An die Haupt- und Ehrenamtlichen
in den Pfarreien und Institutionen
im Bistum Dresden-Meißen

Dresden, 8. März 2024

Für alle. Mit Herz und Verstand. – Ein Anliegen der Evangelischen und Katholischen Kirche in Sachsen

Sehr geehrte Verantwortliche und Engagierte in den Pfarreien und Institutionen unseres Bistums, liebe Schwestern und Brüder,

das Jahr 2024 ist ein Jahr der Wahlen. Am 9. Juni 2024 werden wir im Rahmen der Kommunalwahlen in Sachsen über die zukünftige Besetzung der Kreistage, Stadt-, Gemeinde- und Ortschaftsräte entscheiden und parallel dazu können wir im Rahmen der Europawahl die Abgeordneten in der zukünftigen Zusammensetzung des europäischen Parlaments mitbestimmten. Am 1. September sind wir schließlich zur Wahl eines neuen sächsischen und thüringischen Landtags aufgerufen.
In ökumenischer Verbundenheit haben Landesbischof Bilz und ich uns in Zusammenarbeit mit unseren Büros und Pressestellen auf eine gemeinsame Initiative verständigt, die das Wahljahr 2024 begleiten soll. Ich möchte Ihnen diese mit diesem Schreiben gern vorstellen und Sie herzlich einladen, sich ihr anzuschließen.
Die Initiative steht unter dem Motto „Für alle. Mit Herz und Verstand“ und möchte darauf hinweisen, dass bei allen Wahlentscheidungen der Blick auf die Themen Menschenwürde-Nächstenliebe-Zusammenhalt Orientierung gebend sein sollte. Wie die Universalität des Evangeliums selbst, sollte auch unser Denken, Entscheiden und Handeln stets auf das Wohl aller Menschen hin ausgerichtet sein. Der Ausschluss Einzelner oder ganzer Gruppen sind damit nicht vereinbar. Weiterhin sind wir als Menschen insgesamt, besonders aber als Christinnen und Christen aufgerufen, Herz und Verstand zusammenzubringen, wenn wir wirklich gute Antworten auf komplexe Fragen finden wollen.

Kirche nach außen hör- und sichtbar werden zu lassen. Sie ist damit ein Beitrag der Kirche zum gesellschaftlichen Diskurs. Vor allem aber soll die Initiative auch die Möglichkeit bieten, die verschiedenen Aktivitäten der katholischen und evangelischen Kirche im Freistaat Sachsen – auf allen Ebenen und in allen Gremien und Gruppen – unter ein gemeinsames Dach zu stellen. Wir wollen mit dieser Initiative dazu anregen und Mut machen, im Kleinen wie Großen selbst aktiv zu werden und sich einzubringen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Gesprächsabend im Gemeindehaus an dem Interessierte mit den lokalen Kandidat:innen der demokratischen Parteien der Mitte in den Kontakt kommen können?

Weitere Informationen zur Initiative erhalten sie über die eigens dafür eingerichtete Webseite: www.fuer-alle.info. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, ihre eigenen Veranstaltungen und Angebote veröffentlichen zu lassen, so dass im besten Fall eine sachsenweite Übersicht zu kirchlichen Veranstaltungen im Wahljahr wachsen kann.

Auf der Webseite haben Sie vor allem aber auch die Möglichkeit, sich die Materialien der Initiative als Dateien herunterzuladen und für eigene Veranstaltungen etc. zu nutzen. Auch können kostenfrei großformatige Banner und Aktionsmaterial bestellt werden. Nutzen Sie diese Möglichkeit zur Bestellung gern bis zum 7. April 2024. Einige Materialien finden Sie in der Anlage.

Ein persönliches Wort zum Schluss: Ich würde mich freuen, wenn wir es gemeinsam schaffen würden, als Kirchen in Sachsen mit dieser Initiative in allen Regionen hör- und sichtbar zu werden, Räume zum Austausch anzubieten und Orientierung zu geben! Denn mit den bevorstehenden Wahlen stellen sich sehr grundsätzliche Fragen. Die Stimmung in unserem Land ist vor dem Hintergrund verschiedener Krisen angespannt, teils auch aufgeheizt. Mit Sorge nehme ich ein abnehmendes Vertrauen in staatliche Institutionen, in Politikerinnen und Politiker, aber auch in Nachbarinnen und Nachbarn wahr. Der Ton sprachlicher Äußerungen wird rauer, rutscht immer häufiger in den Bereich des Unanständigen ab. Wirklichen Gesprächen mit dem Ziel der Verständigung wird damit die Grundlage entzogen – wenn sie überhaupt noch geführt werden. Hinzu kommen ein wieder erstarkender Antisemitismus und wachsende Ressentiments gegenüber Menschen, die in unserem Land Schutz suchen.

Die ostdeutschen Bischöfe wie auch die gesamte DBK haben in einem gemeinsamen Wort bzw. einer gemeinsamen Erklärung kritisch auf diese Entwicklungen aufmerksam gemacht und dazu aufgerufen, sich im Wahljahr 2024 nicht von diesen Entwicklungen und den sie verstärkenden Botschaften vereinnahmen zu lassen, sondern sich aus einer christlichen Grundhaltung heraus besonnen und verantwortungsvoll für eine Perspektive der Hoffnung, der Solidarität und des Gemeinsinns einzusetzen.

Lassen Sie uns dafür gemeinsam eintreten!

Mit freundlichen Grüßen und der herzlichen Bitte der Weitergabe dieses Schreibens in Ihre Gremien und Strukturen,

Heinrich Timmerevers
Bischof von Dresden-Meißen