferstehung von den Toten“.
Diese unsere Bewusstwerdung ist eine echte Aufgabe für uns Menschen. Und es ist eine INNWENDIGE ARBEIT, eine Innenarbeit. Wir nennen es Persönlichkeitsreifung, ganzheitlich, mit Herz und Hirn. „Wach auf, der du noch schläfst. Komm raus aus deiner Identifikation mit deinen Emotionen, mit deinem Ärger, deiner Enttäuschung, deinem Leid…“.

Angelehnt an Angelus Silesius könnte man sagen: „Wäre Christus 1000mal vom Grab erstanden, es nützte mir nichts, wenn es mir nicht heute auch geschieht.“ Aufstehen aus dem, was mich klein hält, was mich fesselt und bannt. Österliche Menschen sind Menschen, die diesen Ruf Christi hören und versuchen ihn in ihrem Leben umzusetzen. Aufstehen und „Gott erwartet uns in allen Dingen“ (Teilhard de Chardin).

Ostern heißt, aufstehen aus dem kühlen Grab unserer eigenen Ge- und Befangenheit, aus Sach- und Situationszwängen, aus der Starre von Institutionen und Bürokratien, aus dem Grab verschütteter Hoffnungen, verlorengegangener Gewissheiten und Zuversicht, aufstehen gegen den Sog der Welt.
Christen glauben an den Sieg des Lebens! Das kann heißen: Vergangenes loslassen. Erlittene Pein loslassen. Christus will mit uns das Leben feiern. Er will Fesseln sprengen. Er will Zukunftspläne schmieden mit uns.
„Steh auf und Christus wird dein Licht sein!“ Dem Auferstandenen folgen heißt, mit IHM gehen. Neue Lebenskraft spüren, neuen Schwung. Mich vom LEBEN ergreifen lassen!
Dem Leben einen Vorsprung verschaffen in uns – vor dem Tod.
Abschied nehmen von zu klein gewordenen Kleidern. Falsche Gottesvorstellungen loslassen. Das österliche Licht in uns aufgehen lassen! Denn der Himmel ist in uns. „Das Gottesreich ist mitten unter euch, ist in euch“, sagt Jesus. Werden wir also unserem Ruf gerecht, lassen wir uns mitreißen vom Auferstandenen. Kirche, „Ecclesia“, das sind die von Christus Herausgerufenen.
Wir sind gerufen, mit OSTERAUGEN durch die Welt gehen.
Das Licht, den blühenden Baum, das weinende Kind, Not und Freude wahrzunehmen und in das Licht von Ostern zu halten. Das bedeutet Spiritualität. Spiritualität ist etwas anderes als Theologie. Spiritualität heißt, mich von Gott in sein Geheimnis einführen lassen; das ist etwas Anderes als Über-Gott-nachdenken.
Hildegard Nies beschreibt es so:
Osteraugen
suchen dich nicht bei den Toten,
sie finden dich, wo das Leben ist.
Osteraugen
sehen hinein in die tod-ernste Welt
und stecken sie mit Osterlachen an.
Osteraugen
erkennen dich in den Gesten
der Menschlichkeit mitten im Alltag.
Osteraugen
weisen den Weg
von den Wunden der Liebe
zu den Wundern der Liebe.
Osteraugen
blicken zum anderen Ufer,
wo du auf uns wartest,
um uns zu sättigen
mit dir selbst.
OSTERAUGEN – Richard Rohr erzählt dazu diese Geschichte (in Pure Präsenz, S. 30-33):
„3 Männer standen am Ozean und betrachteten den denselben Sonnenuntergang. Der eine sah die immense physische Schönheit und erfreute sich an dem Ereignis selbst. … er sah mit dem ERSTEN Auge. Der 2. sah denselben Sonnenuntergang. Er freute sich über all die Schönheit – so wie der 1. … Er freute sich darüber hinaus über die eigene Fähigkeit, das Universum zu analysieren und seine Funktionsweise zu verstehen. … Aufgrund seiner Vorstellungsgabe, seiner Intuition und seiner Vernunft sah er gleichsam mit dem ZWEITEN Auge. Der 3. Mann sah denselben Sonnenuntergang, wusste alles, was der 1. und der 2. wussten und freute sich daran wie sie. Aber aufgrund seiner Fähigkeit, vom Sehen über das Erklären zum „Schmecken“ voranzuschreiten, verweilte er darüber hinaus staunend vor einem grundlegenden Geheimnis, einem Zusammenhang und einer Weite, die ihn mit allem anderen verband. Er benutzte sein DRITTES Auge. Es ist das eigentliche Ziel allen Sehens und Erkennens. Sehen mit dem DRITTEN Auge ist die Sichtweise der Mystiker. Sie lehnen das erste Auge nicht ab… Sie lehnen das zweite Auge nicht ab. Aber sie wissen, es gibt mehr.“

Mit Osteraugen durch die Welt zu gehen bedeutet, das „DRITTE AUGE“ in uns zu schulen. (Bereits im frühen Mittelalter haben christliche Philosophen diese drei Arten des Sehens ausformuliert.)

Osterübung:
Setze dich entspannt hin. Richte deine Wahrnehmung nach innen.
In deiner Fantasie wanderst du in den Garten des Ostermorgens:
Du bereitest dich vor, auf die innere Begegnung mit dem Auferstandenen;
… da steht ER!
Vielleicht kannst ihn wahrnehmen …
ihn spüren …
Vielleicht ist da das Licht des Ostermorgens.
Vielleicht begegnen sich eure Blicke …
Hör hin …
vielleicht hat ER ein Wort für dich …
Was sagt er? Was tut er?
Vielleicht berührt er dich – äußerlich, innerlich …
Du verabschiedest dich…
Was nimmst du mit aus dieser Begegnung?

Rebekka-Chiara Hengge, Gemeindereferentin