Fürstenauer Madonnenaltar im Regionalmuseum Teplice | Foto: Euroregion Elbe/Labe

Wallfahrt zur verschwundenen Madonna von Fürstenau

Gemeinde-Wallfahrt St. Hubertus am 19.9.2026

„Dej Buh stesti“, auf deutsch: „Gott schenke Glück“ steht in großen Buchstaben an der Wand des Restaurants, in dem wir unser Mittagessen in Teplitz am Tag unserer Wallfahrt eingenommen haben. Ein wunderbares Motto für diesen Tag! Schon allein mit dem Wetter hatten wir Glück: Sonnenschein gepaart mit herrlicher Fernsicht über den Kamm des Osterzgebirges.

Ziel unserer Wallfahrt war der Fürstenauer Madonnenaltar. Zu diesem Altar sind jahrhundertelang Menschen gepilgert, haben ihre Anliegen zur Madonna getragen, und sicher hat es auch glückliche Augenblicke gegeben. Diese Wallfahrten hatten auch etwas von einem Volksfest. Das versucht man heute wieder aufleben zu lassen mit dem 2023 erneuerten Kirschenfest. Die Wallfahrten wurden von Laien organisiert, kein Priester hat sie begleitet. Wie kam es überhaupt dazu? Werfen wir einen Blick in die bewegte Geschichte des Altares.

Entstanden ist er höchstwahrscheinlich um 1490 in Pirna für die Rosenkranzbruderschaft. Sein Standort war das Dominikanerkloster. Rosenkranzbruderschaften waren Gründungen des Dominikanerordens. Im Zuge der Reformation wurde 1539 der Dominikanerorden aufgelöst, die Altäre in der Klosterkirche wurden nicht mehr benötigt.

Der Madonnenaltar kam in die evangelische Kirche in Fürstenau. Eine mögliche Erklärung ist, dass der erzkatholische Grundherr, Rudolf von Bünau (1465 – 1543), den Altar inSicherheit bringen wollte und dass ihm dafür Fürstenau, das zu seiner Herrschaft Lauenstein gehörte, dafür geeignet schien. Dort blieb er dann die nächsten 350 Jahre. Ende des 18. Jahrhunderts verbot Kaiser Josef II. große Wallfahrten und Prozessionen. Und nun pilgerten die deutschsprachigen Katholiken aus den grenznahen böhmischen Orten des Erzgebirges ins Sächsische zur Madonna in der evangelischen Kirche in Fürstenau alljährlich am Fest Mariae Heimsuchung am 2. Juli. So etwas hat es in Europa bis heute nicht wieder gegeben. 1884 wurde in Fürstenau eine neue evangelische Kirche gebaut, die alte abgerissen. Der Altar wollte in die neue nicht so recht passen, vielleicht wollte man auch diese katholischen Pilgerströme nicht mehr, und so schenkte man ihn der Gemeinde in Vorderzinnwald. Mit Unterstützung der sächsischen Königin Carola wurde für den Altar eine Kapelle gebaut. Am 1. November 1887 wurde er feierlich überführt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, in den 50er Jahren wurde die Kapelle wie der ganze Ort dem Erdboden gleich gemacht. Und der Altar? Er wurde gerettet durch Karl Rudolf (1905 – 1978) aus Hinterzinnwald. Er trommelte seine Freunde zusammen, und sie brachten die Madonna auf einem Wagen in ihren Heimatort. Nach 1990 kam der Altar in ein Depot, um ihn vor Diebstählen zu bewahren. 2 Seitenflügel gingen verloren, tauchten später wieder auf und befinden sich heute in der Bischofsresidenz in Leitmeritz. Der Altar selbst wurde restauriert und steht heute im Regionalmuseum in Teplitz.

Wir sind auf unserer Wallfahrt dem Weg der Madonna gefolgt, allerdings haben wir den Ursprungsort Pirna an den Schluss gesetzt. Erste Station war Fürstenau. Dort hatten wir eine ökumenische Andacht mit dem evangelischen Pfarrer und dem katholischen Diakon. In der Kirche erinnert man an die Madonna mit Gedenktafeln an Personen, die sich um den Altar verdient gemacht haben: Königin Carola, Pfarrer August Heinrich Dittrich und Karl Rudolf. 2021 wurde die Idee geboren, die Madonna symbolisch wieder in die Kirche von Fürstenau zu holen. Und so gibt es heute eine „Gläserne Madonna“ aus dem 3-D-Drucker zu bestaunen.

Von Fürstenau ging es in den wüsten Ort Vorderzinnwald / Predni Cinvald. Die Gruppe teilte sich, ein Teil ging zu Fuß den alten Wallfahrtsweg, der jetzt querfeldein verläuft. Nach der Ernte kann man das machen. Der Bus fuhr auf einer extrem schmalen Straße. Der Gegenverkehr, ausgelöst durch zahlreiche Pilzsammler, verlangte unserem Busfahrer sein hohes Können ab. Vom Ort selbst zeugen Gedenktafeln und der mit Steinen ausgelegte Grunriss der Kapelle.

Nun wurde es Zeit fürs Mittagessen. Wir fuhren nach Teplitz in die schöne Gaststätte mit dem wundervollen Motto. An der belebten Straße ahnt man gar nicht, welche Pracht quasi im Hinterhof sich entfaltet. Man fühlt sich in die Kaiserzeit zurückversetzt, Wände hoch hinauf getäfelt, oben eine Galerie und über dem Mittelgang eine ganze Reihe herrlichster Kronleuchter. In Teplitz versammelten sich in der Saison viele illustre Gäste aus europäischen Herrscherhäusern, aber auch Geistesgrößen. Nach Beethoven ist ein Haus benannt. August der Starke verbrachte während seiner Regierungszeit fast jedes Jahr die Sommermonate hier und residierte mit seinem Hofstaat im Teplitzer Schloss. Von der Gaststätte gingen wir durch die Altstadt zum Schlossplatz mit der Pestsäule. Vor dem Schloss versammelte sich eine Hochzeitsgesellschaft. Die Braut war nicht dabei, sie haben wir später gesehen… Das soll ja auch Glück bedeuten.

Und dann war der große Moment da: wir standen vor dem originalen Altar: ein Flügelaltar, in der Mitte die Madonna mit dem Jesuskind, umgeben von einem Strahlenkranz. Sie steht auf dem Vollmond, der ein menschliches Gesicht trägt. Der Mond ist hier Zeichen der Vergänglichkeit. Die geöffneten Flügel zeigen die Verkündigung, die Christgeburt, die Heimsuchung und die Anbetung der Könige.

Dann ging es zurück an den Ursprungsort, nach Pirna. Die gedeckte Kaffeetafel empfing uns in St. Kunigunde und so konnten wir allseits gestärkt als krönenden Abschluss die Hl Messe feiern dank dem Einsatz von Pfarrer Prause, der dafür extra nach Pirna gekommen war.

Dankbar und auch ein wenig glücklich über diesen schönen Wallfahrtstag fuhren wir zurück nach St. Hubertus. Reichlich Nahrung für Seele, Geist und Leib haben wir bekommen, und auch der Verstand wird nicht dümmer. Familie Meyer bereitet jedes Jahr den Tag perfekt vor, sucht und findet immer wieder interessante Ziele, dass man nur staunen kann. Auch dafür noch einmal ganz besonders: Danke!!

Und für die Grobplanung für nächstes Jahr sei es an dieser Stelle verraten: die Wallfahrten von St. Hubertus finden immer um das Fest Kreuzerhöhung statt.

Ilse Boddin

(eingestellt Christian Esser 02.11.2026)